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Mittwoch, 04. August 2010

Statistiker zählen auf: Die teuersten Naturkatastrophen

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Im Winter 1999 fegt Sturmtief "Lothar" über Europa. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Im Winter 1999 fegt Sturmtief "Lothar" über Europa.

Im Winter 1999 fegt Sturmtief "Lothar" über Europa.

Kurz nach Weihnachten zieht der Orkan Schneisen der Verwüstung quer durch Frankreich, Belgien, Schweiz, Deutschland und Österreich.

110 Menschen bringt der Wintersturm den Tod. Der wirtschaftliche Gesamtschaden beläuft sich laut Schadensstatistik der Münchener Rück auf 8,7 Mrd. Euro.

"Lothar" vernichtet ganze Waldstriche. Die Holzpreise werden Jahre brauchen, um sich von dem Windwurf-Schock zu erholen.

Aus der Sicht der Versicherungswirtschaft verursacht der Sturm einen versicherten Gesamtschaden von rund 4,5 Mrd. Euro.

Die Statistiker des weltgrößten Rückversicherers Münchener Rück listen "Lothar" damit auf Platz 10 ihrer Rangfolge der teuersten Naturkatastrophen aus den vergangenen 30 Jahren.

Weitaus mehr Energie als in einem europäischen Winter entlädt sich in den Tropen, wenn Tiefdruckgebiete über den warmen Gewässern zu gewaltigen Wolkenwirbeln anschwellen.

Hurrikane, Taifune, Zyklone und Orkane können beängstigende Dimensionen annehmen. Die großen Systeme der tropischen Wirbelstürme sind dann auch aus dem All gut zu erkennen.

Im September 1991 fällt Taifun "Mireille" über Japan her. In den Daten der Versicherer steht das extreme Unwetter für Schäden in Höhe von rund 7,6 Mrd. Euro - und auf Platz 9. Der versicherte Schaden liegt bei 5,3 Mrd. Euro.

"Charley" nennen die Meteorologen den Sturm, der vor sechs Jahren - im August 2004 - über die Caymans, Jamaika, Kuba und die USA herzieht.

"Charley" bringt 40 Menschen den Tod. Der Gesamtschaden: 13,7 Mrd. Euro. Versichert sind davon 6,1 Mrd. Euro.

Erst kurz vor der Küste der USA wächst sich "Charley" zum Orkan aus - mit verheerenden Folgen für Eigenheimbesitzer.

Der US-Wetterdienst NOAA stuft Wirbelstürme anhand der auftretenden Windgeschwindigkeiten nach der Saffir-Simpson-Skala in fünf Kategorien ein. Kategorie 1 beginnt bei 119 Stundenkilometern.

Einen Sturm der Kategorie 5 rufen die US-Meteorologen erst aus, wenn mit Windgeschwindigkeiten jenseits von 249 Stundenkilometern gerechnet werden muss. Hurrikan "Charley" erreicht über Florida Kategorie 4.

Ein Jahr und einen Monat nach "Charley" trifft es den US-Bundesstaat Texas: Über dem Golf von Mexiko braut sich Hurrikan der Kategorie 5 zusammen.

Hurrikan "Rita" überrollt die Golfküste. Im "National Hurricane Center" der USA atmen die Beobachter auf: Der Sturm verliert über dem Festland schnell an Kraft. Die Verwüstungen sind trotzdem enorm: ...

... Weil der sogenannte "Landfall" diesmal über dicht bebauten Industriegebieten stattfindet, hinterlässt "Rita" in der Statistik einen Gesamtschaden von 12,2 Mrd. Euro. Die Versicherer müssen für 9,2 Mrd. Euro aufkommen - Platz 7.

In den Erinnerungen der betroffenen Menschen verblasst "Rita" schnell, denn nur einen Monat zuvor hatte ein anderer Sturm weiter östlich das Festland erreicht - und New Orleans überflutet.

Und nur einen Monat nach "Rita" entfaltet "Wilma" ihre Zerstörungskraft Florida.

Die in den USA weit verbreitete Leichtbauweise kann einem Hurrikan der Kategorie 5 wenig entgegensetzen. 40 Menschen sterben.

Zum ersten Mal seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen registrieren die Forscher mit "Wilma" drei Hurrikane der höchsten Kategorie binnen einer Saison.

Die Hurrikan-Saison 2005 war ohnehin schon teuer. Doch "Wilma" fügt dem Gesamtschaden weitere 16,7 Mrd Euro hinzu.

Die Versicherungswirtschaft bleibt auf 9,5 Mrd. Euro sitzen - aus der Sicht der Branche kommt "Wilma" damit auf Rang 6 der teuersten Naturkatastrophen der vergangenen 30 Jahre.

Die Gewalt, die ein Tropensturm entwickeln kann, lässt sich anhand der nackten Zahlen kaum nachvollziehen: Zu stark verzerren Schadensmeldungen und Versicherungssummen das tatsächliche Ausmaß der menschlichen Tragödien hinter der Katastrophe.

Auch bei der regionalen Ballung der schwersten Naturkatastrophen trügt der Schein: Dahinter steht die einfache Wahrheit, dass ...

... es in den USA schlicht mehr Versicherungsnehmer und mehr versicherte Werte gibt als in anderen Regionen der Welt, in denen ebenso schwere oder manchmal sogar noch schwerere Tropenstürme wüten.

Im September 2004 überzieht "Ivan" den karibischen Raum mit Tod und Verderben. Der Hurrikan fordert 130 Menschenleben.

