Marktberichte

Investoren plagen Corona-Sorgen Trump-Schlappe setzt Wall Street zu

US-Präsident wehrt sich seit Jahren dagegen, seine Steuerunterlagen zu veröffentlichen. Nun bekommt die New Yorker Staatsanwaltschaft Einsicht.

US-Präsident Trump wehrt sich seit Jahren dagegen, seine Steuerunterlagen zu veröffentlichen. Nun bekommt die New Yorker Staatsanwaltschaft Einsicht.

(Foto: AP)

Die US-Jobdaten fallen zwar besser aus als erwartet, das kann die Stimmung an den Börsen aber kaum aufhellen. Investoren blicken mit Sorge auf die weiter steigenden Coronavirus-Infektionen in den Vereinigten Staaten. Zudem sorgt eine Entscheidung des obersten Gerichts für Zurückhaltung an den Märkten.

Aus Furcht vor einem Rückschlag bei der Erholung der Wirtschaft von den Coronavirus-Folgen hat sich ein Großteil der Anleger aus der Wall Street an diesem Donnerstag zurückgezogen. Der US-Standardwerteindex Dow Jones schloss 1,4 Prozent tiefer auf 25.706 Punkten. Der breit gefasste S&P 500 büßte 0,6 Prozent auf 3152 Punkte ein. Der technologielastige Nasdaq rückte dagegen getrieben von Kursgewinnen bei Amazon Microsoft und Apple um 0,5 Prozent auf einen Rekord von 10.547 Punkte vor.

Sorgen bereiteten Investoren die weiter steigenden Coronavirus-Infektionen. "Eine zweite große Pandemie-Welle hätte einen verheerenden Effekt auf die bereits angeschlagenen Volkswirtschaften", warnte Analyst Ricardo Evangelista vom Brokerhaus ActivTrades. "Die Regierungen spielen mit hohem Einsatz." Sie lockerten die Restriktionen, während die weitere Entwicklung der Virus-Krise unklar sei.

Vor diesem Hintergrund flogen Freizeit- und Touristik-Werte, die besonders stark unter einer erneuten Verschärfung der Beschränkungen leiden würden, erneut aus den Depots. Die Aktien der Hotelketten Marriott und Hilton, der Fluggesellschaften American, Delta und United Airlines sowie der Kasino-Betreiber Las Vegas Sands, MGM und Wynn rutschten um bis zu 7,2 Prozent ab. Die Anteilsscheine von Cisco Systems legten indes um rund zwei Prozent zu, nachdem Morgan Stanley den Netzwerkausrüster auf "übergewichten" hochgestuft hatte.

Oberstes US-Gericht watscht Trump ab

"Die Stimmung war sowieso angeschlagen, erhielt durch die Schlappe für US-Präsident Donald Trump durch den Supreme Court aber einen weiteren Hieb", sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Die Richter entschieden, dass Trump seine Steuerunterlagen herausgeben muss. "Die könnten für Wähler interessant sein." Trumps Umfragewerte sind wegen seines Vorgehens in der Virus-Krise bereits im Keller. Sollte sein demokratischer Herausforderer Joe Biden bei der Präsidentschaftswahl im November gewinnen, rechnen Börsianer mit einer strengeren Regulierung und höheren Steuern.

Die etwas besser als erwartet ausgefallenen US-Jobdaten trugen kaum zur Aufhellung der Stimmung bei. In der vergangenen Woche beantragten 1,31 Millionen Amerikaner Arbeitslosenhilfe, nach 1,41 Millionen in der Woche zuvor. Der Rückgang fiel größer aus als erwartet. "Die Erholung der Wirtschaft verläuft aber nicht so glatt wie diese Daten suggerieren", sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. Die Dynamik scheine nachzulassen. Ein erneuter Ausverkauf an den Aktienbörsen wie im März sei aber nicht zu erwarten, sagte Finanzmarkt-Experte Edward Park vom Vermögensverwalter Brooks Macdonald. "Wenn sich die Lage in den USA weiter verschlechtert und es erneut eine Art Lockdown gibt, werden zusätzliche Wertpapierkäufe der Notenbank Fed wahrscheinlicher."

Quelle: ntv.de, hul/rts