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"Gordon Gekko" zu Besuch Wall-Street-Promis: Top oder Flop?

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(Foto: Lars Halter)

Ob Michael Douglas oder Donald Trump - Prominente sorgen an der Wall Street für jede Menge Gesprächsstoff. Der exzentrische Milliardär Kevin O'Leary ist ganz vorne dabei und lässt Experten rätseln: Wie viel Geld hat er eigentlich?

Als vor ein paar Wochen Michael Douglas die New York Stock Exchange besuchte, wurde er von jubelnden Händlern begrüßt. Kein Wunder: Obwohl der Schauspieler offiziell für den Actionstreifen "Ant-Man" werben wollte, ist er auf dem Parkett immer noch Gordon Gekko – auch nach drei Jahrzehnten ist der Film "Wall Street" hier noch Kult.

Michael Douglas ist nicht der einzige Promi an der Wall Street. Immer wieder kommen Stars und Sternchen vorbei, Schauspieler, Sportler und Models. Sie läuten die Glocke, posieren für Fotos und verabschieden sich wieder.

Und dann gibt es Stars, die ein wenig enger mit der Wall Street verknüpft sind: Einer von ihnen ist Kevin O'Leary, ein kanadischer Multimilliardär, Investor und Fernseh-Star im "Shark Tank", wo engagierte Erfinder Kapital für ihre Unternehmen suchen. Alle paar Wochen ist O’Leary beim Börsensender CNBC zu Gast und kommentiert das Marktgeschehen direkt auf dem Parkett. Am Dienstag jedoch erschien er an der Wall Street größer als je zuvor: Sein Konterfei zog sich über die ganze neoklassizistische Fassade, denn O'Leary war Ehrengast im Gebäude und stellte seinen neuen Investmentfonds vor: O'Shares.

Das irische O' soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass in dem Fonds lauter US-amerikanische Aktien liegen, daher auch das Tickerkürzel "OUSA". Das Motto: Hohe Rendite, geringes Risiko. O’Leary will das über eine breite Streuung in Dividendenwerte erreichen. In den letzten 40 Jahren stammten 70 Prozent der Rendite an den Börsen aus Dividenden und nur 30 Prozent aus Kursgewinnen, weiß der reiche Mann – jetzt soll der Kleinanleger von seinen Insights profitieren. Dabei ist klar, dass O'Leary keine völlig unbekannte Strategie fährt, sondern eher einen Fonds aufgestellt hat, wie es ihn in aller Welt dutzende Male gibt – umso schöner, wenn seine Star-Power Investoren lockt, die ihr Geld eben lieber einem Promi anvertrauen statt einem durchschnittlichen Anzugträger.

Wie schwer ist Trump?

Und noch ein Milliardär macht zur Zeit Schlagzeilen in den USA und an der Wall Street: Donald Trump. Der New Yorker Baulöwe, der gerne für die Republikaner das Weiße Haus gewinnen würde, betreibt seit Wochen einen aufsehenerregenden Wahlkampf voller rassistischer Parolen und sonstigen Aufregern. Der Finanzelite sind solche Patzer egal, hier amüsiert man sich eher über Trumps Verhältnis zum Geld.

"MEHR ALS ZEHN MILLIARDEN DOLLAR" besitze Trump, heißt es – in Großbuchstaben – auf den Wahlunterlagen, doch mit der Wahrheit nahm der es nie so genau. Forbes schätzt Trumps Vermögen auf vier Milliarden Dollar, andere Experten gehen nach Durchsicht aller öffentlich bekannten Details eher von ein bis zwei Milliarden Dollar aus. Immer noch eine Menge Geld.

An der Wall Street selbst ist Trump hingegen nicht gerade für ein glückliches Händchen bekannt. Seine börsennotierten Kasinos gingen vor Jahren pleite, was ihm nicht nur den Spott der Comedy-Szene einbrachte. So mancher lacht darüber, dass Trump in einem Geschäft Konkurs ging, das nichts anderes tut, als Kunden das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Portfolio begeistert nicht

Der renommierte Börsenkolumnist Chuck Jaffe hat sich unterdessen das Aktien- und Fonds-Portfolio von Trump angesehen und ist ebenfalls alles andere als begeistert. Zwar hat Trump bei Aktien recht gut diversifiziert, wenn er auch überwiegend auf Blue Chips und sonstige große Namen setzt. Im Fonds-Bereich scheint der Milliardär allerdings einem einzigen Manager zu vertrauen. Fast alle Investments werden von Ron Baron verwaltet, der für seine aufbrausende Art bekannt ist und den Trump vielleicht dafür schätzt. Russel Kinnel von Morningstar meint, dass ausgerechnet Baron nicht der bevorzugte Verwalter sein sollte, und Todd Rosenbluth warnt grundsätzlich vor dem Risiko, zu viel Geld auf eine Karte zu setzen. Dass die Baron-Fonds überdurchschnittliche Verwaltungskosten haben, fällt für die Experten vor allem ins Gewicht, weil Trump als fiskalkonservativer Kandidat auftritt, der mit dem eigenen Geld eher großzügig umgeht.

An der Wall Street mag man das große Geld, doch Trump würde man hier nicht wählen. bei den durchschnittlichen Republikanern kommt er als Promi hingegen an. In Umfragen liegt er mit großem Abstand an der Spitze eines dicht gepackten Kandidatenfeldes.

Quelle: n-tv.de

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