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So machen Sie's besser Die größten Fehler in der Gehaltsverhandlung

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Sie hätten gern mehr Geld? Überlegen Sie sich gute Argumente.

(Foto: imago/Eibner)

Sie verdienen genug? Schön für Sie. Wenn Sie aber der Meinung sind, dass ruhig noch etwas mehr ginge, kommen Sie um leidige Verhandlungen nicht herum. Die folgenden Fehler sollten Sie vermeiden.

Über Geld spricht man nicht? Sollten Sie aber! Zumindest mit den richtigen Leuten, nämlich Ihren Vorgesetzten. Wer nicht nach Gehaltserhöhungen fragt, bekommt sie normalerweise auch nicht hinterhergeworfen. Nun führt man Gehaltsverhandlungen maximal alle ein bis eineinhalb Jahre, eine richtige Routine stellt sich da nicht ein. Wenn Sie das Optimum herausholen wollen, sollten Sie diese vier Fehler auf jeden Fall vermeiden:

1. Falsches Timing

Mal kurz im Büro vorbeischauen und einen fetten Gehaltsaufschlag wieder rausgehen – so einfach ist die Sache selten. Gehaltsgespräche führt man nicht zwischen Tür und Angel, in der Regel macht man dafür extra einen Termin. Aber wann? Schon beim Timing können Sie einiges falsch machen. Zunächst sollten Sie sichergehen, dass sich das Unternehmen Ihre Forderung überhaupt leisten kann. Wie ist die finanzielle Lage der Firma, stehen größere Veränderungen an? Ist Ihre Abteilung auf dem aufsteigenden Ast oder soll hier gespart werden? In dem Fall wäre es womöglich besser, die Ansprüche noch eine Weile zurückzustellen, statt eine Abfuhr zu kassieren.

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Suchen Sie sich den Termin sorgfältig aus.

(Foto: imago stock&people)

Scheint die Lage günstig, kommt es noch darauf an, die Entscheidungsträger auf dem richtigen Fuß zu erwischen. Ein Gesprächstermin am Montagmorgen? Keine gute Idee. Freitagnachmittag allerdings auch nicht. Kurz vor der Mittagspause plagt Ihr Gegenüber womöglich schon ein knurrender Magen. Vielleicht wird Ihr Anliegen dann rasch durchgewinkt, wahrscheinlicher ist aber, dass man Ihnen nicht die Aufmerksamkeit schenkt, die Sie gerne hätten.

Wenn Sie wirklich strategisch vorgehen wollen, schauen Sie sich auch Ihre Verhandlungspartner genauer an. Ihre Vorgesetzte schleppt sich gerade von einer Erkältung zur nächsten, Ihr Chef kämpft sich durch eine nervenaufreibende Scheidung? Dann lohnt es sich vielleicht, zu warten, bis die Stimmung wieder besser ist.

2. Schlechte Vorbereitung

Der Termin für das Gespräch steht. Bis dahin sollten Sie sich überlegen, was Sie sagen wollen. Also in erster Linie, wie viel Gehalt Sie gerne hätten und womit Sie es verdienen. Bereiten Sie sich vor und sorgen Sie dafür, dass Sie das, was Sie sagen, auch mit Unterlagen belegen können.

Wenn Sie mit Ihrer Bezahlung unzufrieden sind, klären Sie, was andere in Ihrer Position bekommen. Die Berufsbezeichnung allein ist dabei natürlich nicht das einzige Kriterium. Welche Ausbildung haben Sie und welche Aufgaben? Haben Sie Personalverantwortung? Ganz wichtig: Wie groß ist das Unternehmen, für das Sie arbeiten? Konzerne zahlen in der Regel besser als Startups oder Mittelständler. Und natürlich sind auch die Branche und die Region entscheidend. Eine einfache Möglichkeit, den eigenen Marktwert zu bestimmen, ist beispielsweise der Online-Gehaltsvergleich beim Karrieredienst Experteer.

