Marktberichte

Wall Street schließt im Plus Pfund reißt Dax mit in die Tiefe

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Mehr als 400 Punkte hat der Dax seit Wochenbeginn verloren.

(Foto: picture alliance / dpa)

Brexit-Sorgen und ein abstürzendes Pfund Sterling belasten den deutschen Aktienmarkt: Der Dax verliert mehr als 150 Punkte und stoppt unterhalb der 9400er-Marke. Dagegen gehen die US-Börsen mit Gewinnen aus dem Handel.

Deutliche Verluste verbuchte der Dax nach einem bereits schwachen Vortag auch zur Wochenmitte. Nach einem leicht schwächeren Start pendelte sich der deutsche Leitindex schnell Bereich knapp über der 9300er-Marke ein und schloss am Ende mit einem Minus von 1,7 Prozent oder 159 Punkten bei 9373 Stellen.

"Investoren haben nach wie vor wenig Lust auf Risiko. Das liegt unter anderem am Brexit, und den damit verbundenen politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten in Großbritannien", kommentierte n-tv-Börsenexpertin Sabrina Marggraf. "Auf der anderen Seite blickt man gebannt nach Italien." Die Banken dort säßen auf einem Haufen fauler Kredite und man befürchte, dass das vielleicht das viel größere Problem sein könnte, und eine neue Finanzkrise auslösen könnte.

Vor allem der Absturz des Pfund Sterling ließ die Aktienmärkte zur Wochenmitte weiter einbrechen. Zum US-Dollar war das Pfund auf ein frisches 31-Jahres-Tief gefallen. Zeitweise wurde es unter 1,28 Dollar gehandelt. Zum Vergleich: Vor dem Brexit-Votum kostete das Pfund noch über 1,50 Dollar. Wegen der konjunkturellen Risiken verkaufen Investoren Aktien und flüchten in Bundesanleihen und Edelmetalle. Die Feinunze Gold war hingegen zwischenzeitlich auf den höchsten Stand seit drei Jahren gestiegen.

Mit dem Rückenwind einer sehr schwachen Währung meldete die Londoner Börse etwas geringere Kursverluste als die meisten anderen Börsen. Der FTSE-100-Index gab um 1,0 Prozent auf 6480 Punkte nach. Vor allem die britischen Exporteure dürfte enorm profitieren vom schwachen Pfund angesichts der Höhe der Kursverluste des Pfund.

"Gefragt ist Sicherheit: Investoren kaufen Gold und Bundesanleihen", so Marggraf. In Japan war die Rendite für 20-jährige Papiere in den negativen Bereich gerutscht. Die Rendite für 10-jährige US-Staatsanleihen war auf den niedrigsten Stand des Jahres gefallen und die Rendite deutscher Pendants markierten mit minus 0,182 Prozent ein weiteres Rekordtief. Sogar Papiere mit 15 Jahren Laufzeit werfen mittlerweile eine negative Rendite ab. Gewinner war auch der Goldpreis, der seinen Aufschwung fortsetzte und dem technischen Widerstand bei 1380 Dollar je Feinunze entgegenstrebte.

Frankfurt: Deutsche Bank fallen auf neues Allzeit-Tief

Deutsche Bank
Deutsche Bank 7,67

Der Dax schloss am Ende mit einem Verlust von 1,7 Prozent auf 9373 Punkten. Für den MDax ging es 1,4 Prozent nach unten auf 19.207 Zähler. Ein Minus von 1,6 Prozent zeigte sich beim TecDax, der auf 1552 Punkte nachgab. Um 1,8 Prozent büßte der Euro-Stoxx-50 ein auf 2761 Stellen.

Bankaktien verloren weiter überdurchschnittlich. Der europäische Sektor fiel um 2,4 Prozent, angeführt von der Deutschen Bank mit einem Kurseinbruch von 5,6 Prozent. Seit Jahresbeginn ist der Kurs um 50 Prozent eingebrochen auf den niedrigsten Stand seit den achtziger Jahren. Die Marktturbulenzen, immer niedrigere Zinsen und die konjunkturellen Risiken lasten schwer auf der Finanzindustrie. Auch Commerzbank ließen deutlich nach und sanken um 3,6 Prozent.

Deutsche Börse hielten sich vergleichsweise gut mit einem Plus von 0,6 Prozent. "Der Markt setzt darauf, dass die Fusion mit der London Stock Exchange gelingt", sagte ein Händler und verwies auf Berichte, die seit Dienstagnachmittag kursierten und denen zufolge der Sitz der künftigen Holding in London keine Vorbedingung mehr sein müsse, falls die Aufsichtsorgane das verlangen sollten. Zudem dürfte die Börse von den stark gestiegenen Handelsumsätzen an den Märkten profitieren. Spitzenreiter im Dax waren am Ende Adidas mit einem Plus von 2,0 Prozent.

