Karriere

Nicht nur für den Lebenslauf Warum ein Job im Ausland eine gute Idee ist

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Viele Expats werden vom Arbeitgeber ins Ausland geschickt, manche folgen dem Ruf eines Headhunters. Sich selbst zu bewerben ist schwerer.

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Zwei Jahre USA oder unbefristet in die Schweiz? Keine schlechte Idee, wenn man ein Sprungbrett für die eigene Karriere sucht. Die kulturellen Differenzen sollte man allerdings nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Der Schüleraustausch in Frankreich oder das Erasmus-Semester in Spanien – während der Ausbildungszeit zieht es viele Menschen für einige Zeit ins Ausland. Später sieht es dann schon anders aus. Ihre berufliche Zukunft sehen die meisten in Deutschland. Dabei kann sich der Blick über den Tellerrand durchaus lohnen, sowohl finanziell als auch für die persönliche Entwicklung. Es muss nicht einmal nach Indien, China oder in die USA gehen. Deutsche Führungskräfte zieht es vor allem in die Schweiz und nach Norwegen, wie eine Studie des Karrieredienstes Experteer im letzten Jahr ergeben hat.

Dabei haben die verschiedenen Berufsgruppen natürlich unterschiedliche Präferenzen. Dass die Schweiz insbesondere bei Bankern beliebt ist, wird nicht weiter überraschen, auch für Anwälte und Ärzte ist die Alpenrepublik attraktiv. Viele Mediziner gehen auch nach Afrika. Manager suchen ihr Glück oft in den USA und bei Arbeitnehmern aus der Automobilbranche steht Asien hoch im Kurs.

Was die Menschen ins Ausland zieht

Gerade bei Fachkräften kann der Schritt ins Ausland schon zu Beginn der Karriere interessant sein. Deutsche Abschlüsse sind international angesehen und oft locken interessantere Aufgabenfelder und bessere Gehälter als in der Heimat. Finanzielle Motive legt auch die Experteer-Studie nahe: mehr als 40 Prozent der Kandidaten hatten bis zum Wechsel ins Ausland weniger als 60.000 Euro verdient. Wer noch nicht auf dem höchsten Karrierelevel angekommen ist, kann als Expat also zum nächsten Gehaltssprung ansetzen.

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Auch wer in Deutschland bleibt, hat mit Partnern auf der ganzen Welt zu tun.

(Foto: imago/Westend61)

Die Station im Ausland wirkt sich aber nicht nur auf den Geldbeutel aus, sondern – wenn es gut läuft – auch auf den eigenen Marktwert. Stichwort: Globalisierung. Ob Startup, Mittelständler oder Großkonzern – überall arbeiten international aufgestellte Teams, überall korrespondiert man quer über den Globus mit Kollegen, Partnern oder Kunden. Sprachkenntnisse und interkulturelle Kompetenz sind vor diesem Hintergrund gefragte Qualifikationen. Und das gerade auch in der Generation der Über-45-Jährigen, stellt der Unternehmer und Autor Peter Postinett fest: "Oft bringen gerade diese Senior-Experten das benötigte Wissen und die notwendige Erfahrung mit, um internationale und multikulturelle Teams an dezentralen Standorten zu steuern."

Nicht zuletzt spielt das Thema Persönlichkeitsentwicklung eine Rolle. Wenn man für eine Weile im Ausland lebt, Einblicke bekommt und sich zurechtfinden und auf Neues einstellen muss, verändert das nicht nur den Blick auf das jeweilige Land und die eigene Heimat. Es prägt auch den Charakter, da geht es dem Erasmus-Studenten nicht anders als dem Manager.

Das ist zu beachten

Arbeiten im Ausland ist kein Urlaub, klar. Man kann nicht einfach einen Flug buchen und den Rest auf sich zukommen lassen. Der Aufwand ist nicht zu unterschätzen. Das fängt bei den Formalien wie dem Visum an und geht weiter mit der existenziellen Wohnungfrage: Viele Arbeitgeber unterstützen ihre Mitarbeiter bei der Suche, womöglich bieten sie sogar selbst Lösungen an. Wenn nicht, muss man sich selbst kümmern, schlimmstenfalls in den ersten Wochen vor Ort, wenn man den neuen Job schon angetreten hat. Gegen die Mieten in New York oder Paris sind Frankfurt oder München geradezu günstig, man sollte sich also gegebenenfalls mit dem Gedanken anfreunden, weit über die Hälfte des Gehalts in die Miete zu investieren.

