Marktberichte

Kursgewinne einfach weg Dax verliert ein Prozent

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Wo sind bloß die Pluszeichen hin?

(Foto: REUTERS)

Da staunen selbst die Bären: Schwache US-Daten treiben den Dax auf einen Schlag 100 Punkte abwärts. Michigan Index und Co. stützen das Bild einer schwächelnden US-Wirtschaft. Eine baldige Zinserhöhung scheint fraglich. Der Euro hat nichts dagegen.

Am deutschen Aktienmarkt haben zum Wochenausklang schwache US-Konjunkturdaten die Kursgewinne vom Donnerstag pulverisiert. Der Dax fiel um 1,0 Prozent oder 113 auf 11.447 Punkte. "Der Michigan enttäuscht stark", kommentierte ein Händler. Er diene nun als Anlass für Gewinnmitnahmen. Hinzu kam, dass zuvor bereits der Empire State Index und die Industrieproduktion unter den Prognosen gelegen hatten. Das drückte auf den Dollar, der Euro stieg dagegen wieder über die Marke von 1,14 Dollar.

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"Die Spekulation auf eine US-Leitzinserhöhung wird immer mehr gedämpft", sagt ein Händler zu den schwachen Daten.

Devisen: Höhenflug des Euros geht weiter

Die europäische Gemeinschaftswährung stieg am späten Nachmittag bis auf 1,1440 US-Dollar. Am frühen Nachmittag war der Eurokurs noch bis auf 1,1324 Dollar gefallen. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,1328 (Donnerstag: 1,1419) Dollar festgesetzt.

Der Euro kletterte auf 1,1430 Dollar und holte damit alles wieder auf, was er vom Tageshoch am Donnerstag verloren hatte. Im Tagestief kurz vor dem Michigan-Index notierte er noch bei 1,1320 Dollar.

Viele Dax-Anleger haben den Eurokurs derzeit genau im Blick, weil ein zu starker Euro vor allem die exportstarken deutschen Unternehmen belastet. Am Donnerstag hatten schwäche US-Daten und damit nachlassende Spekulationen auf eine baldige Zinswende in den USA die Gemeinschaftswährung bis auf ein Drei-Monats-Hoch von 1,1445 Dollar getrieben.

Wenig grün im Dax

Von den Dax-Gewinnern blieben nur Infineon und FMC mit 0,4 und plus 0,3 Prozent wirklich übrig. Deutsche Post klammerten mit Plus 0,01 Prozent. Alle anderen Unternehmen notierten im negativen Bereich. Größte Verlierer waren K+S und BMW mit minus 2,7 und minus 2,5 Prozent.

Stabile Überflieger gab es in der zweiten Reihe: Reihenweise griffen die Anleger bei SMA Solar zu. Die Aktien schossen in der Spitze um 14,6 Prozent in die Höhe, zuletzt notierten sie neun Prozent höher. Sie waren damit stärkster Wert im TecDax.

"Die guten Zahlen vom Mittwoch wirken noch nach, zudem hat die Aktie ordentlich Nachholpotenzial", sagte ein Händler. In den vergangenen zwölf Monaten sind die Titel um knapp 49 Prozent gefallen, der TecDax kommt im selben Zeitraum auf ein Plus von rund 35 Prozent. Der Nachfrageeinbruch vor allem in Deutschland und hoher Druck auf die Preise hatten SMA im vergangenen Jahr tiefrote Zahlen eingebrockt. Zum Jahresauftakt ist der defizitäre Solartechnikkonzern nun unerwartet stark gewachsen.

Im SDax setzten sich Stabilus an die Spitze. Die Aktien Autozulieferers gewannen 7,2 Prozent. Im zweiten Quartal schnellten Umsatz und Gewinn jeweils um über 20 Prozent in die Höhe.

USA: Nasdaq gibt leicht nach

Die US-Börsen fanden zum Wochenschluss keine gemeinsame Richtung. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss am Freitag mit einem Plus von 0,1 Prozent auf 18.272 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 ging 0,1 Prozent höher bei 2122 Zählern aus dem Handel. Der Composite- Index der Technologiebörse Nasdaq verlor dagegen 0,1 Prozent auf 5048 Punkte.

Das von der Universität Michigan erhobene Verbrauchervertrauen trübte sich im Mai entgegen den Erwartungen von Experten deutlich ein. Zudem war die Industrieproduktion im April den fünften Monat in Folge gefallen. Bankvolkswirte hatten hingegen im Schnitt mit einer Stagnation gerechnet.

Unter den Einzelwerten sorgte Netflix für Gesprächsstoff: Der Online-Videodienst will laut Kreisen nach China expandieren. Das Unternehmen verhandele mit der Firma Wasu Media, an der unter anderem Alibaba-Gründer Jack Ma beteiligt sei, berichteten Medien. Anleger zeigten sich erfreut: Die Aktien sprangen zum ersten Mal über die Marke von 600 US-Dollar und gewannen zum Handelsschluss 4,50 Prozent auf 613,25 Dollar. Damit zählten sie zu den Favoriten im Nasdaq 100.

Asien-Börsen folgen US-Börsen nach oben

Die Börsen in Fernost nahmen sich am letzten Handelstag der Woche die Wall Street zum Vorbild. Nach Kursgewinnen in den USA am Vorabend gaben sich Anleger in Asien am Freitag ebenfalls zuversichtlich. Auch sie erhofften sich von den im Tagesverlauf anstehenden US-Konjunkturdaten weitere Hinweise darauf, wann die US-Notenbank Fed die Zinswende einleiten könnte.

Der Leitindex Nikkei schloss mit einem Plus von 0,8 Prozent bei 19.732 Punkten. Der breiter gefasste Topix gewann fast ein Prozent auf 1607 Zähler. Der Index für die asiatischen Aktien außerhalb Japans legte 0,3 Prozent zu. In New York hatten am am Vortag nachlassende Spekulationen auf eine baldige Zinserhöhung die Aktienmärkte angetrieben.

Bei den Einzelwerten in Japan fielen Nikon und Sharp auf, die gegen den Trend Verluste verbuchten. Nikon rutschten elf Prozent ab. Der Kamerahersteller enttäuschte mit seiner Gewinnprognose die Anleger. Sharp sackten sieben Prozent ab. Manchen Investoren geht der Sanierungsplan des Elektronikkonzerns nicht weit genug.

Quelle: n-tv.de, ddi/wne/dpa/DJ/rts

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