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Banken-Screening Wir haben Stress, ...

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Vorsorge ist besser als Nachsorge: Wer Banken finanziell auffängt, darf auch prüfen, was er da auffängt. Vor allem , wenn die Banken selbst davon profitieren.

Pixelio/Michael Bührke

… Kreislauf, Rücken und Banken. Wie schön wäre es, wenn wir so tun könnten, als sei die Welt wieder in Ordnung. Krankenakte zu, und gut ist. Wir haben viel Nabelschau betrieben, viel gefunden und schon viel zu viel darüber geredet. Damit sollte auch mal Schluss sein. Aber nicht jetzt. Die Zeit ist nicht reif. Europa will offen über die Ergebnisse der Banken-Stresstests reden. Gut. Wir sind bereit. Skalpell und Tupfer bitte. Vermutlich empfiehlt es sich aber, vorher noch einmal tief Luft zu holen. Denn neue hässliche Offenbarungen liegen im Bereich des Möglichen.

Die Operation "Stress" könnte an den Tag bringen, dass unsere Banken vor neuen Problemen durch toxische und damit schwer verdaulichen Papieren in ihren Kellern nicht gefeit sind. Eine europaweite Studie von PriceWaterhouseCoopers (PWC) hat ergeben, dass Deutschland immer noch einsame Spitze bei ausfallgefährdeten Risikopapieren ist. Viele Staaten mussten ihre Finanzinstitute mit Milliardensummen unter die Arme greifen. Dafür aufkommen müssen die Steuerzahler. Das muss ein Ende haben. Für die nächste Krise sollten die Banken vorsorgen. Das ist das Ziel. Dafür lohnt es sich durchzuhalten.

Die 25 Großbanken, die den Test bereits durchlaufen haben, wurden daraufhin gescreent, ob sie eine vergleichbare Pleite wie die der Investmentbank Lehman Brothers überleben könnten. Der Lehman-Bankrott löste im September 2008 die schlimmste Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg aus. Dass da schon mal genauer hingeschaut wird, bereitet den Banken grundsätzlich keine Probleme. Bauchschmerzen verursacht aber die Vorstellung, dass ihr Innerstes nach außen gekehrt werden soll. Den Banken war Vertraulichkeit der Daten zugesichert worden. Das soll nun nicht mehr gelten.

Mut zur Lücke

Hier ist der wunde Punkt. Darauf war man nicht vorbereitet. Vertreter der Bankenbranche und ihre Fürsprecher fürchten nun Missverständnisse und Fehlinterpretationen, die zu neuen Marktverwerfungen führen könnten. Sie geben zu bedenken, dass die Tests nicht "perfekt" seien. Dass es an Vergleichbarkeit mangele. Die Einwände sind aus ihrer Sicht verständlich, gelten aber nur bedingt. Vorschläge hinsichtlich einer besseren Vergleichbarkeit der Tests sind willkommen, bislang aber gar nicht unterbreitet worden. Auch, um in diesem Prozess Fortschritte zu machen, müssen die Tests offengelegt werden. Denn was nützen irgendjemandem "unbereinigte" Tests, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten außen vor lassen?

Das Hauptargument für den ganzen Stress beim Stresstest ist und bleibt, dass die Kapitalmärkte diese Transparenz brauchen. Undurchsichtige Manöver schaffen kein Vertrauen für die Zukunft. Liegen die Innereien einmal offen, kann auch nicht mehr über Krankheiten spekuliert werden, die es möglicherweise gar nicht gibt. Einem Land wie Spanien, gegen das heftig spekuliert wird, würde das vielleicht gut bekommen.

Die Banken könnten sich nach diesem Zwangsouting gegenseitig wieder vertrauen. Viele Institute leihen sich mittlerweile untereinander kein Geld mehr, weil sie fürchten, der Schuldner könnte schlechter dastehen als erwartet und das geliehene Geld nicht zurückzahlen. Gerade Banken könnte hier ein bestandener, veröffentlichter Stresstest zu neuer Kreditwürdigkeit verhelfen.

Lügen haben kurze Beine

Dem Einwand, dass es auch anders kommen könnte, dass die Ergebnisse der Stresstests falsch interpretiert werden und weitere - unbeabsichtigte - Marktverwerfungen nach sich ziehen könnten, verblasst letztlich vor der Erfahrung, die die Finanzmärkte in dieser Krise gemacht haben. Auch sie sind mittlerweile krisenerprobt. Außerdem steht fest, dass Hoheitswissen die Finanzkrise nicht verhindert hat. Im Gegenteil. Sie hat sie herbeigeführt.

Warum also das große Zaudern? Das Problem ist, dass die Finanz-Hoheiten offenbar immer noch ihre liebe Not mit ihren komplizierten Finanzkonstrukten haben. Anstatt den Anlegern gegenüber ehrlich zu sein und der staatlichen Politik die Gelegenheit zu geben, die Situation korrekt einschätzen zu können, werden notwendige Abschreibungen wahrscheinlich immer noch zurück gehalten. Das ergibt keinen Sinn. Schon einmal versuchten Banken, ihre Risiken zu verbergen, und schon einmal ist es herausgekommen. Die Erfahrung hat uns gelehrt, am Ende kommen die die Tatsachen doch auf den Tisch.

Mit den transparenteren  Bankbilanzen wird diese Täuschung, die ein Betrug an allen ist, schneller ein Ende gesetzt. Dass es möglicherweise zu Fehlinterpretationen der Bilanzen kommen könnte, ist eine vergleichsweise geringe Gefahr. Die öffentlichen Stresstests in den USA sind erfolgreich verlaufen. Hier machen die Behörden die Ergebnisse bereits seit dem Frühjahr 2009 publik. Das Vertrauen in den Bankensektor ist dadurch gestiegen. Angst vor einem Kollaps muss keine Bank mehr haben. Schließlich gelten für alle größeren Institute doch mittlerweile unbeschränkte Staatsgarantien. Angst müssen Banken nur vor dem Gift in ihren Schränken haben, nicht vor der Medizin. Also Krankenakte auf, damit diese Geschichten ein Ende haben und endlich auch nicht mehr über sie spekuliert werden muss.

Quelle: n-tv.de

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