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EU begrenzt Bonuszahlungen Banker brauchen längeren Atem

Üppige Bankerboni gelten als ein Treibsatz der Finanzkrise. Die EU wirft nun das Lasso aus, um allzu große Auswüchse im Zaum zu halten. Kein großer Wurf, doch die Richtung stimmt.

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Die Schattenmänner in Europas Banken müssen künftig länger auf einen Großteil ihrer Boni warten.

(Foto: REUTERS)

"Geht doch", möchte man rufen! In Zeiten, in denen die politischen Alphatiere bei wichtigen Reformen der Finanzmärkte wie etwa einer schlagkräftigen Finanzaufsicht, strengeren Regeln bei der Kreditvergabe oder einer echten Beteiligung der Banken an den Folgekosten der Finanzkrise bisher auf keinen grünen Zweig kommen, schafft Europa zur Abwechslung einmal Fakten. Der Beschluss des Europaparlaments hätte zwar konkreter ausfallen können, doch zumindest ein Anfang ist gemacht.

Wie hoch die Boni ausfallen, bleibt im Großen und Ganzen auch künftig den Banken überlassen. Zwar muss die Belohnung künftig in einem angemessenen Verhältnis zum Festgehalt stehen – was dabei jedoch angemessen ist, legt die Bank selbst fest. Anders als bisher dürfen die Finanzhäuser jedoch Erfolge künftig nur noch zu einem kleinen Teil mit Barem belohnen. Höchstens 30 Prozent einer Sonderzahlung darf die Bank ihrem Mitarbeiter künftig direkt auszahlen, bei besonders hohen Boni liegt diese Grenze sogar bei 20 Prozent. Oberhalb dieser Grenze müssen Boni für mindestens drei Jahre über Aktienoptionen oder direkte Beteiligungen eingefroren werden. Wenn die Bank in dieser Zeit Verluste einfährt, können diese Boni künftig auch gekürzt werden. Allzu kurzatmigen Erfolgen wird damit die Luft abgelassen.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Grenzen für Bonuszahlungen sind ein Eingriff in die Privatautonomie. Schließlich gilt eigentlich, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Bezahlung völlig frei festlegen können. Doch ein Eingriff in dieses hohe Verfassungsgut ist politisch gerechtfertigt, weil es bei Boni im Finanzsektor um mehr geht als um angemessene Vergütungen für Top-Banker. Sind Prämien auf allzu kurzfristigen Erfolg ausgerichtet, treiben sie so manchen Banker bei seinen Geschäften über Gebühr ins Risiko – ohne drohende Konsequenzen für den Händler. Der kurzfristige Erfolg lässt den Scheck des Bankers anschwellen, geht das Geschäft jedoch später in die Binsen, zahlt im Zweifel allein der Steuerzahler die Schlussrechnung. Diese unerträgliche Praxis soll mit der Neuregelung nun durchbrochen werden.

Bei der Begrenzung von Banker-Boni geht es also um mehr als eine Beruhigungspille für den bebenden Stammtisch. Vielmehr geht es darum, Verantwortung zurück auf die richtigen Schultern zu legen und dem munteren Zocken der Finanzhäuser zumindest die steilsten Spitzen zu kappen – in unser aller Interesse. Eine neue Finanzkrise wird dies allein nicht verhindern, so viel Einfluss haben die Gehaltsschecks der Finanzjongleure nicht. Doch es ist ein überfälliger erster Schritt zu mehr individuellem Risikobewusstsein in den großen Handelsräumen.

Quelle: ntv.de