Marktberichte

Wall Street mit großen Verlusten Rückkehr der Zinsangst belastet Dax

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Eine Woche zum Abgewöhnen - mit einem Minus verabschiedet sich der Dax ins Wochenende.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Sie ist wieder zurück am Aktienmarkt, die Sorge vor einer US-Zinserhöhung. Sie belastet die Kurse an der Wall Street, was auch die europäischen Märkte abbröckeln lässt. Dazu hadert der Dax noch mit der EZB-Enttäuschung vom Vortag. Er sinkt um rund ein Prozent.

Mit einem vergleichsweise deutlichen Minus hat sich der Dax ins Wochenende verkrochen. Nach anfangs leichten Verlusten hatte die schwächere Eröffnung der Wall Street die Kurse in Frankfurt zusätzlich belastet. In den USA warnte der Präsident der Boston-Fed, Eric Rosengren, vor zu lange niedrigen Zinsen und belastete damit die US-Kurse. In Europa fehlte es nach der Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) an Impulsen. Am Ende ging der Dax mit einem Minus von 1,0 Prozent auf 10.573 Punkten aus dem Handel. Die US-Börsen schlossen mit so großen Verlusten wie seit dem Brexit-Schock im Juni nicht mehr.

Dax
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Viele Händler hatten nach dem EZB-Entscheid die Woche für gelaufen erklärt. Die EZB hatte die Märkte enttäuscht, weil sie keine Ausweitung der Anleihenkäufe über den kommenden März hinaus beschlossen hat. Allerdings hatte sie die Türen für eine solche Ankündigung nun für die Dezember-Sitzung offen gelassen.

Unterstützung für weitere EZB-Maßnahmen kam erneut von der Konjunkturseite: Wie bereits am Vortag in Deutschland brach nun auch in Frankreich die Industrieproduktion im Juli überraschend ein. Sie fiel um 0,6 Prozent gegenüber dem Vormonat, während Volkswirte mit einem Wachstum von 0,3 Prozent gerechnet hatten.

Klarer Kursgewinner in Europa waren erneut die Bankenwerte, nachdem die befürchtete Zinssenkung ausgeblieben war. Noch niedrigere Zinsen hätten weiter auf die ohnehin schmalen Gewinnmargen gedrückt. Der Sektor-Index legte um 0,2 Prozent zu. Es war gleichzeitig der einzige Sektor, der einen Gewinn verbuchte.

Spannend dürfte es am Montag werden, wenn im Zuge der Abspaltung des konventionellen Kraftwerkgeschäfts von Eon die Aktie von Uniper für einen Tag in den Dax aufgenommen wird. Der Index wird an diesem Tag mit 31 Titeln berechnet. Am Abend ist der "Spuk" dann schon wieder vorbei, die Uniper-Aktie wird bereits nach Xetra-Handelsschluss wieder aus der Topriege herausgenommen. Der erste Handelstag könnte für die Eon-Abspaltung turbulent verlaufen, da Index-Fonds und Index-Tracker den Wert verkaufen müssen. Eon-Anleger bekommen das Papier vom Verhältnis 10:1 ins Depot gebucht.

Frankfurt: Zeitungsberichte treiben Banken-Aktien an

Deutsche Bank
Deutsche Bank 7,97

Der Dax schloss am Ende 1,0 Prozent leichter auf 10.573 Punkten. Für den MDax ging es sogar 1,7 Prozent nach unten auf 21.315 Zähler. Auch der TecDax geriet unter Druck und sank um 0,6 Prozent auf 1748 Punkte. Verluste verbuchte auch der Euro-Stoxx-50, der sich um 1,0 Prozent auf 3052 Punkte verringerte.

Unter den Einzelwerten standen auch in Frankfurt Bankaktien im Anlegerfokus. Papiere der Deutschen Bank setzten sich mit einem Plus von 4,1 Prozent an die Dax-Spitze. Das Kreditinstitut soll kurz vor einer wichtigen Einigung mit den US-Behörden in einem noch ausstehenden Rechtsstreit stehen.

