Marktberichte

Soja erreicht Rekordhoch "Isaac" heizt dem Ölpreis ein

Die Angst vor den Auswirkungen des an der Golfküste heraufziehenden Tropensturms "Isaac" lässt im internationalen Rohstoffhandel die Preise steigen. Meteorologen befürchten, dass sich der Sturm zu einem Hurrikan verstärken könnte. Landeinwärts treibt eine "Jahrhundertdürre" Soja auf ein neues Rekordhoch.

Saisonale Witterungseinflüsse treiben an den Rohstoffmärkten die Preise: Im Süden der USA nähert sich der Tropensturm "Isaac" der Golfküste. Nach Einschätzung des Nationalen Hurrikan Zentrums (NHC) der USA dürfte das Sturmtief bis Mitte der Woche zwischen Florida und Louisiana auf die Küste treffen. Die Experten gehen davon aus, dass das Unwetter über dem warmen Golf Geschwindigkeit aufnimmt und zu einem Hurrikan heranwächst. In Alabama, Louisiana und Mississippi riefen die Gouverneure bereits vorsorglich den Notstand aus.

Die voraussichtliche Bahn des Sturms führt nicht nur - fast genau sieben Jahre nach - in Richtung der Südstaatenmetropole New Orleans, sondern auch quer durch wichtige Fördergebiete der US-Ölindustrie. Nach Einschätzung von Wetterexperten sind zahlreiche Öl-Plattformen akut bedroht. Händlern zufolge drückte das bereits im Vorfeld den Öl-Preis nach oben. Zu befürchten sei, dass der Wirbelsturm die Produktion behindere und es dadurch zu einem Angebotsengpass kommen könne, hieß es.

Ein Barrel der US-Sorte WTI kostete zu Wochenbeginn mit 97,45 Dollar 1,3 Prozent mehr als am vergangenen Freitag. Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich auf 114 Dollar. Meteorologen von Weather Insight rechneten mit der kurzfristigen Stilllegung von 85 Prozent der Offshore-Öl-Produktion im Golf von Mexiko. Der britische Ölkonzern BP kündigte an, die Produktion auf allen Gas- und Ölplattformen herunterzufahren und alle Arbeiter in Sicherheit zu bringen. Der Konkurrent Chevron kündigte gleichfalls an, Personal von mehreren Förderanlagen abzuziehen. Royal Dutch Shell erklärte, das Unternehmen bereite den Rückruf von Personal vor, das nicht unbedingt für die Förderung gebraucht werde, und stelle einen Teil der Bohrungen ein.

Zur Angst vor dem Sturm kommt im Rohölhandel noch ein weiteres Großereignis: In Venezuela legte ein Feuer Teile der zweitgrößten Raffinerie der Welt lahm. Dort stieg die Zahl der Todesopfer auf 41, nachdem zwei Verletzte ihren schweren Brandwunden erlagen.

Der Sturm sei jedoch der Hauptfaktor für den Preisanstieg, schränkte Victor Shum von der Energieberatungsfirma Purvin and Gertz in Singapur ein. Er verwies auf die Schließung und Evakuierung mehrerer Förderanlagen im Golf von Mexiko. Die Region steht für rund 23 Prozent der US-Rohölproduktion und sieben Prozent der US-Gasförderung. Entlang der Golfküste stehen zudem rund 40 Prozent der Öl-Raffinerie-Kapazitäten der USA und 30 Prozent der Kapazitäten für die Gas-Verarbeitung.

"Der Sturm wird aber nur einen vorübergehenden Einfluss auf die Preise haben", sagte Rohstoff-Experte Tony Nunan von Mitsubishi Corp. "Alle warten auf die Ratssitzungen der Europäischen Zentralbank und der US-Notenbank Federal Reserve." Börsianer erhoffen sich von beiden Hinweise auf Zeitpunkt und Umfang möglicher weiterer Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur.

Soja auf Rekordhoch

Witterungseinflüsse ganz anderer Art beherrschen unterdessen die Lage am Markt für Agrarrohstoffe: Spekulationen auf schlechte Ernteaussichten in den USA haben den Preis für Soja auf ein Rekordhoch getrieben. Der Future-Preis für einen Scheffel (rund 27 Kilo) Sojabohnen mit Auslieferung im November erreichte zu Wochenbeginn den Rekordwert von 17,60 US-Dollar. In den Anbaugebieten der Vereinigten Staaten beeinträchtigt eine Jahrhundert-Dürre die Erträge.

Wetten auf steigende Preise an den Rohstoffmärkten haben deutlich zugenommen: Nach Aussagen von Experten der Commerzbank erreichte die Spekulation auf weiter steigende Preise beim Soja in der vergangenen Woche mit knapp 233.000 Kontrakten den höchsten Stand seit Anfang Mai.

Seit Beginn der Vorwoche sei der Soja-Preis um mehr als sechs Prozent gestiegen, hieß es weiter bei der Commerzbank. Offenbar hätten die jüngsten Niederschläge in den amerikanischen Anbaugebieten im Mittleren Westen die Aussichten für die Ernte kaum verbessert. Nach Angaben des US-Wetterdienstes erreichten die Niederschläge in wichtigen Anbaugebieten in den vergangenen 60 Tagen nur etwa die Hälfte der normalen Menge. Viele Anleger spekulieren daher weiter auf steigende Soja-Preise. Die Vereinigten Staaten sind derzeit der weltweit größte Produzent von Sojabohnen.

Gold glänzt im Krisenherbst

Spekulative Finanzanleger dehnten zugleich ihre Wetten auf steigende Preise bei Edelmetallen aus. Am Markt für Gold wird nach Einschätzung der Commerzbank beispielsweise verstärkt auf einen Euro-Krisenherbst spekuliert. Am Montagmorgen erreichte der Goldpreis in der Spitze 1676,45 Dollar je Feinunze (etwa 31 Gramm) und damit den höchsten Stand seit Mitte April. Im weiteren Verlauf fiel der Goldpreis aber wieder etwas zurück und stand im späten Vormittagshandel bei 1670 Dollar.

Bei Gold stiegen die Wetten auf steigende Kurse in der vergangenen Woche laut Commerzbank um 37 Prozent auf ein Sieben-Wochenhoch. Wegen der Euro-Schuldenkrise rechnen viele Anleger mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik führender Notenbanken. Die Sorge vor einer starken Inflation als Folge der extrem expansiven Geldpolitik gilt als eine der Haupttriebfedern für den Goldpreis.

Auch der Preis für Silber legte zu Beginn der neuen Woche "erneut überproportional zu", schrieben die Commerzbank-Experten. Hier sprang der Preis für eine Feinunze am frühen Morgen zum ersten Mal seit Anfang Mai wieder über die Marke von 31 US-Dollar.

Quelle: ntv.de, AFP/dpa/rts