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Blutspenden in Corona-Zeiten 500 Milliliter, die den Unterschied machen

Ein Mitarbeiter des DRK-Blutspendedienstes verstaut eine Blutkonserve in einem Kühlbehälter. Foto: Thomas Frey/dpa/Symbolbild

Das gespendete Blut muss gekühlt werden.

(Foto: Thomas Frey/dpa/Symbolbild)

Wer bekommt die meisten Blutspenden? Werden jetzt alle Spenden auf das Coronavirus untersucht? Und warum ist überhaupt am 14. Juni Weltblutspendetag? Fragen und Antworten zu einem ganz besonderen Lebenssaft.

Wie sicher ist Blutspenden in der Corona-Pandemie?

Wer in den letzten vier Wochen aus dem Ausland zurückgekehrt ist, darf nicht spenden. Dies gilt auch für grenzüberschreitende Berufspendler oder Kurzaufenthalte außerhalb Deutschlands. Wer Kontakt zu einem Corona-Infizierten hatte, darf vier Wochen lang kein Blut spenden. Menschen mit grippalen oder Erkältungssymptomen sowie Durchfall werden generell nicht zur Blutspende zugelassen. Die Gefahr, dass Corona-Infizierte ohne Symptome das Virus bei Blutspenden übertragen, ist dem Paul-Ehrlich-Institut zufolge sehr gering.

Werden Blutspenden auf Sars-Cov2 getestet?

Nein, im Blut von Patienten ohne oder mit nur wenigen Symptomen konnte das Virusgenom nicht nachgewiesen werden. Blutspenden könnten aber dazu geeignet sein, mit Antikörper-Tests ein breites Screening auf bereits durchgemachte Infektionen zu untersucht. Bisher ist das aber noch nicht geplant.

Wofür werden die meisten Blutspenden benötigt?

Das meiste Spenderblut wird für Patienten mit Krebserkrankungen verwendet. Dazu kommen die Versorgung von Verletzten nach schweren Unfällen mit Blutverlust sowie die Behandlung einer Reihe chronischer Erkrankungen. Aber auch bei Komplikationen bei Geburten wird immer wieder Spenderblut gebraucht.

Wie viel Blut wird überhaupt gebraucht?

In Deutschland liegt der Bedarf bei etwa 15.000 Vollblutspenden pro Tag. Über zwei Drittel des Bedarfs an Blutkonserven in Deutschland deckt das DRK. Gerade sind mehr Spenden als normal nötig, weil viele Kliniken aufgeschobene Operationen aus der Vor-Corona-Zeit nachholen. Mit einer Blutspende kann bis zu drei Schwerkranken oder Verletzten geholfen werden. Wichtig ist auch, dass von jeder der acht Blutgruppen genügend Konserven zur Verfügung stehen, weil nicht jede Blutgruppe zu jeder kompatibel ist.

Welche Blutgruppen sind besonders gefragt?

Seltene Blutgruppen wie beispielsweise 0- und A- sind besonders gefragt. Die Blutgruppe 0 kann allen Empfängern mit anderen Blutgruppen gegeben werden. Blutpräparate von 0 Rhesus-Negativen Spendern sind daher auch besonders gefragt, wenn in Notfallsituationen keine Zeit bleibt, um den Patienten vollständig zu untersuchen und schnell Blut gegeben werden muss. In Deutschland haben 37 Prozent der Menschen die Blutgruppe A+ und 35 Prozent die Blutgruppe 0+. Die Blutgruppe B+ kommt bei neun Prozent der Menschen in Deutschland vor, die Blutgruppen A- und 0- bei jeweils sechs Prozent. Am seltensten sind die Blutgruppen AB+ mit vier Prozent, B- mit zwei Prozent und AB- mit einem Prozent. Entdeckt hat die Blutgruppen übrigens Karl Landsteiner, der am 14. Juni 1868 geboren wurde. Deshalb ist der Weltblutspendetag der 14. Juni.

Wie lange ist Blut haltbar?

Blutplasma lässt sich zwei Jahre lang einfrieren. Das Konzentrat aus roten Blutkörperchen, das vor allem bei Blutarmut erforderlich ist, lässt sich maximal 42 Tage lang verwenden. Blutplättchen, die wichtig für die Blutgerinnung sind, sind sogar nur 4 bis 5 Tage haltbar. Deshalb kann man nur in geringem Umfang Vorräte an Blut aufbauen.

Wer kann Blut spenden?

Grundsätzlich darf jeder zwischen 18 und 68 Jahren Blut spenden. Bei der ersten Spende darf man nicht älter als 60 Jahre sein. Außerdem muss man ein Mindestgewicht von 50 Kilogramm haben, weil standardisiert 500 ml Blut gespendet werden. Bei weniger Gewicht kann der Körper die gespendete Blutmenge nicht ausgleichen.

Wie oft kann Blut gespendet werden?

Innerhalb eines Jahres dürfen Frauen viermal und Männer sechsmal Blut spenden. Zwischen zwei Blutspenden müssen mindestens acht Wochen liegen. Die Blutzellen erneuert der Körper zwar bereits in zwei Wochen, der Ausgleich des Eisenverlusts dauert allerdings rund zwei Monate, bei Frauen auch etwas länger.

Wer darf nicht spenden?

Während der Schwangerschaft und auch nach der Geburt sollen Frauen vorübergehend nicht Blut spenden. Auch nach vielen Impfungen und Auslandsreisen in Malariagebiete oder Länder mit Hepatitisrisiko darf man eine Zeitlang kein Blut spenden, ebenso nach größeren Operationen oder bei Einnahme bestimmter Medikamente. Nach Akupunkturbehandlungen, Piercings und Tätowierungen wird mindestens vier Monate bis zur nächsten Spende gewartet, um Infektionen sicher auszuschließen. Karenzzeiten gelten auch für Menschen, deren Sexualverhalten mit einem höheren Risiko für die Übertragung einer Infektionskrankheit wie Hepatitis oder HIV verbunden sein kann. Bei bestimmten Vorerkrankungen wie insulinpflichtiger Diabetes, Hepatitis oder chronisch-entzündlichen Erkrankungen fällt man als Blutspender komplett aus.

Reichen die Blutspenden aus?

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Insgesamt spenden laut DRK nur knapp drei Prozent der Bevölkerung Blut. Das ist zu wenig. Um die Versorgung mit Blutpräparaten langfristig ausreichend zu sichern, müssten etwa sechs Prozent regelmäßig spenden. Sorgen bereitet den Experten vor allem der demografische Wandel. Jährlich scheiden deutschlandweit rund 100.000 aktive Blutspender aus Altersgründen oder wegen einer Krankheit aus. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie gibt es aber immer mehr ältere Menschen mit einem höheren Bedarf an Blutprodukten, während die Zahl der möglichen Blutspender sinkt. Zusätzlich hielt in diesem Jahr die Corona-Epidemie viele potenzielle Spender ab. Vor allem im Sommer, wenn viele Menschen im Urlaub sind, werden die Blutkonserven regelmäßig knapp.

Wo kann ich Blut spenden?

Bundesweit bietet das DRK die meisten Spendemöglichkeiten an. In einigen Regionen muss man online einen Termin buchen. Auch viele Kliniken bieten Blutspenden an, meist gegen eine Aufwandsentschädigung.

Quelle: ntv.de

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