Marktberichte

Politik ohne Rettungsfahrplan Euro fühlt die Unruhe

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Mit Geld winken reicht nicht: Am Devisenmarkt pochen Anleger auf grundsätzliche Lösungsansätze.

(Foto: REUTERS)

Die Notierungen an den Devisenmärkten sprechen eine klare Sprache: Der Kurs des Euro rutscht zu Wochenbeginn unter die Marke von 1,25 Dollar. Händlern zufolge vermissen Anleger nach wie vor ein überzeugendes Signal zur Lösung der Schuldenkrise.

Mangelndes Vertrauen in das Krisenmanagement der Politik hat den Euro am ersten Handelstag der Woche weiter abrutschen lassen. Immer mehr Anleger rechnen vor dem EU-Gipfel am kommenden Donnerstag nicht mit einer schnellen und nachhaltigen Lösung der Schuldenkrise in Europa. Die Gemeinschaftswährung fiel im Vergleich zum Freitagsgeschäft zeitweise um rund einen US-Cent auf 1,2469 Dollar zurück, den niedrigsten Stand seit Mitte Juni. Zuletzt notierte der Euro bei 1,2490 Dollar.

"Dass es eine weitreichende Einigung in Richtung einer Fiskal- und Bankenunion geben wird, halten wir nicht für wahrscheinlich", prognostizierte Helaba-Analyst Ralf Umlauf mit Blick auf den Gipfel. Auch die Commerzbank schrieb in einem Kommentar: Nur ein glaubwürdiger Fahrplan in Richtung Fiskalunion mit Gemeinschaftsemission könnte für einen stärkere Beruhigung der Märkte sorgen. "Wir sehen allerdings Enttäuschungspotenzial."

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2488 (Freitag: 1,2539) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8008 (0,7975) Euro. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,80285 (0,80420) britische Pfund, 99,57 (100,68) japanische Yen und 1,2008 (1,2009) Schweizer Franken fest.

Mini-Gipfel stößt auf wenig Begeisterung

Im Mittelpunkt des Spitzentreffens dürfte das von Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien während des Mini-Gipfels von Ende vergangener Woche vereinbarten stehen. Darauf hatten sich die vier größten Wirtschaftsnationen der Eurozone am vergangenen Freitag in Vorbereitung auf den Gipfel geeinigt. Allerdings sind mit den 120 bis 130 Mrd. Euro keine neuen staatlichen Mittel gemeint, sondern vor allem die Aktivierung privaten Kapitals und eine Umstrukturierung des bestehenden EU-Haushalts.

Weitere Maßnahmen, die das Quartett auf dem Gipfel vorschlagen wollen, sind die Aufstockung des Kapitals der Europäischen Investitionsbank und die Einführung sogenannter Projektbonds - gemeinsame Anleihen, mit denen bestimmte Projekte mit Hilfe von privatem Kapital finanziert werden sollen.

Erste Reakionen am Markt

Bei den Investoren stieß das Vorhaben auf wenig Begeisterung. Auch dieses Programm dürfte Europa nicht wieder auf Kurs bringen, sagte ein Händler. Dafür sei der Betrag schon viel zu klein.

Die Skepsis vieler Anleger machte sich zum Wochenauftakt auch bei spanischen und italienischen Bonds bemerkbar. Die Kurse fielen, entsprechend zog die Rendite an - ein Ausdruck des Misstrauens in die Zahlungsfähigkeit dieser Länder. Zehnjährige spanische Papiere wurden mit 6,532 Prozent nach 6,350 Prozent am Freitag verzinst. Ihre italienischen Pendants rentierten bei 5,914 Prozent (Freitag: 5,807 Prozent). Beliebt waren dagegen die gern als sicherer Hafen angesteuerten Bundesanleihen, deren Rendite auf 1,478 Prozent zurückging. Am Freitag hatten sie noch bei 1,578 Prozent gelegen.

Viele Marktteilnehmer nehmen vor dem EU-Gipfel Ende der Woche eine vorsichtige Haltung ein. Nur ein glaubwürdiger Fahrplan in Richtung Fiskalunion mit Gemeinschaftsemission könnte für eine stärkere Beruhigung der Märkte sorgen, hieß es in einem Kommentar der Commerzbank.

Quelle: ntv.de, rts