Marktberichte

Anleger in Shoppinglaune Wall Street nimmt Anlauf zur Weihnachtsrally

AP_20336615652039.jpg

(Foto: AP)

Die Aussicht auf einen baldigen Impfstoff gegen das Coronavirus lockt Anleger. Und obwohl sie bei einigen zuletzt gut gelaufenen Werten Kasse machen, rücken die Indizes weiter vor. Hinzu kommen Nachrichten über einen neuen Anlauf zu einem staatlichen Hilfspaket sowie etwas Optimismus der Fed.

An der Wall Street werden die Rekorde weiter nicht alt. Gleich zu Handelsbeginn eroberten S&P-500 und die Nasdaq-Indizes neue Höchstmarken. Sowohl Nachrichten von den Corona-Impfstoffen als auch zu Konjunkturhilfen sorgten für eine verbesserte Stimmung. Der Dow-Jones-Index gewann am Ende 0,6 Prozent auf 29.824 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 stieg um 1,1 Prozent und der technologielastigere Nasdaq-Composite legte 1,3 Prozent zu.

In die Gespräche um ein Corona-Hilfspaket für die USA kam nach wochenlangem Stillstand offenbar Bewegung. Die demokratische Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, und Finanzminister Steven Mnuchin wollten zu dem Thema telefonieren, sagten Insider. Pelosi wie auch der designierte Präsident Joe Biden sprachen sich für rasche Hilfen aus.

Aussicht auf Impfstoff beflügelt

Erneut gute Nachrichten gab es zu Corona-Impfstoffen. So hat Moderna wie bereits angekündigt die Zulassung seines Impfstoffes in den USA und der EU beantragt. Auch Pfizer und Biontech haben einen Antrag auf bedingte Zulassung ihres Impfstoffes bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) eingereicht. In den USA und in Großbritannien hatten sie bereits eine Genehmigung beantragt. Die Moderna-Aktie sackte nach Gewinnen um 7,7 Prozent ab. Für Pfizer ging es um 2,9 Prozent aufwärts, Biotech-Aktie fielen um 8,2 Prozent. In den stark gestiegenen Aktien von Moderna und Biotech seien Gewinne mitgenommen worden, hieß es.

Stützend wirkten zudem gute Konjunkturdaten aus China. Dort kletterte der Caixin-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im November auf den höchsten Stand seit zehn Jahren. Auch der Auftritt von US-Notenbankchef Jerome Powell vor dem Senat entsprach dem Geschmack der Börsianer. Er betonte zum einen, dass die Wirtschaft sich rascher erholt habe als erwartet, dass sie andererseits noch einen weiten Weg vor sich habe - und demzufolge Unterstützung benötigt. Powell signalisierte, dass die Fed ihre Instrumente zur Stützung der Wirtschaft einsetzen werde.

Apple und Amazon haben eine Kooperation bei der App-Entwicklung vereinbart. Amazon will mit seiner Cloud-Sparte AWS den App-Entwicklern Zugang zu Apple-Computern geben. Dort sollen die Softwareentwickler ihre Anwendungen programmieren und testen können. Apple rückten 3,1 Prozent vor, für die Amazon-Aktie ging es um 1,6 Prozent nach oben.

Rotstift bei Exxon, Gewinnmitnahmen bei Zoom

Exxon Mobil legten ein Prozent zu. Der Ölkonzern schraubt seine Investitionsausgaben zurück. Zugleich kündigte das Unternehmen für das vierte Quartal Wertberichtigungen an. Alcoa verbesserten sich um 9,7 Prozent. Der Aluminiumverhütter will sein Aluminium-Walzwerk in Warrick an Kaiser Aluminium veräußern und sieht den Verkaufserlös bei 670 Millionen Dollar. Das Hüttenwerk in Warrick soll aber weiter im Konzern verbleiben. Die Kaiser-Aktie gewann gut 12 Prozent.

Zoom verloren gut 15 Prozent. Die Drittquartalszahlen des Anbieters von Technologie für Bildtelefonie und Videokonferenzen fielen klar besser als gedacht aus. Auch der Ausblick schlug die Marktschätzungen. Das Unternehmen hat stark von dem Trend zum Homeoffice profitiert, woraufhin die Aktie im laufenden Jahr kräftig zugelegt hat, was Anleger nun dazu verleitete, aufgelaufene Gewinne einzustreichen.

Am Devisenmarkt erklomm der Euro mit der gestiegenen Risikofreude die 1,20er Marke. Er stand bei 1,2058 Dollar. Der Dollar-Index sackte 0,8 Prozent ab, belastet von den guten Wirtschaftsdaten aus China und den Impfstoff-Hoffnungen, die den Greenback als vermeintlich sicheren Devisenhafen für Anleger unattraktiver machen.

Die Ölpreise gaben nach. Hier richteten sich die Blicke auf das Opec-Treffen, wo weiter um die künftige Förderpolitik gerungen wird. Für etwas Verunsicherung könnten Meldungen sorgen, dass die Entscheidung über eine Verlängerung der bestehenden Förderkürzungen auf den Donnerstag vorschoben wurde, wenn sich das Öl-Kartell mit den nicht zur Opec gehörenden Förderländern um Russland (Opec+) trifft. Die US-Sorte WTI gab 1,7 Prozent nach auf 44,55 Dollar, Brent notierte 1,0 Prozent leichter bei 47,39 Dollar. Gold war nach seinem jüngsten Rückschlag gefragt. Die Feinunze notierte 2,1 Prozent höher bei 1814 Dollar, gestützt vom schwächeren Dollar. Die US-Anleihen wurden abverkauft. Die Rendite zehnjähriger Papiere schnellte bei sinkenden Notierungen um 8,1 Basispunkte auf 0,92 Prozent nach oben.

Quelle: ntv.de, mau/jwu/DJ