Marktberichte

US-Hilfspaket stützt US-Märkte legen zum Wochenende zu

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Für Euphorie reichten die Gewinne an der Wall Street nicht.

(Foto: picture alliance/dpa)

Zum Ende der Woche setzt sich an der Wall Street noch einmal der Optimismus durch. Die großen Indizies legen spürbar zu. Das hat auch mit dem neuen Hilfspaket der US-Regierung zu tun.

Nach anfänglicher Zurückhaltung hat die Wall Street eine turbulente Handelswoche mit einem kräftigen Plus beendet. Am Montag und Dienstag hatte ein massiver Einbruch der Ölpreise die Indizes auf Talfahrt geschickt. Anschließend kam es zu einer Erholung, auch wenn die Nervosität weiter hoch bleibt. Dies zeigte sich auch am Freitag. Extrem schwache Wirtschaftsdaten sorgten zunächst für eine verstärkte Zurückhaltung. Erst gegen Handelsende legten die Kurse deutlicher zu.

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Der Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter ist im März in den USA eingebrochen - und dies stärker als befürchtet. In Deutschland ist mit dem Ifo-Geschäftsklimaindex der wichtigste Frühindikator auf ein Allzeittief gefallen. Ein Lichtblick war nur die Revision der US-Verbraucherstimmung, die sich im April zwar deutlich verschlechtert hat, aber nicht ganz so schlimm wie zunächst befürchtet.

"Wir erleben gerade einen der größten Nachfrageschocks seit der Großen Depression", so Robert McAdie, Chefstratege bei BNP Paribas. Eine Reihe von US-Hilfspaketen sowie die Konjunkturmaßnahmen der Federal Reserve hätten dazu beigetragen, die Erholung von den Tiefstständen Ende März ins Laufen zu bringen.

Stützend wirkte daher, dass nun auch der Kongress ein weiteres beschlossenes Hilfspaket auf den Weg gebracht hat. Das Volumen der Staatshilfen in den USA im Kampf gegen die Coronavirus-Krise schwillt weiter an. Das nun verabschiedete Programm hat ein Volumen von fast einer halben Billion Dollar und soll vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen unterstützen. Die Gesamtsumme der US-Staatsprogramme wächst damit auf mehr als 2,5 Billionen Dollar.

Im Fokus stand zudem weiterhin eine Studie zu einem Medikamentenhoffnungsträger im Kampf gegen Covid-19. Berichte über enttäuschende Studienergebnisse des Wirkstoffs Remdesivir von Gilead Sciences hatten bereits am Vortag das Sentiment belastet. Allerdings weist der Pharmakonzern die Darstellung der Studienergebnisse energisch zurück und setzt auf eigene klinische Studien mit dem Medikament. Die Aktie des Unternehmens legte nach anfänglichen Verlusten um 2,4 Prozent zu.

Der Dow-Jones-Index gewann 1,1 Prozent auf 23.775 Punkte. Der S&P-500 stieg um 1,4 Prozent auf 2.837 Punkte. Der Nasdaq-Composite erhöhte sich um 1,6 Prozent auf 8.635 Punkte. Den 1.831 (Donnerstag: 1.817) Kursgewinnern an der NYSE standen 1.134 (1.135) -verlierer gegenüber. Unverändert schlossen 45 (67) Aktien.

Stabilisierung am Ölmarkt setzt sich fort

Am Ölmarkt stabilisierten sich die Preise weiter. Einige Produzenten in den USA schließen vorübergehend ihre Fördereinrichtungen oder planen, dies zu tun. Andere Unternehmen der Branche wollen sich den Förderbegrenzungen anschließen, die die Gruppe Opec+ ab 1. Mai auf den Weg bringen will. Kuwait will laut Berichten möglicherweise schon vorher mit der Förderreduzierungen beginnen. US-Leichtöl der Sorte WTI stieg um 3,5 Prozent auf 17,07 Dollar je Fass, europäisches Referenzöl der Sorte Brent um 2,3 Prozent auf 21,82 Dollar.
Der Goldpreis fiel nach anfänglichen Gewinnen leicht zurück und verlor 0,1 Prozent auf 1.728 Dollar. In einer Welt mit steigender Geldmenge durch das Krisenagieren der Notenbanken wird das Edelmetall jedoch weiter Käufer finden, sagte ein Händler. Zuletzt war es zwei Handelstage in Folge nach oben gegangen.

Am Rentenmarkt legten die Notierungen zu, im Gegenzug fiel die Rendite zehnjähriger Papiere um 1,5 Basispunkte auf 0,59 Prozent. Die anhaltende Unsicherheit über die negativen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie stütze den Anleihemarkt tendenziell weiter, hieß es. Vor allem werde nun das Wiederhochfahren der Wirtschaft in den USA und anderen Ländern genau beobachtet.

Der Euro erholte sich im Verlauf wieder. Nach dem desaströsen Ifo-Index war die Gemeinschaftswährung auf das niedrigste Niveau seit einem Monat gefallen. Der nach dem EU-Gipfel erkennbare Wille zur Einigung auf massive Wirtschaftsstimuli stützte den Euro aber, hieß es. Die Gemeinschaftswährung zeigte sich im späten US-Handel bei 1,0809 Dollar nach einem Tagestief bei 1,0727 Dollar.

American Express nach Zahlen im Plus

Unter den Einzelaktien gewannen American Express 0,9 Prozent. Der Kreditkartenkonzern hat im ersten Quartal trotz stabiler Einnahmen einen massiven Gewinneinbruch verbucht. Das bereinigte Ergebnis überbot aber die Prognosen.

Der Aktienkurs von Intel stieg um 0,4 Prozent. Der Chip-Hersteller hat im ersten Quartal zwar einen Gewinn über Markterwartungen vorgelegt, jedoch den Ausblick auf das laufende Jahr wegen der Corona-Krise zurückgezogen. Zudem gibt es Berichte, wonach Apple ab 2021 den Verkauf von Computern mit eigenen Prozessoren plant. Dies hatte die Aktie am Vortag im späten Handel unter Druck gesetzt. Für die Apple-Aktie ging es um 2,9 Prozent aufwärts.
Alphabet stiegen um 0,4 Prozent. Medienberichten zufolge beabsichtigt die Tochter Google das Marketingbudget in der zweiten Jahreshälfte um bis zu 50 Prozent zu kürzen. Auch soll ein Einstellungsstopp verhängt werden.

Die Coronavirus-Pandemie hat dem US-Mobilfunkanbieter Verizon Communications im ersten Quartal zu schaffen gemacht. Zwar übertraf der Branchenführer die Gewinnerwartungen der Analysten, doch litt das Mobilfunkgeschäft unter einer geringeren Nachfrage nach Smartphones, unter anderem weil der Konzern seine Filialen schließen musste. Die Gewinnprognose für das Gesamtjahr senkte Verizon. Die Titel stiegen um 0,6 Prozent.

Quelle: ntv.de, vpe/DJ