Marktberichte

Kauflaune auch an der Wall Street Dax stürmt fast 300 Punkte nach oben

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Unterstützung für den Dax kam vom schwachen Euro.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Augen reiben dürften sich nach diesem Handelstag einige Börsianer. Sieht es zu Beginn noch nach einem weiteren Verlusttag aus, zieht der Dax im weiteren Verlauf kontinuierlich nach oben. Schließlich knackt er sogar die 10.000er-Marke. Die Wall Street zieht ebenfalls an.

Nach viel Hin und Her in den vergangenen Handelstagen glich der Kursverlauf des deutschen Leitindex Dax diesmal fast einer Diagonalen. Nach einem schwachen Start mit Verlusten ging es während des Handelstages fast kontinuierlich nach oben. Am Nachmittag fiel schließlich die 10.000er-Marke - erstmals seit gut einer Woche.

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Am Ende schloss der Dax nur 20 Punkte unter seinem Tageshoch: 2,2 Prozent im Plus auf 10.057 Punkten. Zuvor hatte er einen Aufstieg von mehr als 300 Punkte hingelegt. Der Leitindex profitierte dabei vom schwachen Euro: Die europäische Gemeinschaftswährung rutschte im Laufe des Vormittags wieder unter die Marke von 1,12 Dollar und stand am späten Nachmittag bei 1,1149 Dollar. Ein schwacher Euro verleiht exportorientierten Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil außerhalb der Eurozone.

Zudem seien die Dax-Anleger offensichtlich von guten Wirtschaftsdaten überrascht worden, meinte n-tv-Börsenexpertin Susanne Althoff - der DIHK hatte seine Prognose für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr von 1,3 auf 1,5 Prozent erhöht. Jedoch: "Der ZEW-Index, der am Morgen veröffentlicht wurde, spiegelt die Stimmung unter den Anlegern wider, und die ist im Mai gesunken", sagte Althoff. Anleger hätten vor allem Angst vor einem Brexit, also dem Austritt Großbritanniens aus der EU.

Der schwächere ZEW-Index hatte am Morgen nur für einen leichten Rückgang der Kurse gesorgt. Der Index der Konjunkturerwartungen ging im Mai auf 6,4 zurück, obwohl ein Anstieg auf 12,3 erwartet worden war.

Unter Druck gerieten am Morgen die Aktien der Deutschen Bank - um sich mit dem allgemeinen Aufwärtstrend wieder deutlich zu erholen und sogar in die Gewinnzone zu steigen. Grund für die anfänglichen Kursverluste war die erneute Abstufung der Bonitätsbewertung durch Moody's. Das Kreditrating wurde auf "Baa2" von "Baa1" gesenkt und rangiert damit nur noch zwei Stufen oberhalb von Ramschniveau. Dennoch: "Die Aktie der Deutschen Bank hat seit einem Jahr mehr als 47 Prozent an Wert verloren", betont Katja Dofel. Da hätten die Aktionäre mit den Füßen abgestimmt.

Frankfurt: Bayer macht Verluste wieder wett

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Der Dax schloss am Ende 2,2 Prozent auf höher 10.057 Punkten. Beim MDax gab es ein Plus von 1,3 Prozent auf 20.526 Zähler. Ein Minus hingegen beim TecDax, der hauchzart auf 1674 Punkte sank. Der Euro-Stoxx-50 gewann kräftig um 2,8 Prozent auf 3014 Punkte.

Absoluter Spitzenreiter im Dax waren die Aktien von Volkswagen, die um 4,0 Prozent zulegten. Knapp dahinter erholte sich nach dem Kurseinbruch vom Wochenauftakt die Bayer-Aktie um 3,2 Prozent. Die Meinungen bezüglich der angestrebten Monsanto-Übernahme gehen weit auseinander. Der starke kurz- und auch längerfristige Kursrückgang mit dem Minus von 42 Prozent seit dem Rekord vom April 2015 reize aber zum Einstieg, hieß es am Markt.

Covestro machten mit einem Plus von 2,6 Prozent die Verluste des Vortages sogar mehr als wett. Wie es heißt, hat Bayer bereits am Montag klar gemacht, dass es Vermögenswerte wie die Beteiligung an Covestro keinesfalls schnell verkaufen wird. Möglicherweise könnte Bayer die Monsanto-Übernahme sogar ohne Covestro-Verkauf finanzieren, so ein Marktteilnehmer. Bayer hält an der ehemaligen Kunststoffsparte noch etwa zwei Drittel.

Deutsche Bank arbeiteten sich vom letzten Platz nach oben und stiegen am Ende 2,6 Prozent. Nach der Abstufung der Bonitätsbewertung durch Moody's hatte die Aktie im frühen Handel noch 1,5 Prozent nachgegeben.