Die Versicherer beziffern den Gesamtschaden auf 17,5 Mrd. Euro und den versicherten Schaden auf 10,5 Mrd. Euro - Platz 5.

Ein Erdbeben in Kalifornien weckt Erinnerungen an eine historische Katastrophe: Beim sogenannten "Northridge-Quake" kommen am 17. Januar 1994 insgesamt 60 Menschen ums Leben.

Die Alpträume von Stadtplanern, Bürgermeistern und Architekten kreisen um das "Große Beben" von 1906, das große Teile von San Francisco dem Erdboden gleich macht.

Ein Blick von der Sacramento Street ins Stadtzentrum damals und heute lässt die Risiken erahnen, die ein Versicherer in dicht besiedelten Erdbebenregionen wie Kalifornien abschätzen muss.

Das Beben von 1994 verursacht Schäden in Höhe von 33,4 Mrd. Euro. Es ist die viertgrößte Naturkatastrophe der Versicherungswirtschaft der Jahre von 1980 bis 2009: Der versicherte Schaden beläuft sich auf 11,6 Mrd. Euro.

Zwei Jahre vor dem Beben in Kalifornien braut sich über dem Atlantik stürmisches Unheil zusammen: Hurrikan "Andrew" - ein Ausnahmesturm wie "Rita" oder "Wilma" - erreicht Ende August 1992 die Südspitze Floridas.

Die Häufigkeit extremer Hurrikane bewegt sich in gefährlich langen Zyklen. Vor "Andrew" war es an der US-Ostküste jahrtzehntelang ruhig. Auch deshalb trifft der Sturm viele unvorbereitet. Es ist eine nationale Katastrophe - und die drittteuerste Naturkatastrophe der vergangenen 30 Jahre.

Fast ein ganzer US-Bundesstaat ist verwüstet: US-Präsident George Bush senior eilt ins Krisenzentrum. Der Gesamtschaden wird später auf 20,2 Mrd. Euro geschätzt. Davon sind 12,9 Mrd. Euro durch Versicherungen abgedeckt.

16 Jahre nach "Andrew" muss der nächste US-Präsident mit Namen Bush über sturmversehrte Küstengebiete fliegen: George W. hat aus der "Katrina"-Katastrophe gelernt.

Die durch Hurrikan "Ike" aufgewühlten Wassermassen spülen im September 2008 ganze Ortschaften in Texas hinweg.

Weil "Ike" dabei mit Houston auch die viertgrößte Metropole der USA streift, summiert sich der Gesamtschaden auf 28,8 Mrd. Euro. Für 14,1 Mrd. Euro davon muss die Versicherungswirtschaft gerade stehen.

Dass ein Hurrikan wie "Ike" verhältnismäßig glimpflich vorüberziehen konnte, verdanken die USA auch dem verbesserten Küstenschutz und den umfangreichen Vorbereitungen: Tausende werden aus gefährdeten Gebieten evakuiert.

Dreh- und Wendepunkt im Umgang der Amerikaner mit der Bedrohung durch die Naturgewalten ist eine Katastrophe von beinahe biblischer Gestalt: ...

... Der Untergang von New Orleans am Unterlauf des Mississippi, fest verbunden mit dem Namen von Hurrikan "Katrina".

Nach einem zerstörerischen Anmarsch durch die Karibik macht der ungewöhnlich starke Tropensturm in den letzten Augusttagen des Jahres 2005 gleich fünf US-Bundesstaaten zum Katastrophengebiet. In New Orleans brechen die Dämme.

Große Teile des Stadtgebiets stehen unter Wasser: Eigenheime, Autos, Geschäfte, Industrieparks und Büros. Es ist die bislang teuerste Naturkatastrophe der vergangenen drei Jahrzehnte. Der Gesamtschaden: 95 Mrd. Euro (rund 125 Mrd. US-Dollar).

Das öffentliche Leben einer US-Metropole kommt vollständig zum Erliegen: Im Containerhafen bilden umgestürzte und durcheinandergeworfene Container abstrakte Muster.

Verschiedenen Zählungen zufolge kommen bis zu 1800 Menschen zu Tode.

Tausende Bewohner sind von der Außenwelt abgeschnitten. Die Versorgungslage wird schnell kritisch, die Behörden - und vor allem die Regierung in Washington - wirken überfordert.

George W. Bush begreift spät, was die amerikanische Öffentlichkeit von ihm erwartet. Erst Tage nach dem Sturm überfliegt "Air Force One" das Katastrophengebiet - mit einem ratlosen "Commander in Chief" am Fenster.

Nach "Katrina" werden die Katastrophenpläne überarbeitet und vor allem der Küstenschutz verstärkt. Doch die auffällige Häufung außergewöhnlicher Sturmstärken facht auch die öffentliche Debatte um den Klimawandel neu an.

Nach dem großen Hurrikan regulieren die Versicherer Schäden in Höhe von 47,1 Mrd. Euro - für die Branche ist "Katrina" damit die bislang teuerste Naturkatastrophe der Gegenwart.

Niemand kann die Bahnen eines Hurrikans genau vorhersagen. Wo gebaut wird, und was versichert wird, gleich einem gigantischem Glücksspiel.

Noch heute führen in der Umgebung von New Orleans viele Treppen ins Leere - und zeugen so vom Leben mit dem ewigen Risiko.

(Quelle: Munich Re, Georisikoforschung, Natcatservice, alle Summen umgerechnet in Euro, Stand 2010)

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