Keine sichere GrenzeAlkohol erhöht das Risiko für zehn Arten Krebs

Ein Bier, Prosecco oder ein Glas Wein: Wenn man gelegentlich ein Glas trinkt, geht man meist nicht davon aus, seine Gesundheit zu riskieren. Eine aktuelle Übersichtsarbeit kommt jedoch zu einem anderen Schluss.
Auch kleine Mengen Alkohol sind gesundheitsschädlich und könnten Krebs verursachen. Das hat ein Forschungsteam der University of Washington in einer Analyse herausgefunden. Die Arbeit ist nach Ansicht der Forschenden die umfassendste und konservativste Analyse, die jemals zum Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und menschlicher Gesundheit durchgeführt wurde, schreibt das Team laut einer Mitteilung.
Für die Analyse wurden die Ergebnisse von insgesamt 843 Studien aus den Jahren 1961 bis 2023 zu 20 wichtigen Gesundheitsindikatoren, darunter Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, Erkrankungen der Leber und zehn verschiedene Arten von Krebs, herangezogen. 16 davon waren Übersichtsarbeiten.
Das Ergebnis: Es gibt statistische Zusammenhänge zwischen Alkoholkonsum und allen zehn untersuchten Krebsarten, wobei das Risiko mit steigendem Konsum stetig zunimmt. Allerdings zeigten die Auswertungen auch: Bereits der Konsum von weniger als einem Standardgetränk pro Tag - genauer gesagt, weniger als 10 Gramm reinem Alkohol - ist mit einem erhöhten Risiko für Krebsarten des Rachens, des Dickdarms, der Speiseröhre, der Brust, der Leber, der Bauchspeicheldrüse und der Prostata verbunden. Zum Vergleich: 0,5 Liter Helles oder Pils enthalten 20 Gramm Alkohol.
Bei Rachenkrebs war das Risiko bei durchschnittlichem Alkoholkonsum um mindestens 105 Prozent erhöht. Für Kehlkopf-, Darm- sowie Lippen- und Mundhöhlenkrebs ergaben die Daten ein erhöhtes Risiko von mindestens 22 bis 49 Prozent. Mit einem um mindestens 40 Prozent erhöhtem Risiko wurde Alkoholkonsum mit Leberzirrhose und anderen chronischen Lebererkrankungen in Verbindung gebracht. Bei Pankreatitis, einer Entzündung der Bauspeicheldrüse, lag eine Risikoerhöhung von mindestens 22 Prozent vor. Alkoholkonsum erhöht auch das Risiko für Infektionen der unteren Atemwege und Tuberkulose.
Moderater Alkoholkonsum und Demenz
"Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Alkohol und Gesundheit sind äußerst komplex", erklärt Emmanuela Gakidou laut Mitteilung. Die Studienlage sei bei Krebs: Das Risiko steige mit jedem Alkoholkonsum. Doch es gebe auch Studien zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen und Demenz, die auf ein geringfügig reduziertes Risiko bei niedrigem bis moderatem Konsum hindeuten. Doch auch diese Zusammenhänge schwächen sich bei höherem Alkoholkonsum ab und kehren sich sogar um.
"Anstatt diese Ergebnisse als Befürwortung von Alkoholkonsum zu interpretieren, zeigen sie vielmehr ein komplexes Bild davon, wo die Studienlage stark, schwach oder uneinheitlich ist", betont Gakidou. Die Forschenden sind aufgrund ihrer Ergebnisse der Überzeugung, dass es eine verbesserte Kommunikation im Bereich der öffentlichen Gesundheit hinsichtlich der Risiken des Alkoholkonsums geben muss. Auch die tolerierbaren Trinkmengen, die von Land zu Land verschieden sind, müssten überprüft werden. Den Ergebnissen der Analyse zufolge, die im Fachjournal "Nature Health" veröffentlicht wurden, gebe es keine "sichere Grenze" für Alkoholkonsum.