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Test erst in Jahren verfügbar Alzheimer ist auch über Blut diagnostizierbar

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Ein Alzheimer-Bluttest wäre für Neurologen und Betroffene ein gut anwendbares Mittel zur Diagnose.

(Foto: imago images / Panthermedia)

Viele Jahre lang war Alzheimer erst nach dem Tod des Patienten zweifelsfrei diagnostizierbar. Aktuell eingesetzte Diagnoseverfahren sind aufwendig oder invasiv. Ein neuer Bluttest macht Hoffnung auf ein zukünftig einfacheres Verfahren.

Alzheimer entwickelt sich schleichend über Jahre hinweg. Dabei ist eine frühzeitige Behandlung wichtig, um das Fortschreiten der Erkrankung bestmöglich aufzuhalten. Forscher haben sich deshalb auf die Suche nach eindeutigen Hinweisen auf Alzheimer im Blut von Patienten gemacht. Dabei entdeckten sie im Blutplasma einen Bestandteil, der bei Alzheimer-Patienten im Durchschnitt um das 3,5-Fache höher ist als bei gesunden Menschen. Es handelt sich um einen Teil des sogenannten Tau-Proteins und wird P-tau181 genannt.

Die Zuverlässigkeit dieses Bluttests wurde bereits in zwei Untersuchungen in San Francisco (USA) und im schwedischen Lund an insgesamt 951 Personen getestet. Die Ergebnisse beider Studien wurden im Fachmagazin "Natur Medicine" veröffentlicht. Das Forscherteam um Adam Boxer vom Weill Institute for Neuroscience in San Francisco stellte neben der hohen diagnostische Treffsicherheit außerdem fest, dass mit dem Test sogar eine Abgrenzung zur sogenannten frontotemporalen Demenz möglich ist. Bei dieser eher seltenen Erkrankung kommt es zwar auch zu Ablagerungen im Gehirn, was einen Anstieg von P-tau181 zur Folge hat. Dieser ist jedoch bei der frontotemporalen Demenz nicht so ausgeprägt wie bei Alzheimer-Patienten.

Plaques und Tau-Fibrillen

Was genau den Hirnabbau bei Alzheimer-Patienten verursacht, wissen Experten bisher nicht. Gesichert ist hingegen, dass zwei verschiedene Eiweißablagerungen eine Rolle spielen. Es handelt sich dabei um sogenannte Beta-Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen. Beta-Amyloid-Plaques lagern sich außerhalb der Nervenzelle an. Tau-Fibrillen hingegen sind veränderte Ansammlungen von Tau-Proteinen innerhalb der Nervenzelle. Die Tau-Proteine sind bei einer Alzheimer-Erkrankung chemisch verändert. Sie verlieren deshalb ihre Form und ihre Funktionen und zerfallen schließlich. Beide Veränderungen stören die Kommunikation in und zwischen den Nervenzellen.

Auch wenn die Ergebnisse der US-Forscher zum Alzheimer-Bluttest bereits vom schwedischen Forscherteam um Oskar Hansson von der Universität Lund weitgehend bestätigt werden konnten, sind vor einer endgültigen Zulassung weitere Untersuchungen nötig. Nach Einschätzung der Forscher ist deshalb "mit einer Einführung des Tests erst in etwa 5 Jahren zu rechnen", schreibt das Deutsche Ärzteblatt.

Quelle: ntv.de, jaz