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Milliarden-Spritze aus Japan Softbank greift Bürovermieter unter die Arme

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Das Besondere an dem Deal: Anders als bisher belastet Softbank-Gründer Son jetzt den Mutterkonzern.

(Foto: REUTERS)

Nachdem WeCompany im September seinen Börsengang auf Eis gelegt hat, gerät der Bürovermieter immer stärker unter Druck. Den japanische Großinvestor Softbank schreckt das nicht ab. Er glaubt weiterhin an das Geschäftsmodell und könnte schon bald sogar zum Mehrheitseigner aufsteigen.

Softbank bietet dem krisengebeulten Bürovermieter WeCompany, der früher WeWork hieß, eine Milliarden-Finanzspritze zu einer deutlich niedrigeren Bewertung an. Der japanische Großinvestor habe dem Startup ein Darlehen von 5 Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt, sagten informierte Personen. Softbank würde mit dem Schritt zum Mehrheitseigner aufsteigen.

Zudem wolle Softbank weitere Anteile im Wert von 1,5 Milliarden Dollar schon jetzt übernehmen, was eigentlich erst für das kommende Jahr geplant gewesen sei. Der Softbank-Anteil würde durch den Kauf weiterer Anteile im Wert von über 1 Milliarde Dollar auf über 50 Prozent steigen. Die Bewertung von WeCompany würde im Rahmen der Offerte allerdings bei nur noch 8 Milliarden Dollar oder etwas darunter liegen. Das wäre weniger als die Hälfte dessen, was WeWork damals bei seinem geplanten Börsengang angepeilt hatte.

Als weitere Gegenleistung will der Investor wohl auch das Management kontrollieren. Softbanks Chief Operating Officer Marcelo Claure soll den Verwaltungsratsvorsitz des Unternehmens übernehmen und das Startup wieder auf Kurs bringen, sagen Quellen. Der Anteil des ehemaligen CEO Adam Neumann wird auf einen niedrigen zweistelligen Prozentsatz sinken.

Das Besondere an dem Deal: Anders als bisher belastet Softbank-Gründer Masayoshi Son jetzt den Mutterkonzern und nicht wie bisher den Vision Fund. Schon im vergangenen Dezember war Son bei seinen Partnern damit gescheitert, weitere 16 Milliarden Dollar in das Unternehmen zu stecken, um die Kontrolle zu übernehmen. Kein Wunder also, dass sie ihm auch jetzt die Unterstützung verweigerten. All dies hielt Son nicht davon ab, seine Pläne aufrechtzuerhalten.

Anderer Deal für WeCompany auch möglich

Bei einer Finanzierungsrunde im Januar wurde das Unternehmen noch mit 47 Milliarden Dollar bewertet. Im September hatte WeWork seinen Börsengang auf Eis gelegt. Seither gerät der Bürovermieter immer stärker unter Druck. Softbank erwarte, dass WeCompany mit neuem Geld, Managern und einem verschlankten Geschäft, das sich auf die Vermietung von Büroräumen konzentriert, profitabel werden und später an die Börse gehen könne, so die eingeweihten Personen. Noch im Laufe dieses Tages stehe voraussichtlich ein Board-Meeting bei WeCompany an, bei dem über die Möglichkeiten einer Notfinanzierung, inklusive der Übernahme durch Softbank, gesprochen werden soll.

WeCompany kann sich aber offenbar auch für einen anderen Deal entscheiden: Die Großbank JPMorgan Chase habe einen Kredit im Volumen von 5 Milliarden Dollar angeboten. Im Rahmen dessen würden außenstehende Investoren wie etwa Starwood Capital Group in das Unternehmen investieren, so die Informanten. Es sei damit zu rechnen, dass das Board von WeCompany in dieser Woche eine Entscheidung darüber trifft, welches Angebot angenommen werden soll.

Berichten zufolge soll das Unternehmen erst in der vergangenen Woche mindestens 2000 Angestellte, also etwa 13 Prozent des Personals, entlassen haben. WeCompany-Mitarbeiter sagten der Zeitung "The Guardian", dass sie glauben, dass noch weitere Personal-Kürzungen auf sie zukommen könnten.

Quelle: n-tv.de, jki/DJ

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