Marktberichte

Krise oder "Event Risk" Gipfel weist Börsenwoche die Richtung

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(Foto: REUTERS)

Neue Woche - altes Problem: Doch im Ringen um eine Lösung des griechischen Schuldendramas könnte zu Wochenbeginn endlich eine Entscheidung fallen. Daneben steht weiter die Zinsfrage in den USA im Interesse der Händler.

Die Richtung der kommenden Börsenwoche entscheidet sich erst im Laufe des ersten Handelstags. Einmal mehr steht der drohende Staatsbankrott Griechenlands im Zentrum und dürfte den Dax -Anlegern unruhige Nächte bereiten. "Das Risiko eines griechischen Euro-Austritts ist gewachsen, wir sehen die Wahrscheinlichkeit nun bei 40 Prozent," sagt Helaba-Analyst Christian Apelt.

Alle Augen richten sich jetzt auf einen für Montag geplanten Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs der Eurozone. EU-Ratspräsident Donald Tusk hatte das Treffen auf höchster Ebene einberufen, nachdem Beratungen der Euro-Finanzminister in Luxemburg kein Ergebnis gebracht hatten. "Es ist ein stetes Hoffen und Bangen", sagte ein Händler.

Das nervöse Auf und Ab am deutschen Aktienmarkt dürfte sich daher fortsetzen. Binnen fünf Tagen verlor der Dax 1,4 Prozent auf 11.040 Zähler. Es war der vierte Wochenverlust in Folge.

Scheitern brächte Rentenmärkte unter Druck

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Zuspitzen könnte sich die Lage ab Montag auch durch einen möglichen "Bank-Run" der Griechen. Immer mehr räumen Geld von ihren Konten, um für eine mögliche Staatspleite gerüstet zu sein. Dies schürte Sorgen um die Liquidität der griechischen Banken. Doch es gibt auch Anleger, die keinen Ansturm erwarten. "Der ist schon längst gelaufen dank der ELA-Geschenke durch die EZB", sagte ein Händler. Die Notkredite von Europas Zentralbank seien im Land gut genutzt worden, um sich Kapitalpolster in Euro aufzubauen.

Übergeordnet sprechen manche Händler sogar von einem klassischen "Event Risk" - also einem singulären Ereignis jenseits von fundamentalen Unternehmens- oder Wirtschaftsdaten, das Bewegung in die Aktienkurse bringen könnte. Das Gros der Analysten und Händler geht aber mehr von einer medialen Belastung der Stimmung aus als von einer echten ökonomischen Relevanz.

Bei einem Scheitern des EU-Sondergipfels dürfte der Markt vor allem auf die Rentenmärkte und Portugal blicken. Marktteilnehmer zeigen sich jedoch auch hier entspannter als bei früheren Krisen: Die EZB habe angesichts von Stabilitätsfonds und dem laufenden Quantitative Easing alle Mittel, um schnell dagegenzuhalten. "Wir glauben, dass die EZB aggressiv intervenieren würde", heißt es dazu bei BofA-Merrill Lynch. Zudem habe Portugal, anders als Griechenland, kräftige Reformanstrengungen unternommen, so dass es höchstens zu einer kurzen Schreckreaktion kommen dürfte.

Ein Paar Konjunkturdaten für die Fed

Abseits des Hellas-Dramas stehen in der neuen Woche zahlreiche Konjunkturdaten dies- und jenseits des Atlantiks auf der Agenda: Die Einkaufsmanagerindizes aus dem Euro-Raum werden Anleger vor allem daraufhin abklopfen, ob die Wirtschaft weiter an Fahrt gewinnt. Analysten gehen allerdings nicht von einer starken Aufwärtsbewegung aus. Ebenfalls Beachtung finden dürfte der Ifo-Index am Mittwoch - zuletzt hatte sich die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Firmen erstmals seit Oktober leicht eingetrübt.

In den USA richtet sich die Aufmerksamkeit unter anderem auf die Auftragseingänge langlebiger Güter, das US-BIP und auf die Zahlen zum US-Einkommen und zum Konsum. Eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung gilt als Grundvoraussetzung für die geplante Zinswende.

Zuletzt hatte sich die US-Notenbank Fed noch nicht auf einen genauen Zeitpunkt für die erste Zinserhöhung festlegen wollen und die Wall Street damit gestützt. Der Dow-Jones-Index gewann auf Wochensicht 0,6 Prozent.

Stühlerücken bei den Nebenwerten

Auf Unternehmensseite dürfte es in der neuen Woche recht ruhig zugehen. Einzelne Firmen aus der zweiten und dritten Reihe öffnen ihre Türen für die Aktionäre und laden wie das Biotechunternehmen Qiagen oder der Autovermieter Sixt zur Hauptversammlung. Die im SDax notierte Baumarktkette Hornbach veröffentlicht zum ersten Geschäftsquartal.

Ansonsten gibt es zu Wochenbeginn ein großes Stühlerücken bei den Nebenwerten: Insbesondere werden die Aktien des Mode-Versandhändlers Zalando in den MDax aufrücken und dort die Papiere des Ingenieur-Dienstleisters Bertrandt ersetzen. Bertrandt-Anteilsscheine kehren dafür in den SDax zurück.

Außerdem werden der Kabelfernsehanbieter Tele Columbus, der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer und der Immobilienkonzern Adler Real Estate im SDax notiert sein. Verlassen müssen den Index der Oberflächenspezialist Surteco, der Online-Reifenhändler Delticom und der Baukonzern Bauer. Der Kleinkredite-Anbieter Ferratum ersetzt dann das Immobilienunternehmen Westgrund im SDax.

In den USA legt am Donnerstag nach Börsenschluss Adidas-Konkurrent Nike Zahlen zum vierten Geschäftsquartal vor.

Quelle: n-tv.de, jwu/DJ/rts/dpa

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