Marktberichte

New York schließt im Minus Dax geht arg gebeutelt aus dem Handel

39872101.jpg

Etwas bedröppelt geht der Dax aus dem heutigen Handel.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wie gewonnen, so zerronnen: Futsch sind die satten Dax-Gewinne von vergangenem Freitag. Der Leitindex steht wieder knapp unter 11.900 Punkten. Belastend wirken Gewinnmitnahmen und der erstarkte Euro. In New York fällt der Markt kurz vor Feierabend ins Minus

Zum Wochenstart dominierten am deutschen Aktienmarkt die Kursverluste. Nachdem der schwache Euro zuletzt für Rückenwind sorgte, zeigte die europäische Gemeinschaftswährung nun Erholungspotenzial zum Dollar. Während der Euro vergangenen Mittwoch vor den Ausführungen der US-Notenbank zur weiteren Geldpolitik noch 1,0622 Dollar kostete, handelte er am heutigen Nachmittag bei 1,0923 Dollar - Tendenz weiter steigend. Marktbeobachter führten aber auch Gewinnmitnahmen als Begründung für die Verluste an, außerdem Nachwehen des großen Verfalltages vom Freitag.

Dax
Dax 15.603,88

Der Dax schloss nach deutlichen Verlusten im frühen Handel in der Nähe des Schlusskurses vom vergangenen Donnerstag. "Man könnte das so interpretieren, dass der Anstieg am Freitag komplett dem Verfall geschuldet war", sagte ein Händler zum Minus beim Leitindex. Viele Anleger müssten nach dem Verfall neue Absicherungen aufbauen, was gegen steigende Märkte spreche.

Im Blick der Börsianer stand das Treffen zwischen Bundeskanzlerin Merkel und dem griechischen Premierminister Tsipras. Eine gemeinsame Pressekonferenz ist aber erst nach Börsenschluss anberaumt ist. Die Kanzlerin und ihre Presseabteilung hatten gleichwohl im Vorfeld versucht, die Bedeutung des Treffens für die Lösung der Finanzkrise Griechenlands herunterzuspielen.

EZB-Präsident Mario Draghi sprach unterdessen am Nachmittag vor dem Wirtschaftsausschuss des Europäischen Parlaments. Mit positiven Aussagen zur Konjunktur der Eurozone sorgte er für etwas Rückenwind beim Euro: "Jüngste Daten und Umfrageergebnisse zeigen, dass das Wachstum an Fahrt gewinnt", sagte Draghi.

Ein Risiko für den deutschen Markt sehen Marktteilnehmer in einem möglichen Streik in der deutschen Chemiebranche. Die Chemiegewerkschaft sei viele Jahre lang dafür bekannt gewesen, als eine der ersten Gewerkschaften Tarifabschlüsse zu vereinbaren - bei tendenziell niedrigen Lohn- und Gehaltszuwächsen. Gegenwärtig deuteten die Signale in der Chemiebranche aber auf Streik. Ein Händler vermutete, dass ein Arbeitskampf auch BASF und Bayer betreffen würde wegen des relativ hohen gewerkschaftlichen Organisationsgrades unter den Beschäftigten

Deutschland: Banken-Titel unter Dax-Gewinnern

Deutsche Bank
Deutsche Bank 11,48

Der Dax verlor am Ende 1,2 Prozent auf 11.896 Punkte. Der Nebenwerte-Index MDax ließ 1,2 Prozent nach auf 20.683 Zähler. Für den TecDax ging es 0,9 Prozent nach unten auf 1637 Punkte. Beim Euro-Stoxx-50 zeigte sich ein Minus von 0,8 Prozent auf 3695 Punkte.

Deutsche Bank waren mit einem Plus von 0,7 Prozent gerade so auf der Gewinnerseite der Dax-Titel. Im Handel wurde auf eine positive JP Morgan-Studie verwiesen sowie einen Artikel im Handelsblatt zu den Börsenplänen des Geldhauses für das Privatkundengeschäft. "Der Artikel enthält per se nichts Neues", sagte ein Händler. Es entstehe aber zunehmend der Eindruck, als ob das Management nun fest entschlossen sei, den "Laden umzukrempeln". Ein Restrukturierung der Bank würde vermutlich eine Neubewertung der Aktie nach sich ziehen.

Neben Commerzbank (plus 0,5 Prozent) stiegen noch Lanxess (0,5 Prozent). Auch Infineon legten um 0,8 Prozent zu, nachdem die Deutsche Bank die Aktie auf die Kaufliste genommen hat. Infineon waren damit Dax-Spitzenreiter.

Adidas gehörten mit einem Abschlag von 1,5 Prozent wie die meisten anderen Titel zu den Verlierern im Dax. "Dass die Managementgehälter am Geschäft mit Fußballartikeln ausgerichtet werden, kommt am Markt schlecht an", sagte ein Händler. Die Marke Adidas könnte damit vernachlässigt werden, so die Befürchtung.

Talanx
Talanx 41,36

In der zweiten Reihe fielen Talanx um 5,5 Prozent, nachdem es anfänglich sogar um gut 8 Prozent nach unten gegangen war. In den Geschäftszahlen für das vergangene Jahr hat der operative Gewinn die Konsensschätzung um 3 Prozent verfehlt. Zwar gilt die Dividendenrendite von 4 Prozent als attraktiv. Nach dem starken Kursanstieg von 23 Prozent seit Jahresbeginn sei der Kurs jedoch zunehmend anfällig für Gewinnmitnahmen, hieß es im Handel.

Bilfinger gaben um 1,1 Prozent nach. Das Unternehmen soll als Ausrüster der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien 2014 Bestechungsgelder gezahlt haben, berichtete Bild am Sonntag. Ein befragter Händler rechnet indes nicht damit, dass der Bilfinger-Kurs nachhaltig darunter leiden wird. Der Aktienkurs werde "allenfalls kurzfristig etwas nachgeben".

