Marktberichte

Ausbruch verschoben Bilanzen ziehen am Dax

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Drei Bilanzen hindern den Dax am durchstarten - auch die Wall Street kann nur bedingt helfen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Dem ordentlichen Wochenauftakt folgt ein vorsichtiger zweiter Handelstag. Drei Dax-Unternehmen ziehen den kompletten Index in die Tiefe. Auch eine festere Wall Street kann dem Markt nicht ins Plus helfen. Im Blick steht zudem Xing - als Anlegerverwöhner.

Nach dem robusten Wochenstart hat am deutschen Aktienmarkt die Zurückhaltung regiert. Der Leitindex richtete sich lange in einem vergleichsweise engen Korridor von gut 20 Punkten ein. Eine schwächere Eröffnung an der Wall Street lastet am Nachmittag auf dem Dax. "Wenn es sich abzeichnet, dass der S&P-500-Index nicht schnell die 1.850er-Marke zurückerobert, dürfte der Verkaufsdruck zunehmen", sagte ein Händler. Mit dem Vorzeichenwechsel in New York zieht auch der deutsche Markt nochmals an.

Letztlich schloss knapp unterhalb des Vortagesniveaus mit 0,1 Prozent im Minus bei 9699 Punkten. Der MDax büßte ebenfalls 0,1 Prozent auf 16.917 Stellen ein. Der TecDax sank 0,4 Prozent auf 1270 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex Eurostoxx 50 schloss nahezu unverändert bei 3157 Punkten.

Unerwartet fiel das US-Verbrauchervertrauen im Februar auf 78,1 Punkte - Analysten hatten mit 80 Zählern gerechnet. "Die Serie schwacher US-Daten reißt nicht ab, wobei zu beachten ist, dass die Indikatoren wohl auch wegen der kalten Witterung gedämpft ausfallen", schrieb Helaba-Analyst Ralf Umlauf in einem Kommentar. Übermäßige Zweifel an dem US-Wachstumsszenario erschienen aber nicht angebracht, da die Verbraucherstimmung immerhin noch auf einem im Vergleich zu 2013 erhöhten Niveau liege.

Dax knabbert an Bilanzen

Enttäuschung über die Bilanzen von Fresenius, Fresenius Medical Care und BASF verhagelten Aktienanlegern die Stimmung. Allein die Aktien von Fresenius und deren Tochter FMC machten rund zwei Drittel der Verluste aus. "Die drei großen Quartalsberichte, die heute anstanden, sind allesamt uninspirierend, und dann sitzt uns auch noch der VW-Kurssturz von gestern im Nacken", sagte ein Händler.

"Die Märkte legen nach der jüngsten Rally eine Atempause ein", sagt Händlerin Anita Paluch von der Varengold Bank. Grundsätzlich bleibe sie aber recht optimistisch. "Es sieht nicht so aus, als hätten wir die Hochs schon gesehen."

Jens Klatt von DailyFX sprach unterdessen von zunehmenden Warnsignalen, die auf eine neue Korrektur an den Aktienmärkten deuteten. Auch die veröffentlichten Konjunktur-Daten konnten die Märkte am Dienstag nicht anschieben.

Wenig spektakulär fiel zudem die Zweitveröffentlichung zum deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das Schlussquartal 2013 aus. Die Wirtschaftsleistung erhöhte sich auf Quartalssicht preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,4 Prozent. Für das Gesamtjahr bekräftigten die Statistiker ihre Wachstumsprognose von 0,4 Prozent.

Anleger rümpfen über Fresenius-Ausblick die Nase

Im Dax büßten die beiden Fresenius-Titel kräftig ein: Während Fresenius Medical Care 5,7 Prozent absackten, zog es Fresenius um 4,2 Prozent hinab. Mit seinen Zahlen trifft der Konzern die Erwartungen der Händler. Allerdings enttäuschten in beiden Fällen die Ausblicke für 2014. Fresenius will den Nettogewinn in diesem Jahr um zwei bis fünf Prozent steigern. Dem steht laut einem Händler eine Markterwartung von 15 Prozent gegenüber. Fresenius sei zwar für konservative Ausblicke bekannt, das jetzt genannte Gewinnziel liege aber "extrem" unter den Prognosen, hieß es.