USA: Gewinne an der Wall Street

Dow Jones
Dow Jones 27.657,42

An der Wall Street sorgen überraschend gute US-Konjunkturdaten für Gewinne. Die US-Börsen drehten im Handelsverlauf ins Plus, nachdem sich die Geschäfte der US-Dienstleister im Juni überraschend deutlich besserten. Dies ließ Anleger hoffen, dass die US-Wirtschaft im zweiten Quartal an Fahrt gewonnen hat. Zuvor hatten die Unsicherheiten nach dem Votum der Briten für einen Austritt aus der EU noch den Handel bestimmt.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte stieg um 0,4 Prozent und schloss bei 17.919 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gewann 0,5 Prozent auf 2100 Zähler. Der Nasdaq Composite stieg um 0,8 Prozent auf 4859 Stellen.

Das Führungsmitglied der US-Notenbank Fed, William Dudley, sprach vom Brexit als einer der "dunkelsten Wolken" am Konjunkturhorizont. US-Notenbankdirektor Daniel Tarullo versuchte jedoch, die Investoren zu beruhigen. Der Brexit werde die Welt zwar noch lange beschäftigen und niemand kenne die Ausmaße, die die Folgen annehmen könnten. Die weltweiten Finanzmärkte seien auf die Auswirkungen aber gut vorbereitet.

Aktien von Konsumgüterkonzernen wie Amazon oder Home Depot legten 1,2 beziehungsweise 1,6 Prozent zu. In den USA wuchsen die Dienstleister im Juni so stark wie seit sieben Monaten nicht mehr. Der Index für die Service-Branche stieg auf 56,5 Punkte, nach 52,9 Zählern im Mai, wie das Institute for Supply Management (ISM) am Mittwoch zu seiner Firmen-Umfrage mitteilte.

Facebook-Papiere stiegen 2,2 Prozent und trugen damit am stärksten zu den Kursgewinnen der Technologiebörse Nasdaq bei. Zu den Gewinnern gehörte auch der US-Krebsspezialist Medivation mit einem Kursplus von 0,9 Prozent. Der Konzern öffnet im milliardenschweren Übernahmepoker seine Bücher für den französischen Pharmakonzern Sanofi.

Leicht unter die Räder gerieten zunächst die Anteilsscheine von Tesla, nachdem der Elektroautobauer mit den Auslieferungen hinter den Erwartungen zurückblieb. Zu Handelsschluss gewannen die Papiere allerdings 0,2 Prozent.

Asien: Nikkei verliert fast zwei Prozent

Nikkei
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An den Aktienmärkten in Fernost hat sich erneut die Sorge vor den wirtschaftlichen Folgen des Brexit-Votums breitgemacht. Investoren befürchteten, dass die Notenbanken womöglich doch nicht in der Lage sein könnten, ausreichend Mittel zur Verfügung zu stellen, um die Konjunktur in Europa zu stützen. Verstärkt wurde die Verunsicherung durch die Krise des italienischen Bankensektors. Die Konjunkturaussichten seien trübe.

Der Stimmungsumschwung brockte der Börse in Tokio kräftige Verluste ein. Der Nikkei-Index verlor 1,9 Prozent auf knapp 15.379 Punkte. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans notierte 1,4 Prozent niedriger.

Der chinesische Aktienmarkt in Shanghai lag dagegen wenig verändert. Die Regierung in Peking ließ die Landeswährung Yuan auf den niedrigsten Stand seit Ende 2010 fallen und verschaffte damit Exportfirmen einen Wettbewerbsvorteil.

Devisen: Pfund auf Talfahrt, Euro über 1,11

Die Furcht vor den Folgen des Brexit-Votums für die Finanzstabilität und Wirtschaft hat die Anleger wieder erfasst. Am Devisenmarkt wird dadurch vor allem das britische Pfund stark geschwächt. Am Morgen kostet die Währung des Vereinigten Königreichs erstmals seit 1985 weniger als 1,30 US-Dollar.

Zeitweise kostete ein Pfund nur noch 1,2798 Dollar und damit rund 22 Cent oder 15 Prozent weniger als kurz vor der Mehrheitsentscheidung der britischen Bevölkerung, aus der EU austreten zu wollen. Am späten Abend notierte das Pfund bei 1,2932 Dollar. In den ersten Tagen nach dem Votum war das Pfund bis auf 1,31 Dollar abgesackt, konnte sich dann aber wieder etwas erholen und bis auf 1,35 Dollar steigen.

Auch der Kurs des Euro war unter Druck geraten. Zu US-Handelsschluss festigte sich der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung aber etwas und der Euro wurde mit 1,1102 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am späten Nachmittag auf 1,1069 (Dienstag: 1,1146) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,9034 (0,8972) Euro.

Rohstoffe: Ölpreise berappeln sich

Auch die Ölpreise legten wieder zu. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im September kostete am späten Abend 48,77 US-Dollar. Das waren 81 Cent oder 1,7 Prozent mehr als am Dienstag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im August stieg um 82 Cent oder 1,8 Prozent auf 47,41 Dollar.

Quelle: ntv.de, kst/bdk/rts/DJ/dpa