Marktberichte

Spanien-Skepsis im Devisenhandel Euro spitzt unter die 1,30

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Ein sorgenschwerer Blick: König Juan Carlos, hier auf der Münze - und nicht auf Elefantenjagd.

(Foto: dpa)

Die Sorgen um die finanzielle Stabilität der Eurozone setzen die europäische Gemeinschaftswährung unter Druck: Während der spanische König mit einer gebrochenen Hüfte im Krankenhaus liegt, steht das Land am Kapitalmarkt unter Beschuss.

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,18

Sorgen um das Euro-Schwergewicht Spanien haben die europäische Gemeinschaftswährung zu Wochenbeginn unter Druck gesetzt. Der Euro sank am Montag im Handelsverlauf bis auf 1,2993 US-Dollar und damit erstmals seit Mitte Februar unter die Marke von 1,30 Dollar. Bis zum späten Nachmittag erholte sich der Euro aber spürbar auf 1,3060 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,3024 (Freitag: 1,3148) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7678 (0,7606) Euro.

Belastet wurde der Euro vor allem durch die Entwicklung an den spanischen Finanzmärkten. Vor allem am Markt für Staatsanleihen verschärfte sich die Lage erneut. Im richtungsweisenden Zehnjahresbereich kletterte die Rendite für spanische Staatstitel erstmals in diesem Jahr über die Schwelle von sechs Prozent. Ganz so schlimm wie im November 2011 ist die Situation aber noch nicht: Damals waren auch wichtige Kernländer Europas wie Frankreich von den Turbulenzen erfasst worden. Für nachhaltige Beruhigung hatte erst die EZB sorgen können, als sie den Finanzsektor mit zwei riesigen Geldspritzen über insgesamt eine Billion Euro flutete.

Die Wirkung dieser Liquiditätsflut scheint aber mittlerweile nachzulassen. In diesem Umfeld hatten unlängst Äußerungen aus der Notenbank für große Verwirrung gesorgt. Offensichtlich herrscht im EZB-Rat derzeit kein Konsens darüber, ob die aktuell ruhenden Anleihekäufe wieder aufgenommen werden sollen. Auch in der vergangenen Woche hielt die EZB still, wie Zahlen der Notenbank vom Montag belegen.

Trotz der Krisensorgen warnte Experte Marc Burgheim von der BayernLB vor Panik. "Ich würde die aktuelle Entwicklung sowohl am Devisenmarkt als auch am spanischen Rentenmarkt nicht überbewerten", sagte Burgheim, Leiter des Devisenhandels bei der bayerischen Landesbank. So sei der Handel zwischen Euro und Dollar immer noch deutlich dünner als vor den Osterfeiertagen, was Kursschwankungen begünstige. "Zudem ist der Handel an den spanischen Anleihemärkten zurzeit sehr nervös. Das sollte sich in diesem Ausmaß nicht fortsetzen."

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,82270 (0,82480) britische Pfund, 105,18 (106,49) japanische Yen und 1,2025 (1,2017) Schweizer Franken fest. In London wurde der Preis für die Feinunze Gold am Nachmittag mit 1653,00 (1666,50) Dollar gefixt. Ein Kilogramm Gold kostete 40.040,00 (40 150,00) Euro.

Bewegung beim Yuan

Die Furcht vor einer Verschärfung der Finanzlage Spaniens trieb die Anleger am Montag in den "sicheren Hafen" Bundesanleihen. Die Rendite für die zehnjährigen deutschen Papiere war mit 1,628 Prozent zeitweise so niedrig wie noch nie. Im Gegenzug kletterte der Bund-Future auf ein Sechs-Wochen-Hoch von 140,51 Punkten und lag damit gerade einmal einen Tick unter seinem Rekordhoch vom März.

Außer dem Euro ging auch die chinesische Landeswährung Yuan auf Talfahrt, nachdem die Regierung in Peking die auf täglich ein Prozent verdoppelt hatte. Ein Dollar verteuerte sich auf bis zu 6,325 Yuan und lag damit 0,5 Prozent über dem von der People's Bank of China (PBoC) festgelegten Fixing von 6,296 Yuan.

Experten zufolge hat die Abwertung mit den zuletzt wenig überzeugenden Wachstumszahlen der zweitgrößten Volkswirtschaft zu tun. Zudem habe sich auch der Yuan der allgemeinen Dollar-Stärke nicht entziehen können. Per saldo erhoffen sich die USA und Europa von der größeren Flexibilisierung einen höheren Yuan-Kurs. Sie werfen der Volksrepublik seit Jahren vor, mit der Manipulation der Währung ihren Export zu fördern.

Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte bei ihrem regulären Wochentender am Dienstag etwa 55 Mrd. Euro zuteilen. Das geht aus einer Umfrage unter 25 Devisenhändlern hervor. Dabei reichen die Prognosen von 50 bis 60 Mrd. Euro. Aus einem früheren Hauptrefinanzierungsgeschäft werden 55,4 Mrd. Euro fällig.

Derweil zog das Volumen der Einlagefazilität der EZB per Sonntagabend wieder deutlich an. "Die Lage ist unverändert, viele Banken parken ihr Geld lieber bei der EZB für wenig Zinsen, als es einer Bank zu leihen, selbst wenn die mehr Zinsen zahlt", erklärte ein Händler. Die Tagesgeldsätze pendelten am Montag unverändert um 0,25 Prozent.

Quelle: ntv.de, rts/DJ/dpa