Ebenfalls im Plus schlossen Aktien der Commerzbank, die mit einem Zugewinn von 0,4 Prozent auch noch zu den Top-Werten im Dax gehörten. Der neue Bankchef Martin Zielke erwägt einem "Handelsblatt"-Bericht zufolge die Aufspaltung des Firmenkundengeschäfts. Zudem solle das Investmentbanking weiter verkleinert werden. Beide Schritte würden zu einem erheblichen Stellenabbau führen. Eine Sprecherin der Bank wollte den Bericht nicht kommentieren.

Lufthansa
Lufthansa 8,00

Lufthansa stiegen um 1,5 Prozent und setzten damit ihre Erholung mit dem Sektor fort. Das die Lufthansa im August etwas weniger Passagiere befördert hat als im Vorjahresmonat belastet nicht. Munich Re legten um 1,0 Prozent zu. Vor der Erneuerungsrunde in Monte Carlo für die Prämien im Rückversicherungsgeschäft hat Barclays die Aktien auf "Übergewichten" hochgestuft.

Bayer hatte das Gebot für Monsanto in dieser Woche leicht auf 127,50 Dollar erhöht, eine weitere Erhöhung gilt als möglich. Der Bayer-Kurs fiel um 1,2 Prozent. Beiersdorf notierten 1,6 Prozent tiefer, nachdem Berenberg die Beobachtung der Aktien mit einer Verkaufsempfehlung gestartet hatte.

In der zweiten Reihe zogen Schaeffler um 1,9 Prozent an. Ein der Holdinggesellschaft IHO gewährtes Darlehen über rund 1,7 Milliarden Euro wurde zurückgezahlt und komplett zur Schuldentilgung genutzt. Gut kam zudem an, dass der nun erreichte finanzielle Spielraum für kleine strategische Übernahmen genutzt werden soll. Im TecDax gewannen Nordex mit einer Kaufempfehlung durch Goldman Sachs 5,0 Prozent.

USA: Wall Street startet mit Verlusten

Dow Jones
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Die Verstimmung an der Wall Street über die stillhaltende EZB ist am Freitag der Sorge über eine möglicherweise zu entschlossene US-Notenbank gewichen. Die Spekulationen über baldige Zinserhöhungen in den USA nahmen deutlich Fahrt auf und bescherten dem Aktienmarkt bei hohen Umsätzen den kräftigsten Absturz seit dem Brexit-Votum. Händler sprachen von der Furcht über ein Ende des billigen Geldes. Der Dow-Jones-Index stürzte um 2,1 Prozent auf 18.086 Punkte ab, S&P-500 und Nasdaq-Composite gaben jeweils 2,5 Prozent nach.

Aufgrund der jüngsten US-Daten wird zwar nicht davon ausgegangen, dass die Fed in diesem Monat noch an der Zinsschraube drehen wird, doch ein Restrisiko bleibt. So hatte in dieser Woche der Präsident der Federal Reserve Bank of Richmond, Jeffrey Lacker, "starke Gründe" für eine Zinserhöhung im September ausgemacht. Auch der Präsident der Boston-Fed, Eric Rosengren, sieht "vernünftige Gründe" für eine schrittweise Straffung der Geldpolitik, um einer Überhitzung der Konjunktur vorzubeugen.

Bei den Einzelwerten schießt die Finisar-Aktie um 12,8 Prozent nach oben. Übertroffene Analystenerwartungen und ein besser als vom Markt erwartet ausgefallener Ausblick lassen die Aktie des Herstellers optischer Komponenten steigen. Vor Finisar hatten schon die Geschäftszahlen der Konkurrenten wie Lumentum, Oclaro und Fabrinet die derzeit starke Nachfrage im Sektor belegt. Deren Aktien zeigen sich mit einer uneinheitlichen Tendenz.

Asien: Atomtest belastet Koreas Aktienmarkt

Die Enttäuschung darüber, dass die EZB am Donnerstag wider Erwarten vieler Marktteilnehmer zunächst keine weitere geldpolitische Lockerung in Aussicht stellte, war am Freitag auch an den ostasiatischen Finanzmärkten und in Australien zu spüren. Gleichwohl hielt sie sich in Grenzen.

