Marktberichte

Unruhe im Rohöl-Sektor US-Börsen schließen verunsichert

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Wie gewonnen, so zerronnen: In der YTD-Betrachtung liegt der Dow im Minus.

(Foto: REUTERS)

An der Wall Street verabschieden sich Börsianer nach einem Tag voller Unwägbarkeiten aus dem Handel. Starke Signale bleiben aus. Die Krisenherde der Welt verheißen nichts Gutes. Der Dow steht wieder so tief wie zu Jahresbeginn.

Die Ukraine-Krise hält US-Investoren in Schach: Im New Yorker Aktienhandel ist der Börsentag mit leichten Kursverlusten zu Ende gegangen. Der Leitindex der 30 Standardwerte aus der US-Unternehmenslandschaft unterbrach seine Erholungsbewegung der vergangenen beiden Handelstage. In der Performance-Betrachtung seit Jahresbeginn (YTD) weist der Dow mittlerweile mit minus 0,1 Prozent eine leicht negative Bilanz auf.

Zum Handelsschluss am Dienstag notierte der Dow-Jones-Index 0,06 Prozent tiefer bei 16.560,54 Punkten. Der marktbreite S&P-500-Index verlor 0,16 Prozent auf 1933,75 Punkte. Auch an der Technologiebörse Nasdaq gab es leichte Verluste: Der Auswahlindex Nasdaq 100 fiel um 0,13 Prozent auf 3905,22 Punkte, der Nasdaq-Composite gab um 0,27 Prozent auf 4389,25 Punkte nach.

Größere Impulse auf der Nachrichtenseite waren Händlern zufolge nicht zu verzeichnen. Anleger hielten sich aber wegen der zahlreichen internationalen Krisenherde weiter zurück und rätselten, ob die Spannungen eher zu- oder abnähmen, sagte Marktanalyst Jasper Lawler von CMC Markets.

Viele Börsianer rechnen zwar nicht damit, dass sich die Lage in der Ukraine dramatisch verschärft. Aber mit einer großangelegten Hilfsaktion für die Ostukraine schürt Russland im Westen die Sorge, unter dem Deckmantel humanitärer Unterstützung neue Fakten zu schaffen.

"Die Situation scheint jetzt ein wenig ruhiger zu sein", sagte Anlagestratege James Dunigan vom Vermögensverwalter PNC Wealth Management. Während der russischen Hilfsaktion dürften sich die Anleger zurückhalten, ergänzte er. "Der Markt wird sich auf kurze Sicht wohl kaum nach oben bewegen", sagte Dunigan. "Aber langfristig orientierte Investoren können immer noch gute Kaufgelegenheiten finden, und das Gesamtbild der US-Wirtschaft ist weiter sehr positiv."

In Frankfurt hatte der Dax zuvor den Dienstagshandel 1,2 Prozent tiefer bei 9069 Punkten beendet. Dazu trug Beobachtern zufolge auch ein Einbruch des ZEW-Index bei. Neben der Ukraine beherrscht der Konflikt im Gazastreifen und der Kampf gegen den Vormarsch der IS-Terrormilizen im Irak weiter die geopolitische Gesamtlage. Angesichts dieser Unsicherheitsfaktoren und auch im Vorfeld der anstehenden Daten blieben die Bewegungen bei dünnen Umsätzen gering, erklärten Börsianer.

Abgeschwächte Ölnachfrage?

An der Wall Street zählten insbesondere Energiewert zu den Verlierern. Sie wurden Analysten zufolge vom sinkenden Ölpreis belastet. Anadarko Petroleum fielen um 2,3 Prozent, die Aktien von Consol Energy rutschten um 2,4 Prozent ab.

Die schwachen Aktienkurse aus dem Sektor der Öl- und Gaswerte belasteten laut Händlern die Standardwerteindizes insgesamt. Die Rohstoffaktien waren der schwächste unter den 10 Branchenindizes des S&P 500. Im Dow bröckelte die Aktien von Chevron als größter Verlierer des Sektors um 0,5 Prozent auf 127,09 US-Dollar ab. Die Ölpreise befinden sich weiter auf dem Rückzug, was Analystin Kathleen Brooks von Forex.com vor allem technisch begründete.

Der Brent-Ölpreis rutschte trotz der Irak-Krise auf den tiefsten Stand seit neun Monaten. Beobachter verwiesen in diesem Zusammenhang auch auf die neuen Prognosen der Internationalen Energieagentur (IEA) zur globalen Nachfrage nach Rohöl. Das Papier von ExxonMobil verlor 0,2 Prozent.

Bei den übrigen Einzelwerten stach der Handtaschenhersteller Kate Spade & Co's mit einem Minus von mehr als 25 Prozent hervor. Das Unternehmen hatte zuvor mitgeteilt, dass der schärfere Wettbewerb die Preise und damit die Gewinnmarge drücke.

Games-Industrie fasziniert Anleger

Favorisiert wurden am breiten Markt vor allem die Telekomwerte, wie die Branchenübersicht im S&P-500-Index zeigt. Bester Vertreter im Dow waren AT&T mit einem Plus von 0,5 Prozent auf 34,64 Dollar. Als größter Kursgewinner im Leitindex erwiesen sich die Aktien von Microsoft, die um 0,7 Prozent auf 43,52 Dollar kletterten. Der Softwarekonzern bringt auf der Spielemesse Gamescom in Köln eine neue Spielekonsole in Stellung.

Papiere des Videospiele-Anbieter Electronic Arts (EA) profitierten von einem neuen Abo-Dienst, mit dem Nutzer der Microsoft Xbox One für knapp 4 Euro im Monat zunächst zugkräftige Erfolgstitel wie "FIFA 14", "Battlefield 4", "NFL 25" und "Peggle 2" spielen können. Das Jahresabo verkauft EA mit einem deutlichen Abschlag für 24,99 Euro. Mit der Zeit sollen in dem Dienst mit dem Namen EA Access weitere Spiele hinzukommen. Die Aktie verteuerte sich um 1,37 Prozent auf 35,55 Dollar.

Tagesverlierer im Dow war die Aktie von United Technologies mit minus 0,8 Prozent auf 104,91 Dollar. Händler verwiesen auf eine negative Studie des Analysehauses Cowen.

Auf der Gewinnerseite hingegen fanden sich Pharmatitel. Intercept Pharmaceuticals schossen um mehr als 16 Prozent in die Höhe. Das Unternehmen berichtete von einem positiven Testverlauf in Studien mit einem Lebermedikament. Exact Sciences kletterten um 2,2 Prozent, nachdem die Arzneimittelaufsicht einen Krebstest der Firma genehmigt hatte.

Apple schlossen kaum verändert, gestützt von Berichten über den Produktionsbeginn des neuen iPad.

Am Anleihemarkt zogen sich die Händler im Vorfeld von zwei Auktionen langfristiger Papiere am Mittwoch und Donnerstag zunächst zurück. Die Verluste fielen jedoch nicht allzu hoch aus, da die Bonds als sicherer Hafen gefragt waren. Die Papiere mit einer Laufzeit von 10 Jahren fielen 8/32 auf 100-14/32. Sie rentierten mit 2,45 Prozent. Die 30-jährigen Bonds verloren 26/32 auf 101-28/32. Sie hatten eine Rendite von 3,27 Prozent.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 0,54 Milliarden Aktien den Besitzer. 1233 Werte legten zu, 1785 gaben nach und 158 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,56 Milliarden Aktien 848 im Plus, 1830 im Minus und 135 unverändert.

Quelle: n-tv.de, mmo/bad/dpa/rts

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