Ihr Gegenüber wird sich natürlich noch für andere Zahlen interessieren. Nämlich dafür, was Sie geleistet haben. Am besten stellen Sie eine Mappe zusammen, in der Sie Ihre Bilanz mit Daten und Zahlen dokumentieren. Auch wenn Ihr Erfolg nicht direkt messbar ist, können Sie in der Mappe Ihre Leistungen zusammenfassen. Wenn Sie beispielsweise neue oder Sonderaufgaben übernommen haben, Kollegen dauerhaft vertreten, Ideen entwickelt oder dazu beigetragen haben, die Qualität zu verbessern, können Sie das ebenso in der Mappe anführen.

3. Falsche Argumente

Die Mappe zeigt schon, wohin die Reise geht: Sie leisten mehr als vorher, also müssen Sie auch mehr verdienen. Das ist das einzige Argument, das wirklich zählt. Dass Sie Familienzuwachs erwarten, bauen wollen oder schon seit zwei Jahren keine Gehaltsanpassung mehr mitgemacht haben, interessiert Ihr Gegenüber dagegen wenig. Ihr Arbeitgeber ist schließlich kein Wohltätigkeitsverein. Also: Versuchen Sie nicht, durch Jammern zu überzeugen, sondern machen Sie klar, was die Firma an Ihnen hat.

Ein Tipp fürs Verhandeln: Verschießen Sie nicht sofort Ihr ganzes Pulver, sondern halten Sie noch ein paar gute Argumente zurück. Dann haben Sie noch Spielraum, wenn man Sie herunterhandeln will.

4. Keine Alternativen sehen

Sie wollen fünf Prozent mehr, aber die sind für die Firma gerade partout nicht drin? Sie können sich jetzt natürlich auf unbestimmte Zeit vertrösten lassen. Sie können aber auch austesten, ob sich an anderer Stelle etwas machen lässt. Ein Klassiker: zusätzliche Urlaubstage. Womöglich ist Freizeit für Sie sowieso wertvoller als ein paar Euro mehr auf dem Konto. Argumentationshilfe: Von ausgeruhten Mitarbeitern profitiert auch der Arbeitgeber.

Auch Investitionen in die Weiterbildung sind ganz im Sinne der Firma. Viele Unternehmen sorgen schon freiwillig dafür, dass ihre Angestellten in ihrem Fachgebiet auf dem Laufenden bleiben oder ihre Qualifikationen ausbauen. Ansonsten können Sie Schulungen oder Workshops auch einfordern. Dabei ist es sicher hilfreich, wenn Sie im Vorfeld schon recherchieren, welche Maßnahmen für Sie infrage kommen und was diese kosten.

Tankgutscheine, eine Jahreskarte für den öffentlichen Nahverkehr, Kantinengutscheine oder wenigstens ein neues Tablet – wenn Ihnen der Arbeitgeber nicht mehr zahlen kann, dann kann er Ihnen vielleicht anderweitig unter die Arme greifen. Das Beste an diesen Sachbezügen: Wenn der geldwerte Vorteil nicht höher ist als 44 Euro im Monat, müssen Sie weder Steuern noch Sozialabgaben zahlen. Sponsert die Firma ein Laptop oder andere technische Geräte, muss sie das pauschal versteuern. Für Sie bleibt das Geschenk dagegen komplett steuerfrei.

Vielleicht spekulieren Sie auch schon länger auf einen Dienstwagen. Auch der wäre eine Alternative zur Gehaltserhöhung – aber keine ganz billige, denn hier will das Finanzamt mitkassieren. Versteuert wird das Fahrzeug normalerweise nach der Ein-Prozent-Regel. Rechnen Sie durch, ob das für Sie eine Alternative wäre. Sie fahren ohnehin lieber mit dem Rad? Dann können Sie sich nach dem gleichen Prinzip auch ein teures Fahrrad von der Firma sponsern lassen. Bei einem 3000-Euro-Renner müssten Sie dann 30 Euro zusätzlich im Monat versteuern.

Quelle: n-tv.de

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