Kolumnen

Geschäft mit Gefangenen Wall-Street-Glocke läutet für Knast-Konzern

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Eröffnet den Handel an der Newy Yorker Börse: Damon Hininger.

(Foto: NYSE)

In den USA können private Unternehmen mit Gefängnissen Geld verdienen. Der Marktführer erzielt Umsätze in Milliardenhöhe, dessen Chef darf die Eröffnungsglocke der New Yorker Börse läuten. Und die Händler? Applaudieren.

Als Damon Hininger am Mittwoch auf dem Balkon der New York Stock Exchange den Handel eröffnete, plätscherte ihm der Applaus der Trader entgegen, den schon mancher stolze CEO, Politiker oder Hollywoodstar genießen durfte. Nur: Hininger hat die freundliche Geste nicht verdient. Er ist der Chef eines umstrittenen Unternehmens, das es gar nicht geben dürfte.

Die Corrections Corporation of America (CCA), der Hininger vorsteht, wäre mit fast 100.000 Betten in 67 Anlagen einer der größten und erfolgreichsten Konzerne in der Tourismusbranche... wenn man nicht beim Komfort so schlecht abschneiden würde. Düstere Zimmer, billige Linoleumböden, einfache Holzbetten, dünne Matratzen... ach ja, und Gitter vor den Fenstern. CCA ist der größte amerikanische Gefängnisbetreiber und damit in einem Bereich aktiv, der in anderen Ländern nicht Teil der Privatwirtschaft ist, sondern vom Staat gemanagt wird.

Vielleicht hat der Rest der Welt nicht begriffen, dass man mit Gefängnissen gutes Geld verdienen kann. CCA jedenfalls macht einen Jahresumsatz von fast 2 Milliarden Dollar und einen Gewinn von rund 300 Millionen Dollar. Das Unternehmen ist Branchenführer, wenn auch die Konkurrenz nicht weit entfernt ist. Die Aktie von CCA ist seit zwanzig Jahren an der Wall Street notiert und tendiert bei rund 35 Dollar.

Das Problem: Wäre CCA tatsächlich im Hotelgewerbe, gäbe es legitime Möglichkeiten, neue Kunden anzulocken und immer höhere Gewinne einzufahren... ein neuer Pool, gutes Essen, nicht zuletzt mehr Werbung. Da man aber gar nicht auf freiwillige Kundschaft setzt, fällt auch die Kundenakquise ganz anders aus: Die Unternehmen der Gefängnisbranche betreiben in großem Stil Lobbyarbeit und setzen sich etwa erfolgreich dafür ein, dass immer mehr Bagatelldelikte in den USA mit Haftstrafen quittiert werden und dass diese auch immer länger ausfallen.

Sie arbeiten in dem Bereich nicht nur mit Politikern in Washington zusammen, sondern auch auf Ebene der Bundesstaaten und sogar lokal und regional. So sind etwa in den USA sowohl Sheriff als auch Richter gewählte Ämter – die Knast-Unternehmen sponsern großzügig denjenigen im Wahlkampf, der für eine besonders harte Linie steht. So kann ein Sheriff ein persönliches Interesse daran haben, auch bei minimalen Vergehen rigoros einzuschreiten... ein Richter verhängt dann vielleicht eine härtere Strafe als einem Beobachter angemessen erscheint.

Über das Geschäft mit dem Strafvollzug gibt es zahllose Berichte und Dokumentarfilme, zu einem Sinneswandel hat das nicht geführt. Vielmehr stehen zahlreiche Amerikaner zu ihrer Kultur, die sich etwa von Deutschland oder anderen europäischen Ländern unterscheidet: Während dort etwa die Resozialisierung von Straftätern im Mittelpunkt steht, misst man diesem Aspekt in den USA keine Bedeutung bei. Hier geht es um Strafe, um Rache... und letzten Endes auch um Geld.

Quelle: n-tv.de

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