Im Nebenwerte-Index MDax rutschten Evonik um 3,7 Prozent auf 26,00 Euro ab. Finanzinvestor CVC trennte sich von den restlichen Anteilen an dem Spezialchemiekonzern und verkaufte knapp 20 Millionen Titel zu je 25,50 Euro.

USA: Zinsspekulationen haben Schrecken verloren

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Die US-Börsen machen deutlich an Boden gut. Die andauernden Zinsspekulationen scheinen zunächst ihren Schrecken verloren zu haben. Eine Zinserhöhung im kommenden Monat wird immer wahrscheinlicher. Am Montag machten mehrere Vertreter der US-Notenbank erneut entsprechende Andeutungen, nachdem schon das am vergangenen Mittwoch veröffentlichte Sitzungsprotokoll die Möglichkeit eines Zinsschritts im Juni in den Fokus gerückt hatte.

Der Dow-Jones-Index stieg um 1,2 Prozent auf 17.706 Punkte. Der breiter gefasste S&P legte um 1,4 Prozent auf 2076 Stellen zu. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann zwei Prozent auf 4861 Zähler.

Mit der Elektronikkette Best Buy hat ein Vertreter der Einzelhandelsbranche Quartalszahlen vorgelegt, die über den Erwartungen lagen. Anleger reagieren allerdings enttäuscht darauf, dass Best Buy trotz des guten Abschneidens seine Jahresziele nicht erhöht, sondern nur bestätigt hat. Die Aktie fällt um 5,1 Prozent.

Der Kurs von Apple steigt um 0,9 Prozent. Hintergrund sind optimistische Berichte über die Nachfrage nach neuen iPhone-Versionen. Nach einer Hochstufung auf "Outperform" durch die Analysten von Cowen legen Microsoft um 1 Prozent zu.

Asien: Sorge vor Yellen lässt Nikkei sinken

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Die Aussicht auf eine baldige Zinserhöhung in den USA hat die Börsen in Fernost auf Talfahrt geschickt. "Der Markt scheint vor der Rede von Fed-Chefin Janet Yellen in dieser Woche eine vorsichtige Haltung einzunehmen", sagte Analyst Jung Sung Yoon von Hyundai Futures. Die Auftritte mehrerer Führungsmitglieder der US-Notenbank hatten in den vergangenen Tagen Spekulationen über eine mögliche Zinserhöhung im Juni oder Juli genährt.

In Tokio gab der Nikkei-Index 0,9 Prozent nach auf 16.498 Punkte. Vor allem Kurse von exportorientierten Firmen zeigten sich belastet. Händler sagten, es sehe so aus, als ob die japanische Regierung nicht zur Schwächung des Yen am Devisenmarkt eingreifen werde. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans tendierte 0,7 Prozent schwächer und damit auf dem niedrigsten Stand seit etwa elf Wochen. Allein in diesem Monat hat der Index damit mehr als sieben Prozent nachgegeben.

In China und Hongkong belasteten nachgebende Rohstoffpreise die Märkte. Die Sorge um das Wirtschaftswachstum in China drückte den Preis für Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz oder Kautschuk, die für die industrielle Fertigung benötigt werden. Die chinesische Börse in Shanghai notierte mehr als ein Prozent im Minus.

Devisen: Euro rutscht unter die 1,12-Dollar-Marke

Der Kurs des Euro ist auf den tiefsten Stand seit zwei Monaten gefallen. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete am Nachmittag 1,1146 US-Dollar. Am Morgen hatte der Euro noch bei über 1,12 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am frühen Nachmittag auf 1,1168 (Montag: 1,1215) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8954 (0,8917) Euro.

An den Finanzmärkten wird zunehmend mit einer baldigen Leitzinserhöhung in den USA gerechnet. Schon im Juni oder Juli könnte nach Einschätzung von Beobachtern die US-Notenbank Fed handeln. Zuletzt geht der Chef der regionalen Notenbank von San Francisco, John Williams, im laufenden Jahr noch von zwei bis drei Zinserhöhungen aus.

Rohstoffe: Ölpreis bald bei 50 Dollar?

Die Ölpreise notierten am späten Nachmittag wieder fester und sind auf dem Weg zur 50-Dollar-Marke. Ein Barrel Brent kostete zuletzt 49,03 US-Dollar, das waren 68 Cent oder 1,4 Prozent weniger als am Montag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI stieg um 75 Cent oder 1,6 Prozent auf 48,83 Dollar.

Der anziehende Dollar setzte den Goldpreis unter Druck. Er fiel auf 1234 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit vier Wochen. Damit hat die Feinunze nun auch den Dezember-Aufwärtstrend gebrochen. In Euro gab der Goldpreis nur geringfügig nach.

Quelle: ntv.de, kst/bdk/rts/dpa