Marktberichte

Zollgespräche im Blick Dax-Anleger klammern sich an Strohhalme

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Der Handelssaal der Deutschen Boerse in Frankfurt.

(Foto: imago/Sven Simon)

Der Zollstreit zwischen den USA und China schwebt wie ein Damoklesschwert über dem Frankfurter Börsenparkett. Entsprechend gespannt ist man auf die kommende Handelswoche. Sorge bereitet den Börsianern die Unbeständigkeit von US-Präsident Trump.

Dax-Anlegern steht in der neuen Woche ein holpriger Start in den September bevor. Zwar haben die Börsianer trotz des immer weiter eskalierenden Zollstreits zwischen den USA und China ihre Hoffnungen auf ein baldiges Ende bislang nicht aufgegeben, hieß es am Markt. Doch die Stimmung bleibt gedrückt. Dazu tragen auch der näher rückende Brexit und trübe Wirtschaftsdaten bei. "Wir erwarten nach einem volatilen August auch einen schwankungsintensiven September", sagt Stratege Mark Dowding vom Vermögensverwalter BlueBay.

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In der ablaufenden Woche lockte die Aussicht auf weitere Verhandlungen im Handelspoker die Anleger an den deutschen Aktienmarkt zurück. Der Dax nahm Kurs auf die Marke von 12.000 Punkten und steuerte auf ein Wochenplus von rund drei Prozent zu. Doch das Kräftemessen von US-Präsident Donald Trump mit seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping bleibt der größte Unsicherheitsfaktor für die Börsen. "Donald Trumps Unbeherrschtheit scheint ständig zuzunehmen", sagt Helaba-Stratege Patrick Franke. "Entsprechend dankbar sind die Marktteilnehmer für jeden Strohhalm einer positiven Nachricht aus Washington oder Peking."

Analysten erwarten robusten US-Arbeitsmarktbericht

Am Sonntag sollen US-Zölle auf weitere chinesische Importgüter in Kraft treten, China will nachziehen. Am Montag wird wegen des Feiertages Labour Day an der Wall Street nicht gehandelt. Die wirtschaftlichen Konsequenzen der anhaltenden politischen Unsicherheiten in Folge des Zollstreits zeigen sich nach Ansicht von Carsten Klude, Chefvolkswirt vom Bankhaus M.M. Warburg, immer deutlicher. Er sieht den Dax nun bis Ende 2019 auf 11.000 Punkte fallen. Das wäre ein Einbruch von mehr als 800 Punkten oder nahezu sieben Prozent zum aktuellen Stand.

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Ursprünglich hatte M.M. Warburg einen Dax-Stand von 12.600 Punkten vorhergesagt. "Dieser drastisch anmutende Schritt ist darauf zurückzuführen, dass von der prognostizierten Konjunkturerholung nichts in Sicht ist und wir deshalb davon ausgehen, dass die Erwartungen für die Unternehmensgewinne deutlich zu hoch sind", erläutert Klude.

Das gilt besonders für die exportabhängige deutsche Wirtschaft. Im Fokus stehen in der neuen Woche deshalb die am Donnerstag erwarteten Auftragseingänge sowie die am Freitag folgenden Daten zur Industrieproduktion. "Die Frühindikatoren lassen befürchten, dass auch das dritte Quartal kein Wachstum erbringt", kommentieren die Analysten der Helaba.

Aus den USA warten Anleger am Donnerstag auf den ISM-Einkaufsmanager-Index als wichtigen Frühindikator. Zum Wochenschluss steht der US-Arbeitsmarktbericht an. Vor der Mitte des Monats anstehenden Zinsentscheidung der US-Notenbank dürften die Daten ein wichtiger Orientierungspunkt für die Fed sein. Mit einem kräftigen Stellenaufbau von prognostizierten 155.000 im August ist am Arbeitsmarkt von Krise nichts zu spüren. Sollten die Zahlen schlechter als erwartet ausfallen, würde dies Anhängern einer Zinssenkung in die Hände spielen.

Thyssenkrupp dürfte aus dem Dax fliegen

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Thyssenkrupp 13,33

Am deutschen Aktienmarkt scheinen die Tage des Dax-Gründungsmitglieds ThyssenKrupp im deutschen Leitindex gezählt. Nach einem Kursrutsch von fast 50 Prozent binnen eines Jahres gilt der Stahlkonzern bei Experten als klarer Abstiegskandidat. Als Nachrücker liefern sich der Triebwerkshersteller MTU aus München und der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Bei der Marktkapitalisierung liegt MTU dabei vor Deutsche Wohnen. Entscheidend dürfte Experten zufolge der Börsenumsatz werden. Die Deutsche Börse beschließt am Mittwochabend die Zusammensetzung der Indizes.

In London wird das britische Parlament für nur eine Woche zusammenkommen, bevor es von der Regierung in eine verlängerte Sitzungspause bis zum 14. Oktober geschickt wird. Es bleiben damit kaum Möglichkeiten, einen harten Brexit zu verhindern, meinen die Volkswirte der Commerzbank. Premierminister Boris Johnson wolle mit den jüngsten Maßnahmen die EU an den Verhandlungstisch zurückholen oder die britischen Abgeordneten doch noch dazu zu bringen, das vorliegende Abkommen mit der EU zu ratifizieren. Es sei also noch zu früh, fest von einem No-Deal-Brexit auszugehen. "Doch die Gefahr, dass es zu einem politischen Unfall kommt, ist hoch."

Quelle: n-tv.de, Anika Ross, rts

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