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Abschied von einer Legende Wie soll das gehen?

Mit dem Rücktritt von Steve Jobs geht eine Ära zu Ende. In keinem Unternehmen von Weltrang ist der Name des Firmenlenkers so eng mit dem Unternehmen verknüpft wie bei Apple. Steve Jobs ist Apple. Apple ist Steve Jobs.

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(Foto: dpa)

Der Schock sitzt tief. Dabei ist es zunächst einmal egal, wie die Börse reagiert. Die wird sich wieder berappeln, denn das Unternehmen ist glänzend aufgestellt. Rekordgewinne im Quartalstakt, 300 Milliarden Dollar schwer. Vor zwei Wochen war Apple an der Börse für ein paar Stunden sogar das wertvollste Unternehmen der Welt, vor ExxonMobil. Wertvollstes Technologie-Unternehmen ist es schon eine ganze Weile.

Es ist das Image, der Glanz, die Vision, die Apple jetzt einbüßt. Mit Steve Jobs verliert Apple den charismatischen Visionär, den detailverliebten Produkttüftler, den erfolgsbesessenen Perfektionisten, der all das möglich gemacht hat. Und der dafür steht, immer zwei Schritte voraus zu denken, zwei Schritte weiter zu sein als die Konkurrenz - und damit zumeist auch Erfolg zu haben.

In einer Garage hat er 1976 mit zwei Freunden angefangen und den Apple I mit selbstgebauter Holzverkleidung auf den Markt gebracht. Sie haben weiter getüftelt, bald folgt der legendäre Macintosh, dessen Kosename bis heute für die Computer von Apple steht. Mitte der achtziger Jahre dann eine graphische Benutzeroberfläche, eine Maus ..., bis heute ist beides Standard für jeden Computer. Doch dann gibt es Streit und Steve muss die eigene Firma verlassen. Der Konzern dümpelt vor sich hin und holt ihn 1997 zurück, als Retter in der Not. Kurz vor dem Bankrott besorgt Steve Jobs eine damals viel kritisierte Finanzspritze des Erzrivalen Microsoft. Das war das Startkapital für den Umbau von Apple. Und Startschuss für eine Erfolgsgeschichte, die bis heute andauert. Computer sind fortan nicht einfach Arbeitsgeräte, sie sind schick und hip. Weg mit dem grauen Einheitsdesign, weg mit komplizierten überladenen Benutzermenüs. Die bunten iMacs machen den Anfang, zunächst auch bunte und dann weiße iBooks kommen hinterher.

2001 kommt dann der der iPod, den Steve Jobs vollmundig mit den Worten ankündigt, dass er damit die Musikbranche revolutionieren werde. Zunächst von der Branche verlacht und vom Käufer gemieden, steigt der iPod bis 2006 zum erfolgreichsten Musikplayer der Geschichte auf. Und ist es bis heute.

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(Foto: dpa)

Die Art und Weise, wie Steve Jobs neue Geräte präsentiert, sind legendär. Schwarzer Pulli, Jeans, Turnschuhe. Gerüchte ohne Ende im Vorfeld, es gibt niemals verbürgte Vorabinformationen. Alles konzentriert sich auf den einen Auftritt, meist wird der Termin erst wenige Tage vorher bekanntgegeben. Auch das gehört inzwischen seit langem zum Apple-Kult dazu, ebenso wie das "just one more thing" am Ende, wenn er noch etwas ganz Spezielles im Köcher hat.

Dabei ist Steve Jobs nie um große Worte verlegen. Wie schon beim iPod, legt er sich auch 2007 eine hohe Messlatte, als er das iPhone vorstellt und gleich auch noch ankündigt, dass Apple damit das Telefon neu erfinden werde. Auch hier zunächst eher mitleidiges Lächeln der Fachbranche. Ähnlich 2010, als er das iPad präsentiert - nein, dieses Mal werde es Apple nicht schon wieder schaffen, eine weitere Nische auf dem Computermarkt für sich zu besetzen.

Das Ende der Geschichte ist bekannt. Apple und Steve Jobs haben die Maschinerie zudem inzwischen so gut im Griff, dass sie nicht einmal aufwändige Werbung schalten müssen. Das übernimmt gerne die große Gemeinde der Apple-User, die immer noch fast sektenhaft alles lobpreist, was aus Cupertino kommt. Und seit einiger Zeit macht das unaufgefordert auch die Medienbranche.

Steve Jobs hat alles richtig gemacht in den letzten fast 15 Jahren. Es ist bitter für ihn und den Konzern, dass die Gesundheit nicht mehr mitspielt.

Er tritt ab, als einer der größten Unternehmenslenker seiner Epoche. Mit ihm geht eine Ära zu Ende.

In seinem Abschiedsbrief schreibt er, dass die besten Zeiten von Apple noch bevorstehen. Es seien jede Menge neuer Produkte in der Pipeline.

Gewiss, Apple wird sicher sobald nicht straucheln. Aber ohne ihn wird Apple kaum besser werden können. Wie soll das gehen?

Quelle: n-tv.de