Marktberichte

Twitter, Hacker, Spannungen Konjunktursorgen bremsen US-Anleger aus

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Wall Street legt Verschnaufpause ein.

(Foto: picture alliance / dpa)

Den US-Anlegern geht am Donnerstag etwas die Puste aus. Konjunkturdaten hinterlassen Fragezeichen und dämpfen die Hoffnungen auf eine schnelle Erholung der Wirtschaft. Auch Twitter sorgt für Verunsicherung.

Aus Furcht vor Verzögerungen bei der Erholung der Wirtschaft machen einige US-Anleger Kasse. Der US-Standardwerteindex Dow Jones fiel am Donnerstag um 0,5 Prozent auf 26.734 Punkte und der breit gefasste S&P-500 büßte 0,3 Prozent auf 3.215 Punkte ein. Der Nasdaq Composite, der zuletzt von Rekord zu Rekord geeilt war, gab 0,7 Prozent auf 10.473 Punkte nach. Der Dax schloss mit leichten Verlusten.

Zwar legten die US-Einzelhandelsumsätze im Juni um überraschend starke 7,5 Prozent zu. Vor dem Hintergrund der wieder steigenden Coronavirus-Infektionen stelle sich aber die Frage, wie es weitergehe, sagte Michael Hans, Chef-Anleger des Vermögensverwalters Clarfeld Citizens. Schließlich liefen zum Monatsende Pandemie-Sonderhilfen für Selbstständige aus.

Politische Spannungen

Ein weiterer Belastungsfaktor seien die anhaltenden Spannungen zwischen den USA und China, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Die beiden weltgrößten Volkswirtschaften liegen bei zahlreichen Themen wie dem Sicherheitsgesetz für Hongkong über Kreuz.

Die US-Rohölsorte WTI verbilligte sich um 1,2 Prozent auf 40,70 Dollar je Barrel (159 Liter). Die Opec und ihre Verbündeten wollen die Drosselung der Fördermengen auf 7,7 von 9,7 Millionen Barrel pro Tag verringern. Vor diesem Hintergrund zogen sich Investoren aus US-Ölwerten zurück. Die Aktien von Exxon und Chevron fielen um 0,8 und 0,6 Prozent.

Hacker-Angriff auf Twitter

Nach einem Hacker-Angriff auf die Twitter-Konten prominenter Nutzer wie US-Präsidentschaftsbewerber Joe Biden oder Tesla-Chef Elon Musk rutschten die Titel des Kurznachrichtendienstes zeitweise um knapp fünf Prozent ab. Sie schlossen gut ein Prozent niedriger. Dem Unternehmen zufolge erbeuteten die Hacker ersten Berechnungen zufolge Bitcoin im Wert von mehr als 100.000 Dollar. Dies trübe das Image der Kryptowährung, sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. Die älteste und wichtigste Cyber-Devise verbilligte sich um 1,2 Prozent auf 9101,51 Dollar.

Abwärts ging es ebenfalls für Apple and Microsoft mit einem Minus von 1,2 beziehungsweise knapp zwei Prozent. Das sei ein früher Hinweis darauf, dass das Geld von Nasdaq-Tech-Lieblingen inzwischen zu anderen Unternhemen fließe, die bei einer wieder anziehenden Wirtschaft gut dastünden, sagte Andrew Smith, Chef-Investment-Stratege von Delos Capital Advisors. Zuletzt hatte US-Justizminister William Barr einer Reihe von Unternehmen, darunter Apple und Microsoft, vorgeworfen, sich aus Geschäftsinteressen im Umgang mit China zu kooperativ zu zeigen.

BoA unter Druck

Unter Druck standen auch die Titel der Bank of America, die sich um 2,7 Prozent verbilligten. Wegen Rückstellungen für Kreditausfälle brach der Gewinn des Geldhauses um mehr als die Hälfte ein. Außerdem seien die Zinseinnahmen hinter den Erwartungen zurückgeblieben, monierte Analyst Ken Usdin von der Investmentbank Jefferies. Gleichzeitig seien die Kosten höher ausgefallen als vorhergesagt.

Rivale Morgan Stanley machte dagegen dank eines boomenden Börsenhandelsgeschäfts einen Rekordgewinn von 3,2 Milliarden Dollar. Die Titel der Investmentbank gewannen 2,5 Prozent.

Quelle: ntv.de, bad/rts