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Ein Blauer Überriese Astronomen spüren neuen, fernsten Stern auf

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Das Bild zeigt die beiden Aufhellungen im markierten Feld.

(Foto: NASA, ESA, and P. Kelly (University of Minnesota))

Durch einen glücklichen Zufall können Forscher einen neuen Rekord aufstellen. Sie erspähen einen Stern, der neun Milliarden Lichtjahre und damit so weit weg wie kein anderer vorher ist. Dabei bekommen sie Hilfe von einem kosmischen Verstärkungseffekt.

Ikarus heißt der neue Rekordhalter. Das Licht dieses Sterns hat rund neun Milliarden Jahre benötigt, um die Erde zu erreichen. Damit ist der einzeln gelegene Stern der am weitesten von der Erde entfernte, der bisher gesichtet wurde. Gemacht hat die Entdeckung ein internationales Forscherteam um den Astronomen Patrick Kelly von der University Minnesota mithilfe des hochauflösenden Weltraumteleskopes Hubble und einer kosmischen Unterstützung.

Da das Licht von Ikarus normalerweise zu schwach ist, um von der Erde aus gesehen zu werden, wurde ein natürlicher Lichtverstärker in Form eines Galaxienhaufens genutzt. Dieser schob sich während der Beobachtungen des Forscherteams vor die Hubble-Linse. Die Schwerkraft des Galaxienhaufens, der fünf Milliarden Lichtjahre entfernt ist, wirkt wie eine Linse. Sie verzerrt und vergrößert das Licht von Quellen, die dahinter liegen. Bezeichnet wird der Mechanismus als Gravitationslinseneffekt.

Zufallsfund mit Gravitationslinseneffekt

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Ein Bild von 2011 im Vergleich zur Entdeckung 2016, die allerdings erst jetzt vollständig ausgewertet wurde.

(Foto: NASA, ESA, and P. Kelly (University of Minnesota))

Die Astronomen wollten diesen Effekt auch bei ihren Beobachtungen ausnutzen. Sie hatten ihr Augenmerk auf eine neun Milliarden Jahre entfernte Supernova in einer Spiralgalaxie gerichtet und gehofft, diese durch den vorbeiziehenden Galaxienhaufen zu erspähen. Es zeigte sich jedoch eine zweite helle Lichtquelle in der Zielgalaxie. Diese stellte sich schließlich als der neue Rekordhalter heraus, der durch den Gravitationslinseneffekt nun rund 2000 Mal heller war.

Die Forscher vermuten, dass nicht nur der Galaxienhaufen allein, sondern noch etwas anderes, massereiches wie beispielsweise ein anderer Stern oder ein stellares schwarzes Loch den Effekt so sehr erhöht haben könnte. Berechnet war eine Lichtverstärkung um lediglich das 50-Fache. Es ist sogar wahrscheinlich, dass ein schweres Objekt in dem neu entdeckten Stern selbst zu dieser immensen Vergrößerung um das 2000-Fache geführt haben könnte.

Heißer und heller als die Sonne

"Dieser Stern ist mindestens 100 Mal weiter von der Erde entfernt als der bisher am weitesten entfernte Stern, den wir beobachten konnten", fasst Kelly die einzigartige Entdeckung zusammen. Er stamme aus einer Zeit nur rund 4,4 Milliarden Jahre nach dem Urknall, als das Universum gerade mal 30 Prozent seines gegenwärtigen Alters hatte.   

Die Forscher untersuchten das Licht des Sterns mit der offiziellen Bezeichnung "MACS J1149+2223 Lensed Star 1" und klassifizierten ihn als sogenannten "Blauen Überriesen", dessen bläulich leuchtende Oberfläche mit 11.000 bis 14.000 Grad Celsius mehr als doppelt so heiß ist wie die Sonne und der mehrere tausend Mal stärker leuchtet als diese. Solche Riesensterne haben die Leuchtkraft wie kleine Zwerggalaxien oder Kugelsternhaufen.    

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im Fachmagazin "Nature Astronomy".

Quelle: n-tv.de, jaz

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