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Der fabelhafte T-Mobile-Deal Obermann wirft Ballast ab

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Modernes Grundbedürfnis, nicht nur für Amerikanerinnen und Amerkaner: Die mobile Erreichbarkeit in allen Lebenslagen.

(Foto: REUTERS)

Die Deutsche Telekom trennt sich von ihrer Mobilfunksparte in den USA und lässt sich den Ausstieg aus ihrem wichtigsten Auslandsmarkt von AT&T mit 39 Mrd. US-Dollar bezahlen. Telekom-Chef Rene Obermann beendet so ein schwieriges Kapitel mit einer klugen Entscheidung.

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Der Deal seines Lebens? Rene Obermann.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die milliardenschwere Sensation hüllt sich in trockene Worte: In einer Pflichtmitteilung am Sonntagabend geben zwei Weltkonzerne den Verkauf von T-Mobile USA bekannt. "Die Deutsche Telekom erhält 25 Mrd. US-Dollar als Barzahlung und 14 Mrd. US-Dollar in Aktien der AT&T", heißt es in einer formellen Bekanntmachung. Die USA galten bis dahin noch als wichtigster Auslandsmarkt der Deutschen Telekom - zugleich aber auch als das größte Sorgenkind des deutschen Dax-Konzerns.

T-Mobile USA hatte zuletzt immer weiter an Kunden verloren, der Umsatz und das operative Ergebnis schrumpften. Zu Jahresbeginn zählte die US-Mobilfunktochter der Telekom rund 33 Millionen Kunden, eine Zahl die auf Jahressicht stagnierte, während die großen Konkurrenten wie AT&T oder Verizon mit exklusiven Handys und kleinere Anbieter mit Discount-Preisen laufend neue Gesichter in ihren Filialen begrüßen konnten. Im Winter verschärfte sich bei T-Mobile USA der Kundenverlust: Allein zwischen von Oktober bis Ende Dezember wandten sich unterm Strich knapp 320.000 Amerikaner einem anderen Anbieter zu.

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Eine Kundin verlässt in Palo Alto im US-Bundesstaat Kalifornien eine Filiale des Mobilfunkanbieters T-Mobile USA: Sie ist eine von zuletzt "nur" noch 33 Millionen Kundinnen und Kunden.

(Foto: dapd)

Das Hauptproblem von T-Mobile USA sahen Branchenexperten in der lange Zeit unzuverlässigen Netzabdeckung und in der Produktpalette. Für das iPhone zum Beispiel mussten Apple-Fans in den USA zunächst den Anbieter wechseln, bevor sie das Status Symbol der jungen und hippen in den eigenen Händen halten konnten. T-Mobile USA fiel weit zurück, Beobachtern zufolge rückte die "kritische Masse" an Kunden, ab der das Geschäft wie früher wieder hochprofitabel laufen konnte, in immer weitere Ferne. Analysten beschrieben die Ziele der Telekom als sehr ehrgeizig und die Aufholjagd in den USA als fast aussichtslos.

Vor diesem Hintergrund erscheinen die 25 Mrd. US-Dollar, die AT&T in bar überweisen will, als sehr viel Geld, und das auch in der Liga der Telekommunikationsriesen, wo man auf Vorstandsebene an große Zahlen gewöhnt sein dürfte. Der Deal mit den Amerikanern ist aus deutscher Sicht in jedem Fall außergewöhnlich umfangreich: Umgerechnet nimmt die Telekom durch den Verkauf 17,6 Mrd. Euro in bar ein. Es ist ein radikaler Schnitt - mit einem glücklichen Ergebnis: Konzernchef Obermann sitzt plötzlich auf einem dicken Geldpolster, mit dem er den einstigen Staatskonzern mit seinen 247.000 Mitarbeitern fit für die Zukunft machen kann.

Was passiert mit den AT&T-Milliarden?

Ganz oben auf der Liste steht dabei der Schuldenabbau: Obermann will etwa 13 Mrd. Euro des Verkaufserlöses für diesen Zweck verwenden. Die Schuldenlast der Telekom verringert sich dadurch um rund 31 Prozent. Ein weiser und weitblickender Entschluss, denn er befreit den Konzern aus den Zwängen des Schuldendienstes und setzt zusätzliche Mittel frei, die sonst nutzlos in den Schuldendienst geflossen wären.

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Zeit für neue Aufgaben? T-Mobile-USA-Chef Philipp Humm (Archivbild).

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Daneben ist noch genug Geld da für die Aktionärspflege: Rund 5 Mrd. Euro will der Konzern in eigene Aktien investieren, ein Vorhaben, das unter Investoren immer gut ankommt. Finanzchef Höttges spricht sogar von einem "der größten Aktienrückkäufe in Deutschland und der europäischen Telekommunikationsbranche". Die Telekom will sich offensichtlich auch für internationale Investoren noch interessanter machen.

Reflexhaften Hoffnungen auf eine Sonderdividende erteilt der Konzern dagegen eine klare Absage. Für die "auf drei Jahre festgesetzte Ausschüttungspolitik" ergeben sich "keine Veränderungen". Ohnehin bliebe vom Baranteil der Verkaufserlöse nichts mehr zum Verteilen übrig. Schuldenabbau und Aktienrückkauf zehren den Geldsegen komplett auf. Allerdings spart der Konzern mit einem verkleinerten Schuldenberg beim Schuldendienst. Und auch etwaig eingeplante Mittel für die Neuausrichtung in den USA werden frei.

Daneben bekommt der Bonner Konzern auch noch AT-Aktien. Das Paket ist 14 Mrd. US-Dollar schwer. Verkaufen und damit zu schnellem Geld machen will man die US-Papiere aber vorerst nicht. "Als größter Einzelaktionär von AT&T werden wir auch von deren Dividendenstärke profitieren", kündigt Finanzchef Höttges an.

Wer trauert noch um "Robert T-Online"?

Die Führungsspitze der Telekom zeigt sich insgesamt hochzufrieden: Mit der Trennung von der US-Tochter ebenso wie mit dem Zeitpunkt der Entscheidung und nicht zuletzt natürlich auch mit den "gewaltigen Verkaufserlösen". Schließlich ging das Projekt "T-Mobile USA" noch auf den früheren Telekom-Chef Ron Sommer zurück und reichte damit weit zurück bis fast in die wilden Zeiten der Werbefigur "Robert T-Online".

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Nur wenige Gerüchte drangen bis an den Markt: Finanzchef Timotheus Höttges und Rene Obermann bei der Bilanzpressekonferenz.

(Foto: picture alliance / dpa)

Damals schien vieles möglich, manches erwies sich im Nachhinein als kostspieliges Abenteuer. Der Ausflug mit T-Mobile in die Staaten könnte - wenn die Behörden grünes Licht geben - schon bald als überschaubare Episode in die Unternehmensgeschichte eingehen - angesichts der Milliarden von AT&T mit einem überaus glücklichen Ende.

Schmunzeln werden allerdings wohl nicht nur Wirtschaftshistoriker, wenn sie auf die Worte Obermanns zur strategischen Neuausrichtung vom Januar 2011 stoßen. In der "Bild am Sonntag" hatte Obermann die Deutschen in die Feinheiten des amerikanischen Marktes eingewiesen. "Die Amerikaner entscheiden sehr einfach", ließ sich der Telekom-Chef zitieren: "Der Anbieter ist besser oder schlechter, billiger oder teurer - Punkt".

Offenbar hat Obermann von den Amerikanern gelernt: Das AT&T-Angebot war besser - Punkt.

Quelle: n-tv.de

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