Apropos Gehalt: Wie viel und lange muss man dafür arbeiten? In den USA dauert der Arbeitstag üblicherweise "from 9 to 5", wobei es meist erwartet wird, dass die Mitarbeiter auch zu Hause noch erreichbar sind. In Spanien oder Südamerika spielt die Siesta eine große Rolle, der Arbeitstag gliedert sich also in zwei Blöcke. In Frankreich gilt die 35-Stunden-Woche, zumindest offiziell. Tatsächlich arbeiten viele Angestellte mehr und sammeln Überstunden an. Riesige Unterschiede gibt es zudem bei den Urlausansprüchen. In Frankreich kommt es durchaus vor, dass Angestellte bis zu zehn Wochen im Jahr herausschlagen können, in Deutschland sind nach einigen Jahren Berufserfahrung um die 30 Tage drin. Davon können Arbeitnehmer in den USA nur träumen, sie kommen meist auf gerade mal zwei Wochen.

Solche Ansprüche lassen sich natürlich vorher recherchieren beziehungsweise verhandeln. Gepflogenheiten in der neuen Firma oder ungeschriebene Gesetze erlebt man dagegen oft erst vor Ort. Wer in einen komplett anderen Kulturkreis wechselt, wird wahrscheinlich gut daran tun, vorher ein interkulturelles Training zu besuchen. Firmen übernehmen das meist auch, bevor sie ihre Mitarbeiter beispielsweise nach Asien oder in den arabischen Raum übersenden. Denn auch im Zeitalter der Globalisierung wird Business in jedem Land nach unterschiedlichen Regeln betrieben.

Kulturelle Unterschiede überbrücken

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Im arabischen Raum kommt man mit deutschen Verhandlungstaktiken nicht weit.

(Foto: imago/Westend61)

Schon Nuancen machen einen Unterschied, etwa die Art, wie eine Visitenkarte überreicht wird, wer beim Geschäftsessen bezahlt oder wie man sich begrüßt. Pünktlichkeit und straffe Tagesordnungen gehören in Deutschland zum guten Ton, im arabischen Raum dagegen dienen zeitliche und inhaltliche Vorgaben  allenfalls der groben Orientierung. Auch der Verhandlungsstil ist unverbindlich. Wer sein Gegenüber auf klare Aussagen festnageln will, wird es schwer haben. Das gilt übrigens auch in China, wo man sich gern bis zuletzt alle Möglichkeiten offenhält. 

Auch in Ländern wie den USA, die nicht allzu weit vom deutschen Kulturkreis entfernt scheinen, unterscheidet sich die Art und Weise der Kommunikation. Ein simples "Nein" spiegelt hier eine negative Grundhaltung wider, Kritik wird stets positiv formuliert. Führungskräfte sollten sich nicht wundern, wenn sie vermeintlich nur Zustimmung erhalten. Das heißt nicht, dass sie alles richtig machen. Widerspruch gegenüber Vorgesetzten wird eben nur nicht öffentlich geäußert. Vom lockeren Umgangston und der Tatsache, dass sich alle mit Vornamen ansprechen, sollte man übrigens nicht darauf schließen, dass Hierarchien nicht so streng genommen würden. Spätestens beim Lunch sind die Senior Manager wieder unter sich.

Apropos Umgangston: Wer Smalltalk als oberflächliches Geplänkel verachtet, wird mit dieser Haltung nicht weit kommen. Auch knallharte Verhandlungen fangen mit zwanglosen Plaudereien an. Euphorische Vokabeln wie "Wonderful", "great" oder "excellent" sind dabei Standard. Vorsicht ist dagegen geboten bei allem, was als diskriminierend oder als sexuelle Anspielung gewertet werden könnte. Die "Mad Men"-Ära ist lange passé, heute sind die Firmen in dieser Hinsicht sehr sensibel.

Die USA gelten als ein Land von Machern, das zeigt sich auch an der Herangehensweise an Projekte. Während man in Deutschland erst Informationen sammelt, diskutiert und dann an einer Lösung arbeitet, werden Ziele in den USA meist im Trial-and-error-Verfahren erreicht. Welche Variante die bessere ist, sei dahingestellt. Das wird nur jemand beurteilen können, der eine Weile im Ausland gelebt hat.

Quelle: n-tv.de

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