Marktberichte

Rekorde, Fed und Zweifler Wall Street entfernt sich von Allzeithochs

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Die Geldpolitik der Fed sorgt für eine Rally an den Weltleitbörsen.

(Foto: REUTERS)

Geht die Rally an den Weltleitbörsen weiter? Die US-Anleger rechnen fest damit und lassen Dow und Co. zunächst weiter klettern. Neue Allzeithochs sind die Folge. Dann kommt die Fed - und die Kurse fallen. Dabei bleibt beim Thema Geldpolitik doch alles wie gehabt.

Ein enttäuschender Ausblick der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat die Wall Street am Mittwoch ins Minus gedrückt. Nach der nur knapp abgewendeten Pleite der USA im Haushaltsstreit lässt die Federal Reserve die Geldschleusen allerdings offen. Da die Erholung am Arbeitsmarkt stockt, will die Fed weiterhin  monatlich für 85 Milliarden Dollar Staatsanleihen und Immobilienpapiere kaufen. Die Arbeitslosenquote ist demnach noch immer zu hoch. "Und die Haushaltspolitik dämpft das Wachstum", warnte die Fed mit Blick auf die Folgen des Etatstreits. Da die Wirtschaft unter den Behördenschließungen und politischen Turbulenzen im Oktober gelitten hat, dürfte die Fed noch bis Anfang 2014 geldpolitisch auf dem Gaspedal bleiben. Den Leitzins beließ die Zentralbank wie erwartet bei null bis 0,25 Prozent.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte, der zu Handelsbeginn noch bis auf ein neues Allzeithoch von 15.721 Stellen zulegen konnte, gab seine Gewinne wieder ab und schloss 0,4 Prozent schwächer bei 15.618 Punkte. Das gleiche Bild lieferte der breiter gefasste S&P-500 ab. Er ging mit einem Abschlag von 0,5 Prozent und 1763 Zählern aus dem Handel, nachdem er bei 1775 Punkten einen neuen Rekord markiert hatte. Der Index der Technologiebörse Nasdaq sank 0,6 Prozent auf 3930 Stellen. In Frankfurt war der deutsche Leitindex 0,1 Prozent niedriger bei 9010 Zählern aus dem Handel gegangen, nachdem er im frühen Geschäft noch bis auf 9070,17 Punkte und damit auf ein neuerliches Rekordhoch geklettert war.

Zweifler melden sich zu Wort

Zwar glauben viele Beobachter nach wie vor, dass die Federal Reserve erst im kommenden Frühjahr damit beginnen wird, die geldpolitischen Zügel zu straffen, doch meldeten sich auch einige Zweifler zu Wort, die einen früheren Ausstieg ("Tapering") aus der ultralockeren Geldpolitik für möglich hielten. Statt erst im März kommenden Jahres könnte die Fed auch schon im Dezember damit beginnen, ihre monatlichen Käufe von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren zu verringern, sagte Andrew Wilkinson von Miller Tabak. Er begründete seine Vermutung mit den Zwischentönen, die sich aus dem Begleitkommentar der Fed zu ihrem Zinsentscheid hätten heraushören lassen. Obwohl der Streit um die Schuldengrenze der USA und die Schließung von Regierungseinrichtungen der Wirtschaft geschadet hätten, habe die Fed nicht weiter nachgegeben, sagt er.

Auch Christoph Balz von der Commerzbank merkte an, dass die Notenbank sich nicht noch "taubenhafter" gezeigt habe, also keine Tendenz zu einer noch stärkeren Lockerung der Geldpolitik erkennen ließ. Balz hält es aber für unwahrscheinlich, dass die Fed mit dem Tapering schon im Dezember beginnt. Die Notenbank benötige einfach mehr Daten, ehe sie einen Richtungswechsel vornehmen könne. Erst im März kommenden Jahres dürfte es soweit sein.

Die zuletzt eher schwächeren Konjunkturdaten sprachen dafür, dass die Fed die US-Wirtschaft noch länger mit Stimuli aufpäppelt. Die Beschäftigungssituation in den USA ist noch keineswegs rosig, wie der Arbeitsmarktbericht des privaten Dienstleisters ADP am Mittwoch erst wieder gezeigt hat. Im Oktober haben demnach weniger Amerikaner Arbeit gefunden als erwartet.

Zudem zwingt die Inflation die Notenbank keineswegs dazu, zu einer strafferen Geldpolitik überzugehen. Die Verbraucherpreise sind in der vielbeachteten Kernrate (ohne Preise für Nahrung und Energie) im September nur geringfügig und auch weniger deutlich als erwartet gestiegen.

Von GM bis Facebook

GM-Aktien stiegen um 3,3 Prozent. Nach Ford macht auch die Opel-Mutter Fortschritte im krisengeplagten Europa-Geschäft. Der operative Verlust ging dort im Quartal um mehr als die Hälfte auf 214 Millionen Dollar zurück. Fortschritte gab es zudem auf dem brummenden Markt in Nordamerika. Der Gewinn ohne Sonderposten im Konzern übertraf die Analystenerwartungen.

Der US-Mobilfunkanbieter Sprint ist im dritten Quartal wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt. Ein satter einmaliger Milliardengewinn aus der Investition bei Clearwire hat Sprint einen Nettogewinn von 383 Millionen US-Dollar beschert. Für die Aktie ging es rund 3 Prozent nach oben.

Aktien des Internet-Konzerns Yelp fielen um mehr als 2 Prozent ab. Der Bewertungs- und Empfehlungsdienst, bei dem über eine App Informationen wie Restaurant-Öffnungszeiten in Verbindung mit dem Standort des Handy- oder Tablet-Nutzers kombiniert sind, hat seinen Verlust im Quartal ausgeweitet.

LinkedIn-Papiere verloren mehr als 9 Prozent. Das Karriere-Netzwerk hatte einen Umsatzausblick vor den restlichen Jahresverlauf vorgelegt, der Anleger enttäuschte. Die schwachen Linkedin-Geschäftszahlen stimmten die Anleger auch mit Blick auf Facebook skeptisch, das seinen Quartalsbericht nach Börsenschluss in den USA veröffentlichen wollte. Die Facebook-Aktie verlor 0,8 Prozent.

Erst rauf und dann wieder runter, ging es für die Aktien von Blackberry. Der Smartphone-Pionier hat sich einem Medienbericht zufolge dem weltgrößten sozialen Netzwerk Facebook zum Verkauf angeboten. BlackBerry hat schon das Interesse mehrerer Konzerne und Anteilseigner auf sich gezogen. Rund 2 Prozent betrug das Schlussminus.

Quelle: ntv.de, bad/rts/DJ

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