Kospi
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An den meisten Börsen gaben die Indizes nach. In Tokio zeigte der Nikkei-Index fast eine Punktlandung, er stieg minimal auf 16.666 Punkte. In Schanghai tat sich nach Bekanntgabe neuer Preisdaten zunächst wenig, nach einem schwachen Schlussgeschäft büßte der Shanghai-Composite am Ende 0,6 Prozent ein. Am stärksten ging es in Seoul nach unten, nämlich um 1,3 Prozent beim Kospi. In Südkorea wurde die Stimmung getrübt von einem Atomtest in Nordkorea, dem mittlerweile fünften.

Klarer Gewinner war der Aktienmarkt in Hongkong, wo es im späten Handel um 1 Prozent nach oben ging. Mit 24.214 Punkten lag der Hang-Seng-Index (HSI) erstmals seit gut einem Jahr wieder über der 24.000er Marke.

Verluste verzeichneten in der gesamten Region erneut Aktien einiger Apple-Zulieferer, nachdem die Apple-Aktie an der Wall Street einen Tag nach der Vorstellung neuer Produkte unter Abgabedruck geraten war und mehr als 2 Prozent eingebüßt hatte. Largan Precision gaben in Taiwan um 2,2 Prozent nach und Hon Hai Precision um 1 Prozent. In Hongkong verloren AAC Tech 3,2 Prozent.

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Samsung 993,00

Stark unter Druck stand in Seoul die Samsung-Aktie. Sie verlor 4,1 Prozent, nachdem die US-Luftverkehrsaufsicht die Empfehlung ausgesprochen hat, das neueste Smartphone-Modell Galaxy Note 7 an Bord der Flugzeuge nicht zu benutzen. Vor Wochenfrist hatte Samsung mehr als 2,5 Millionen Geräte des Modells zurückgerufen wegen Brandgefahr bei den Akkus.

Devisen: Zinsspekulationen setzen Euro zu

Der Dollar legte mit den Rosengren-Aussagen deutlich zu, der Euro verlor über einen halben US-Cent. Auch gegenüber anderen Währungen neigte die US-Devise zur Stärke. Der Euro sankt auf 1,1228 Dollar im späten Handel nach Wechselkursen um 1,1287 Dollar im Tageshoch.

Der Greenback werde gestützt durch wieder neu angeheizte Spekulationen über eine baldige US-Zinserhöhung, hieß es im Handel. Diese bezogen sich hauptsächlich auf die Aussagen vom Gouverneur der US-Notenbankfiliale in Boston, Eric Rosengren. "Es gibt diese Aussagen von Rosengren, dass die Wirtschaft ziemlich rund laufe. Er plädiert für einen beginnenden Straffungszyklus", sagt Devisenstratege Vasileios Gkionakis von Unicredit.

Rohstoffe: Ölpreise kommen von Höhenflug zurück

Nachdem die Ölpreise am Vortag die höchsten Stände seit rund zwei Wochen erklommen hatten, ging es zum Wochenausklang leicht nach unten. Der größte Rückgang bei den US-Öllagerdaten seit 1999 hatte den Preisen am Vortag Beine gemacht. "Wir befinden uns in der Hurrikan-Saison und der Sturm der vergangenen Woche hat zu Produktionsausfällen sowie Import-Verzögerungen geführt", so Analyst Norbert Rücker von Julius Bär.

Sollte es sich um ein einmaliges Ereignis gehandelt haben, dann dürfte es bei den Ölpreisen in der kommenden Woche zu einer kräftigen Korrektur kommen, so der Teilnehmer weiter. Für ein Barrel US-Leichtöl der Sorte WTI ging es um 3,7 Prozent auf 45,88 Dollar nach unten, Brent reduzierte sich um 4,0 Prozent auf 48,01 Dollar.

Der Goldpreis setzte seine Abwärtstendenz des Vortages fort. Die Feinunze verzeichnete ein Minus von 0,7 Prozent auf 1.329 Dollar. Hier stand weiterhin die Spekulationen um die künftige Zinspolitik der US-Notenbank im Blickpunkt.

Quelle: ntv.de, kst/jwu/rts/DJ/dpa