Technik

Offene Welten für die Massen Was die Gamescom so faszinierend macht

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Bei der Gamescom können die neuesten Spieletrends ausprobiert werden.

Seit Jahren pilgern Menschen in Scharen zur Gamescom nach Köln. Immer im August findet am Rhein die größte und womöglich auch wichtigste Computerspielemesse der Welt statt – und versetzt den Ort in einen geplanten Ausnahmezustand.

Jede Welt hat ihre Regeln. Dieses Grundprinzip des digitalen Spiels überträgt sich auf der Gamescom für ein paar Tage in die Realität. Der erste Eindruck, wenn das Publikum ab Donnerstag durch die Messehallen strömt: Es ist laut. Da haben die Besucher aus der Branche bereits zwei Tage hinter sich. Denn den Beginn des geplanten Ausnahmezustandes am Rhein eröffnen die Pressekonferenzen der großen Marktakteure. Diesmal legt Microsoft zeitlich vor, dann folgt Sony. Beide Unternehmen wollen in Köln den Eindruck vermitteln, dass sie den Ton vorgeben und das Messemotto "Spielend neue Welten entdecken" entscheidend mitgestalten.

Der trivial anmutende Werbespruch ist ein Hinweis darauf, wie Entwickler vieler Blockbuster-Produktionen immer mehr mit dem Prinzip "Open World" arbeiten. "Red Dead Redemption" von Rockstar Games etwa, diese Wildwest-Spielwiese, wirkt im Nachhinein wie ein Signal für andere Studios, sich an ähnlichen Freiheiten zu versuchen. Im Mai 2010 gaben die US-Amerikaner Kilometer um Kilometer zur Entdeckung frei, zu Fuß oder im Pferdesattel. Für Rockstar war das nicht neu. Schon der erste Teil ihrer Kultserie "Grand Theft Auto" stellte Spielern eine Welt zur Verfügung, in der sie sich in einer virtuellen Stadt bewegen konnten, ohne bestimmte Aufgaben erfüllen zu müssen. Das Konzept hat kaum etwas von seiner Anziehungskraft verloren: Der fünfte Teil stellte vor einigen Monaten Verkaufsrekord um Verkaufsrekord ein.

Während die Umsetzung solcher Welten die Konsolengeneration um die Playstation 3 an ihre Leistungsgrenzen brachte, gibt es seit Ende vergangenen Jahres Xbox One und Co. Die Umsätze sind gut - allen Unkenrufen aus der Branche zum Trotz, dass die neuen Plattformen die Sargnägel der Spielkonsolen bisheriger Prägung seien. In Deutschland etwa wurden in den ersten sieben Monaten seit ihrer Markteinführung fast ein Viertel mehr PS4 und Xbox One verkauft als von den Vorgängern nach deren Verkaufsbeginn. Dies könnte zwar auch mit den niedrigeren Einführungspreisen zu tun haben, was der Branchenverband BIU in seinen Angaben nicht erwähnt. Nichtsdestotrotz kann weder von einer Verlagerung hin zum Spielen im Stream statt mit stationärer Hardware die Rede sein, noch von einer bedeutenden Verlagerung hin zum mobilen Spielen mit Smartphones und Tablets.

Ein Sandkasten voller Unbekannter

Die offenen Welten breiten sich ohnehin in verschiedene Genres aus: Von emotionalen Action-Abenteuern mit kritischem Unterton à la "The Last Of Us", das wegen des großen Erfolges vor wenigen Wochen als PS4-Version neu aufgelegt wurde, über Fantasy-Kulttitel wie "Skyrim" und die "Witcher"-Serie, bis hin zu populären fangemachten Modifikationen, etwa die des Zombiewelt-Sandkastens "Day Z".

Bei der Gamescom sind solche Spiele meist zum ersten Mal in Europa öffentlich zugänglich und erzeugen riesige Anziehungskraft. Ärgernisse bleiben in den Hallen aber nicht aus. So stellt sich manch ein Besucher an, wartet stundenlang auf eine Präsentation, nur um dann den gleichen Werbefilm zu sehen, der schon seit Wochen im Netz verfügbar ist. Die Faszination der Messe wird durch so etwas nicht verringert: Die Branchentage am Rhein sind nahezu ausverkauft, die Tageskarten vergriffen.

Ähnlich wie die Welten immer zahlreicherer Produkte ist die Gamescom für Besucher ein Sandkasten voller Unbekannter; hier aber mit riesigen Ständen, Aufbauten und Showprogramm; mit Ausstellern, die unveröffentlichte Titel zum Probespielen anbieten; mit vielen verschiedenen Szenarien, erdacht, umgesetzt und begehbar. Diese Kombination macht die Messe am Rhein aus. Und für ein paar Tage im Jahr zu einer Welt mit ihren eigenen Regeln.

Quelle: ntv.de

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