Für Klöckner ging es dagegen um 1,1 Prozent nach oben, nachdem Goldman Sachs die Verkaufsempfehlung zurückgezogen hat. Die Aktie des Stahl- und Metallhändlers standen damit an der Spitze des MDax.

USA: Wall Street verliert auf den letzten Metern

Dow Jones
Dow Jones 34.265,37

Die US-Börsen Street verbuchten zu Wochenbeginn im späten Handel überraschend leichte Verluste. Wenige Minuten vor dem Handelsschluss gab der Dow-Jones-Index seine moderaten Gewinne ab und schloss 0,06 Prozent tiefer bei 18.116,04 Punkten. Fast den ganzen Tag über hatte sich der US-Leitindex in einer engen Spanne zwischen Tagestief und Tageshoch von gerade einmal knapp 70 Punkten bewegt, bis er dann plötzlich leicht absackte.

Der breiter angelegte S&P-500-Index verlor 0,17 Prozent auf 2104,42 Punkte, nachdem er sich bis auf knappe 5 Punkte seinem Rekordhoch von Ende Februar genähert hatte. Die technologielastigen Indizes an der Nasdaq, die sich im Handelsverlauf fast nicht vom Fleck bewegt hatten, gaben am deutlichsten nach. Der Auswahlindex Nasdaq 100 beendete den Tag mit minus 0,29 Prozent bei 4445,55 Punkten. Der marktbreite Nasdaq-Composite-Index, der am Freitag auf den höchsten Stand seit 15 Jahren geklettert war, sank um 0,31 Prozent.

Börsianer führten die Verluste vor allem darauf zurück, dass die unter dem Namen Kansas City Southern zusammengeschlossenen Eisenbahngesellschaften ihre Ziele für das laufende Jahr gesenkt hatten. Dies habe den wichtigen Subindex Dow Jones Transportation Average belastet und auf die gesamte Marktstimmung gedrückt, hieß es. Unternehmensseitig rückten denn auch die Papiere von Kansas City Southern in den Fokus und büßten knapp 8 Prozent ein.

Die Nachrichten zu dem Unternehmen überschatteten laut Börsianern die zuvor gute Stimmung für Konsumwerte, die zuvor Auftrieb durch die Kursrally der Aktien von Tiffany & Co erhalten hatten. Nach einem kräftigen Kursverlust von knapp 4 Prozent am Freitag, als der Schmuckhändler für das laufende Quartal einen Gewinneinbruch angekündigt hatte, sprangen die Tiffany-Titel nun um 5,80 Prozent hoch.

Rohstoffe: Ölpreise erholen sich etwas

Rohöl (Brent)
Rohöl (Brent) 87,90

Etwas erholt zeigen sich zu Wochenbeginn die Ölpreise. Zwischenzeitlich hatten Aussagen des saudischen Ölministers Ali al-Naimi vom Wochenende die Stimmung etwas belastet. Das Königreich fördere demnach derzeit täglich 10 Millionen Barrel Öl. Es wäre der höchste Wert seit vergangenem Juli - damals einer der Auslöser für den seither andauernden Verfall der Ölpreise. Die Förderquote des Landes wird von den Märkten vor dem Hintergrund des anhaltenden Überangebots sehr genau beobachtet.

Als Stütze für das "schwarze Gold" erweist sich der schwache Dollar, der Öl für Anleger aus anderen Währungsgebieten günstiger macht. Für ein Barrel der Sorte WTI müssen 46,96 Dollar je Fass bezahlt werden, nach 46,57 Dollar am Freitag. Für Brent werden aktuell 55,85 Dollar aufgerufen, nach 55,32 Dollar zum Wochenausklang.

Wenig Veränderung gibt es beim Goldpreis. Für die Feinunze müssen 1186 Dollar bezahlt werden. Analysten sprechen von einer Konsolidierung nach den jüngsten Aufschlägen in Reaktion auf die Fed-Aussagen vom Mittwoch.

Asien: Hoffnung auf starken Dollar pusht Märkte

An den ostasiatischen Börsen geht es zum Wochenauftakt im späten Geschäft auf breiter Front nach oben. Der japanische Leitindex in Tokio springt auf ein neues 15-Jahres-Hoch und in Schanghai steigt der Index bereits den neunten Tag in Folge. Die kommende Zinserhöhung in den USA verliere immer mehr ihren Schrecken, heißt es im Handel. Zudem verweisen Händler darauf, dass bei einer Zinserhöhung mit einem weiter steigenden US-Dollar zu rechnen sei. Das erhöhe die Exportchancen viele asiatischer Unternehmen für den Handel mit den USA.

Der Nikkei-225 in Tokio zieht um 1 Prozent auf 19.760 Punkte an. Der japanische Aktienmarkt folge damit den günstigen US-Vorgaben vom Wochenschluss, heißt es. Der japanische Leitindex verbucht nun schon seit sechs Wochen Aufschläge auf Wochensicht.

In Schanghai, wo der Leitindex um 1,5 Prozent zulegt, wird das Tableau der Gewinner von Immobilienentwicklern und Infrastrukturunternehmen angeführt. Einzig Australien, wo der Handel bereits beendet ist, gab die Börse leicht nach. Zuvor war der S&P/ASX-200 bis knapp an die Marke von 6.000 Punkten herangelaufen, die er seit Januar 2008 nicht mehr erreicht hat. Auf dem Mehrjahreshoch hätten dann Gewinnmitnahmen eingesetzt, heißt es.

Quelle: ntv.de, kst/bdk/dpa/rts/DJ

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.