Marktberichte

Trotz mieser Arbeitsmarktdaten Erholungsrally an der Wall Street

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New Yorker Polizist auf der Wall Street.

(Foto: AP)

Trotz manchen schlechten Zeichen, wie die miesen Job-Daten in den USA, fassen die Händler an der Wall Street wieder Mut. Eine Erholungsrally überkommt das Parkett, die Kurse legen wieder zu.

Eine Erholungsrally hat der Wall Street am Donnerstag zu einem kräftigen Aufschlag verholfen. Zu Beginn hatten schwache wöchentliche US-Arbeitsmarktdaten und die anhaltende Sorge vor einer langsamer als gedachten Konjunkturerholung belastet. Doch im Verlauf holten die Indizes ihre Verluste auf und drehten ins Plus. Die Investoren hätten schwache Wirtschaftsdaten und wieder zunehmende Spannungen zwischen den USA und China gegen die verstärkten globalen Lockerungen abgewogen, hieß es.

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Angeführt wurde die Aufwärtsbewegung dabei vom Finanzsektor, der 2,6 Prozent gewann. Der Sektor sei angeschlagen, da die Investoren sich um die Konjunkturentwicklung und die Möglichkeit negativer Zinsen sorgten, die das Geschäftsmodell der Banken belasten würden, hieß es. Auch die Energiewerte waren mit den kräftig steigenden Ölpreisen gesucht - der Sektor gewann 0,9 Prozent.

Der Dow-Jones-Index legte um 1,6 Prozent auf 23.625 Punkte zu. Im Tagestief war er zunächst bis auf 22.790 Punkte gefallen. Der S&P-500 stieg um 1,2 Prozent auf 2.853 Punkte. Der Nasdaq-Composite kletterte um 0,9 Prozent auf 8.944 Punkte. Dabei standen den 1.483 (Mittwoch: 326) Kursgewinnern an der NYSE 1.484 (2.648) -verlierer gegenüber. Unverändert schlossen 54 (38) Aktien.

Schwache US-Arbeitsmarktdaten werden verdrängt

Nachdem am Vortag US-Notenbankpräsident Jerome Powell mit kritischen Aussagen in Bezug auf eine baldige konjunkturelle Erholung die Märkte erschreckt hatte, spiegelten die schwachen Arbeitsmarktdaten dies wieder. Mit fast 3 Millionen haben mehr Amerikaner einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe gestellt als prognostiziert. Zwar ist die Zahl gegenüber der Vorwoche gesunken, was erwartet worden war. Doch in den vergangenen Wochen hat sich die Summe derer, die bedingt durch die Corona-Pandemie ihren Job verloren haben, auf rund 36 Millionen gesteigert. Die Lage am Arbeitsmarkt ist wichtig für die Verbraucherstimmung der Amerikaner. Die US-Ökonomie lebt vor allem vom Inlandskonsum.

"Das Tempo der Erholung wird wohl enttäuschen, weil die Aufhebung der Sperrmaßnahmen die Wirtschaft nicht auf das Vorkrisenniveau bringen wird", so Portfoliomanager Hani Redha von PineBridge Investments. Die politischen Maßnahmen verhinderten eine Depression, allerdings dürften sie kaum eine tiefe Rezession verhindern können. An den Märkten wurde zuletzt immer wieder auch das optimistischere Szenario einer V-förmigen, also schnellen und starken Erholung gespielt.

Ölpreise mit Rally - Goldpreis auf Dreiwochen-Hoch

Die Ölpreise kletterten auf den höchsten Stand seit sechs Wochen. Teilnehmer verwiesen zur Begründung auf die massiven Produktionssenkungen der Förderländer und -unternehmen. Zudem wird angesichts der Lockerung der pandemiebedingten Beschränkungen mit einem allmählichen Anziehen der Nachfrage gerechnet. Der Preis für die US-Sorte WTI stieg um 9,1 Prozent auf 27,60 Dollar je Barrel, Brent gewann 6,5 Prozent auf 31,09 Dollar.

Der Goldpreis kletterte in der Spitze bis auf 1.736 Dollar und damit ein Dreiwochenhoch. Die Feinunze gewann schließlich 1,0 Prozent auf 1.732 Dollar. Weiter spielten die aktuellen wirtschaftlichen Sorgen dem Edelmetall in die Hände, hieß es. Zudem wird in den USA eine Debatte um mögliche negative Leitzinsen geführt. Am Vortag hatte US-Notenbankchef Powell zwar gesagt, dies stehe nicht an, doch US-Präsident Donald Trump hat eine entsprechende Forderung am Donnerstag wiederholt. Negative Leitzinsen würden dem Gold einen zusätzlichen Schub geben, weil Gold keinen Zinsertrag abwirft und damit konkurrierende Anlagen wegfallen würden.

Der Dollar zeigte sich gegen die Hauptwährungen mit leichten Gewinnen. Marktteilnehmer sprachen von anhaltender leichter Risikoaversion, die der Währung zugute kommt. Der Euro notierte im späten US-Handel bei 1,0801 Dollar, nach einem Tageshoch bei 1,0824 Dollar. Der Dollar-Index legte um 0,1 Prozent zu.

Trotz der Erholung am Aktienmarkt blieben die US-Anleihen gesucht. Allerdings wurden die Gewinne deutlich eingegrenzt. Die Zehnjahresrendite reduzierte sich mit steigenden Notierungen um 1,9 Basispunkte auf 0,63 Prozent.

Bankenwerte mit Erholung - Cisco nach Zahlen gesucht

Im Bankensektor gewannen die Papiere von JP Morgan 4,2 Prozent, Goldman Sachs legten um 1,5 Prozent zu. Für die Titel von American Express ging es um 7,4 Prozent aufwärts. Bei den Ölwerten kletterten die Titel von Chevron um 1,5 Prozent und Exxon Mobil erhöhten sich um 1,0 Prozent.

Der Kurs von Cisco Systems stieg um 4,5 Prozent, nachdem der Netzwerkausrüster in seinem dritten Geschäftsquartal die Erwartungen des Marktes leicht übertroffen hat. Der Umsatz reduzierte sich gleichwohl um 8 Prozent auf 12 Milliarden Dollar. Als Nettogewinn wies Cisco 2,8 Milliarden Dollar aus. Mit seinen Projektionen für das vierte Quartal bewegte sich Cisco in etwa im Rahmen der Analystenschätzungen.

Die Aktien von Delta Airlines verloren 0,2 Prozent. Die Fluggesellschaft will ihre 18 Maschinen vom Typ 777 bis zum Jahresende ausmustern. Die Airline muss Kosten senken, weil die Corona-Pandemie den weltweiten Reiseverkehr praktisch zum Erliegen gebracht hat. Sobald die internationale Nachfrage wieder anziehe, werde Delta stärker auf die treibstoffeffizienteren A330 und A350 von Airbus setzen. Weitere vorzeitige Ausmusterungen seien nicht ausgeschlossen. Die Boeing-Aktie gewann nach anfänglichen Verlusten 0,8 Prozent.

Quelle: ntv.de, vpe/DJ