Marktberichte

US-Börsen erholen sich Trump-Rückzieher lässt Wall Street aufatmen

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Nach der Talfahrt folgt an der Wall Street die Erholung.

(Foto: imago images/UPI Photo)

Zuerst verkündet US-Präsident Trump das Ende der Verhandlungen um ein neues Corona-Hilfspaket, einen Tag später kommt die Kehrtwende. Fluggesellschaften soll nun doch finanziell unter die Arme gegriffen werden. Auf dem Börsenparkett sorgt die Nachricht für Erleichterung.

Die Anleger an den US-Börsen haben den Schock über den Stopp im Verhandlungspoker um frische Konjunkturhilfen schnell verdaut. US-Präsident Donald Trump nährte die Hoffnung an den Börsen, dass zumindest der angeschlagenen Flugbranche schnell unter die Arme gegriffen werden könnte. Der Leitindex Dow Jones Industrial gewann 1,91 Prozent auf 28.303,46 Punkte. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 1,74 Prozent auf 3419,45 Zähler hoch. Der technologielastige Nasdaq 100 beendete den Tag mit plus 1,88 Prozent auf 11.503,19 Punkte.

Trump hatte einen Tag nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus, in dem er wegen seiner Infektion mit dem Coronavirus behandelt worden war, überraschend die Verhandlungen mit den oppositionellen Demokraten über neue Konjunkturhilfen bis nach der Präsidentenwahl am 3. November verschoben. Allerdings pochte er kurz darauf auf ein 25 Milliarden Dollar Hilfspaket für Fluggesellschaften, das die Jobs von Zehntausenden Mitarbeitern sichern soll. Die Aktien von Delta Air, American Airlines, United Airlines und JetBlue Airways stiegen zwischen drei und 6,8 Prozent.

Der Stopp der Gespräche über das große Konjunkturpaket dürfte kaum einen signifikanten Ausverkauf auslösen, sagten Börsianer. "Die meisten Marktteilnehmer haben ohnehin nicht damit gerechnet, dass es vor der Wahl zu einem Abschluss kommt", sagte Milan Cutkovic, Marktanalyst beim Brokerhaus Axi Corp. Sollte aber kurz nach der Wahl kein Konjunkturpaket angekündigt werden, könnten die Investoren zunehmend nervös werden, dass die wirtschaftliche Erholung an Schwung verliere.

Levi Strauss & Co
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Denn viele Börsianer gingen davon aus, dass die Impulse für die Wirtschaft nur verschoben, aber nicht aufgehoben seien. "Selbst wenn es nicht möglich sein sollte, vor den Wahlen eine Einigung zu erzielen, macht es Bidens wachsender Vorsprung in den Wahlumfragen wahrscheinlicher, dass man sich schließlich auf erhebliche Anreize einigen kann", erklärten die Strategen der UBS. Im Falle eines klaren Siegs des demokratischen Herausforderers Joe Biden rechneten die Märkte mit noch weitreichenderen fiskalischen Hilfen, erklärten die Analysten der Deutschen Bank. Weitere Impulse könnten das Protokoll der geldpolitischen Sitzung der Fed im September liefern. Investoren werden vor allem auf Einzelheiten über den neuen Ansatz der Zentralbank zur Inflationsbekämpfung achten.

Bei den Investoren waren vor allem Finanzwerte gefragt. Im Einklang mit anziehenden Anleiherenditen zog der Branchenindex um knapp zwei Prozent an. Aufwärts ging es für Aktien von Levi Strauss, die 1,9 Prozent zulegten. Der US-Jeans-Konzern schrieb überraschend wieder schwarze Zahlen. Zudem sind neue Ladenöffnungen geplant. Analysten hatten befürchtet, dass viele Shops wegen der Corona-Krise schließen müssen. Aktien von Eli Lilly legten 3,3 Prozent zu, nachdem der Pharmakonzern eine Notfallzulassung für ein Covid-19-Medikament beantragte. Die Antikörpertherapie solle bei Patienten mit einem erhöhten Risiko und leichten bis mittelschweren Corona-Erkrankungen verwendet werden.

Quelle: ntv.de, mba/rts