Marktberichte

Minus zum Wochenende China-Streit lässt US-Märkte bröckeln

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Beim Thema China reagieren die Broker an der Wall Street sensibel.

(Foto: AP)

Zum Wochenschluss steht bei den großen US-Indizes wieder ein Minus zu Buche. Der Grund hat wieder einmal mit China zu tun - diesmal sorgt der Streit um die Konsulatsschließungen für Unruhe.

Die jüngste Eskalation im Konflikt zwischen den USA und China und der innenpolitische Streit um die Verlängerung von Corona-Hilfen haben die US-Börsen auch am Freitag belastet. Der Dow-Jones-Index ging mit einem Minus von 0,7 Prozent auf 26.470 Punkten aus dem Handel. Der S&P-500-Index schloss 0,6 Prozent tiefer, der Nasdaq-Composite sackte um 0,9 Prozent ab. An der Nyse gab es 984 (Donnerstag: 1.342) Kursgewinner und 1.989 (1.652) -verlierer. Unverändert schlossen 84 (71) Am Donnerstag war es noch massiver nach unten gegangen, nachdem der überraschend deutliche Anstieg der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe Konjunktursorgen geschürt hatte.

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Nachdem die USA kürzlich die Schließung des chinesischen Konsulats in Houston angeordnet hatten, verfügte China am Freitag die Schließung des US-Konsulats in der südwestchinesischen Stadt Chengdu. US-Außenminister Mike Pompeo rief das chinesische Volk am Donnerstag dazu auf, die regierende Kommunistische Partei zu verändern, verkniff sich allerdings einen Aufruf zum Austausch des Regimes. Und US-Präsident Donald Trump ließ verlauten, dass ihm das Phase-I-Handelsabkommen mittlerweile nicht mehr so wichtig sei wie zum Zeitpunkt des Abschlusses im Januar.

Ong Zi Yang, Makro-Analyst bei FSMOne.com in Singapur, sprach mit Blick auf die Konsulatsschließung in Chengdu von einem "politischen Vergeltungsakt", der im Gegensatz zu dem verbalen Schlagabtausch stehe, der bisher den Konflikt geprägt habe. Viele Anleger fühlten sich dadurch zu Gewinnmitnahmen veranlasst, zumal speziell die chinesischen Aktienmärkte seit dem Einbruch im März kräftig zugelegt hätten.

Einigung auf weiteres Hilfspaket lässt auf sich warten

In den USA ist derweil eine Einigung auf ein weiteres Corona-Hilfspaket wieder etwas weiter in die Ferne gerückt. Die Republikaner im US-Senat haben wegen fortgesetzter Differenzen mit dem Weißen Haus zunächst darauf verzichtet, einen Gesetzentwurf für Unterstützungsmaßnahmen im Volumen von einer weiteren Billion Dollar vorzulegen. Damit wird die Zeit für eine ebenfalls noch notwendige Einigung mit den Demokraten noch knapper. Ende Juli läuft ein Programm aus, das arbeitslosen US-Bürgern wöchentlich zusätzliche 600 Dollar an Unterstützung gewährt. Anfang August verabschieden sich die Abgeordneten zudem in die Sommerpause. 

Die Juli-Einkaufsmanagerindizes von Markit zum Servicesektor und für das verarbeitende Gewerbe zeigten zwar eine Verbesserung an, sie fiel aber nicht so stark aus wie erwartet. Derweil belegten die Neubauverkäufe aus dem Juni die Stärke des Immobilienmarkts.

Anleger bestrafen Intel für Entwicklungsverzögerung

Unter den Einzelwerten an der Börse brachen Intel um 16 Prozent ein, nachdem der Chiphersteller am Donnerstag nach Börsenschluss Geschäftszahlen vorgelegt hatte. Das Unternehmen hat zwar im zweiten Quartal die Erwartungen übertroffen, erschreckte aber die Anleger mit der Nachricht, dass sich die Entwicklung superschneller Halbleiter verzögern werde. Damit gerät Intel zu Wettbewerber AMD ins Hintertreffen. Die AMD-Aktie sprang um 16,5 Prozent nach oben.

Aus den am Freitag vor Handelsstart veröffentlichten Zahlen von American Express geht hervor, dass sich der Kreditkartenkonzern im zweiten Quartal ergebnisseitig besser als befürchtet geschlagen hat. Allerdings bleiben die Einnahmen hinter den Erwartungen zurück. Die Aktie sank um 1,4 Prozent.
Positiv wurden hingegen die Zahlen von Verizon Communications aufgenommen. Der US-Mobilfunkanbieter hat im zweiten Quartal trotz Belastungen aufgrund der Corona-Pandemie bei Umsatz und Gewinn die Markterwartungen übertroffen. Die Aktie verteuerte sich um 1,8 Prozent

Dollar schwächelt erneut

Die zunehmenden Spannungen zwischen den USA und China ließen am Devisenmarkt den Yuan weiter zurückfallen. Die jüngste Zuspitzung des Streits könne den Markt wegen der zunehmenden Unsicherheit und der drohenden Volatilität wieder aufrütteln, sagte Devisenanalyst Hao Zhou von der Commerzbank. Weil sich die Wahlen näherten, müsse Trump mit harten Bandagen gegen China kämpfen. Obwohl das Handelsabkommen nun für ihn "weniger bedeutet", benötige er aber noch immer Käufe aus China, um insbesondere in den "Swing States" die Wähler zu besänftigen. Es bestehe kaum ein Zweifel, dass auch Chinas Haltung härter werde, weshalb sich der gegenseitige Schlagabtausch fortsetzen werde. Der Yuan dürfte damit weiterhin unter Abwertungsdruck stehen.

Derweil setzte der Euro seinen Höhenflug gegen die US-Devise fort. Er stand im späten Geschäft bei 1,1646 Dollar nach rund 1,16 am späten Donnerstag. Gegen den Yen verlor der Dollar noch deutlich kräftiger, nämlich um 0,8 Prozent.

Die Ölpreise tendierten nach einem volatilen Geschäft wenig verändert. Einerseits lastete der verschärfte Ton zwischen China und den USA. Andererseits stützte der Dollar, der zu vielen anderen Währungen etwas schwächer tendierte. Das Barrel US-Rohöl der Sorte WTI gewann 0,4 Prozent auf 41,21 Dollar. Brentöl notierte unverändert bei 43,31 Dollar.

Gold war vor dem Hintergrund der politischen und wirtschaftlichen Unsicherheit erneut gefragt. Der Preis für die Feinunze stieg um 0,8 Prozent auf 1.902 Dollar, ein neues Neunjahreshoch. Am Anleihemarkt bewegte sich dagegen nach dem jüngsten Anstieg kaum etwas. Die Zehnjahresrendite verharrte bei 0,58 Prozent.

Quelle: ntv.de, vpe/DJ