BASF grenzten das Minus ein und verloren letztlich 0,2 Prozent. Die Gewinnkennziffern "sind auf breiter Front besser ausgefallen als erwartet", sagt ein Marktteilnehmer. Allerdings enttäuscht auch hier der Ausblick. "BASF hat zwar die Prognosen der Analysten getroffen, aber insgeheim war wohl mehr erwartet worden", sagt ein Börsianer. Nachdem der Wert allein im Februar rund vier Euro gewonnen habe, nähmen Anleger nun Gewinne mit.

Unter Druck standen auch die beiden Energiewerte Eon und RWE, die 2,3 und 1,2 Prozent nachgaben. "Nach der günstigen Kursentwicklung der letzten Wochen hat die Citigroup den Markt ernüchtert", sagt ein Händler. Das Haus hat zwar das Kursziel für RWE leicht angehoben, bleibt aber bei seiner Verkaufsempfehlung.

Nach oben geht es erneut für Lufthansa, die 1,2 Prozent anzogen. Zudem kamen Volkswagen nach dem brutalen Vortageseinbruch 1,2 Prozent zurück. Infineon kletterten 0,7 Prozent und sprangen erstmals seit Ende 2007 wieder über 8 Euro. Die Aktie profitierte weiter von den günstigen Aussagen zu einer anziehenden Nachfrage und einer hohen Auslastung, die der Vorstand auf der Hauptversammlung gemacht hatte. Zudem gilt das Branchenumfeld als positiv. Trotz des Anstiegs liegen Infineon noch in der Seitwärtsspanne der vergangenen Jahre, der "Mutter aller Trading-Ranges", wie Jörg Scherer von HSBC Trinkaus sagt.

Xing verwöhnt Anleger

In der zweiten Reihe verlieren Dürr 5,7 Prozent. Analysten der DZ-Bank bekräftigen ihre Kaufempfehlung. Bei Vorsteuerergebnis (Ebit) und Marge habe Dürr die Erwartungen klar geschlagen, erklärten die Analysten. Die DZ-Bank bewertet die Prognose aber als konservativ. Denn die Erwartungen an die Autoproduktion seien "ungerechtfertigt niedrig".

Salzgitter ermäßigten sich um 1,8 Prozent. Analystenschätzungen zufolge dürfte Deutschlands zweitgrößter Stahlkocher am Freitag für das vergangene Jahr mehr als eine Verdoppelung seiner Verluste ausweisen.

Derweil überrascht der Werkzeugmaschinenhersteller DMG Mori Seiki mit der Nachricht, dass Finanzvorstand Kathrin Dahnke zurücktritt. "Wir hoffen, dass keine negativen Nachrichten bezüglich der finanziellen Situation von DMG Mori Seiki dahinterstecken", schreibt das Brokerhaus Close Brothers Seydler. Die Aktien fielen um 2,1 Prozent.

Auf den Kauflisten standen Sky, die 1,5 Prozent zulegten.

Im TecDax verbilligen sich Aixtron um 6,8 Prozent. Wegen schwacher Nachfrage und niedriger Preise für Anlagen zur LED-Produktion hat Aixtron im vierten Quartal einen deutlich höheren Verlust gemacht als erwartet.

Am anderen Ende schießen die Papiere des beruflichen Netzwerks Xing 7,5 Prozent in die Höhe. Das Unternehmen hebt die Dividende von 0,56 auf 0,62 Euro je Aktie - und zahlt eine Sonderdividende von 3,58 Euro.

Quelle: ntv.de, jwu/DJ/rts/dpa