Marktberichte

Wohin geht die Reise? Dem Dax drohen weitere Verluste

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Auf der Agemnda stehen zahlreiche Konjunkturdaten.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die steigenden Corona-Infektionszahlen sowie deren mögliche Auswirkungen auf die Wirtschaft werden den deutschen Aktienmarkt auch in der neuen Woche prägen. Weitere Kursverluste sind aus Sicht von Experten wahrscheinlich.

Anleger müssen sich in den kommenden Wochen auf unruhiges Börsenwetter einstellen. Alles in allem hat sich der Leitindex Dax bislang trotz der jüngsten Rückschläge als recht robust erwiesen. Insofern könnte es gut sein, dass sich das Börsenbarometer in den kommenden Handelstagen etwas berappelt. Am Freitag verlor der deutsche Leitindex 1 Prozent auf 12.469 Punkte. Auf Wochensicht ergab sich ein Minus von 4,9 Prozent.

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"Die Optimisten und Schnäppchenjäger, die bislang immer zur Stelle waren, als die Kurse fielen, halten sich angesichts der angespannten politischen Lage in den USA und einer drohenden zweiten Infektionswelle im Herbst zurück", beschreibt Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets die Lage. Börsenbeobachter erwarten daher, dass der Dax weiter um die Marke von 12.500 Punkten pendeln wird.

"Die zweite Welle der Pandemie ist auch an den Finanzmärkten spürbar", sagte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. Die Befürchtung, dass im Herbst die wirtschaftlichen Einschränkungen wieder zunehmen werden, ließen die Marktteilnehmer vorsichtig werden.

Grenke im Fokus

Für eine positive Entwicklung der Börsen sind nach Auffassung der Experten der Landesbank Baden-Württemberg über eine konjunkturelle Aufhellung hinaus auch wieder steigende Unternehmensgewinne dringend nötig. Hierzu gebe es zwar erste Anzeichen, aber spürbare Anhebungen der Ertragsprognosen seien noch selten.

Der Börsenbrief "Termin-Börse" von Bernecker verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass der Dax die jüngste Bereinigung an den Märkten "bislang eindrucksvoll verkraftet" habe. Die Experten rechnen Anfang nächster Woche mit einem möglichen Ausbruch des Leitindex nach oben - dann könnten die Kurse so weit gefallen sein, dass die Anleger nicht mehr bereit sind, noch weitere Aktien abzustoßen.

Am Montag rückt erst einmal das Börsendebüt des Energiekonzerns Siemens Energy in das Zentrum der Aufmerksamkeit. Siemens hat seine Energiesparte ausgegliedert und reicht mit 55 Prozent die Mehrheit an die Siemens-Aktionäre weiter. Damit ist die Abspaltung an diesem einen Tag im Dax vertreten. Der Industriekonzern peilt einen Börsenwert für Siemens Energy von 20 Milliarden Euro an.

Am Freitag berichtet Grenke über sein Neugeschäft. Der Finanzdienstleister und Leasingspezialist steht aktuell im Fadenkreuz von Leerverkäufern. Diese verbreiten Anschuldigungen und machen mit dem Kursrutsch der Aktien an der Börse Kasse.

US-Wahlkampf gewinnt an Fahrt

Außerdem kann die anstehende neue Runde bei den Brexit-Verhandlungen die Kurse beeinflussen. Wegen des umstrittenen britischen Binnenmarktgesetzes, mit dem Premierminister Boris Johnson Teile der bereits geschlossenen Scheidungsvereinbarung aushebeln will, stehen sie unter schlechten Vorzeichen. Ohne eine Einigung über die künftigen Beziehungen droht zum Jahresende ein ungeordneter Austritt Großbritanniens aus der EU. Das wäre schlecht für die europäischen Aktienmärkte, noch schlechter allerdings für den britischen, warnt Analyst Mobeen Tahir vom Fondsanbieter Wisdomtree.

Für Gesprächsstoff sorgt auch die nahende US-Präsidentschaftswahl. Amtsinhaber Donald Trump konnte in Umfragen seinen Rückstand zum demokratischen Herausforderer Joe Biden verkleinern, in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch findet das erste TV-Duell der beiden Kontrahenten statt.

Daneben stehen zahlreiche Konjunkturdaten auf der Agenda. Der Höhepunkt sind die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag, die wichtige Signale an die Geldpolitik der amerikanischen Notenbank senden können. Diese fährt einen sehr lockeren Kurs, der die Wirtschaft und die Aktienmärkte stützt. Er rechne zwar mit einem erneuten Stellenaufbau, allerdings mit dem schwächsten Zuwachs im aktuellen Aufschwung, prognostizierte Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz. Experten rechnen im Schnitt für September mit 875.000 neuen Jobs. Das sind etwas mehr als halb so viel wie im Vormonat. Einen Vorgeschmack auf die offiziellen Daten liefern die Zahlen der privaten Arbeitsagentur ADP am Mittwoch. Großes Augenmerk richten Börsianer außerdem auf die US-Konsumausgaben am Donnerstag, denn die Kauflaune der Verbraucher ist die Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft.

Quelle: ntv.de, jga/dpa/rts