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Wirbelringe zur Brust geschossen Atemluft im Flugzeug soll feuchter werden

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Die trockene Luft in Flugzeugkabinen führt zur Austrockung der Schleimhäute.

(Foto: imago stock&people)

Brennende Augen, drückende Ohren und schwere Beine: Das Reisen im Flugzeug hat auch Schattenseiten. Um Fluggästen den Aufenthalt an Bord angenehmer zu machen, wollen Forscher nun die Atemluft befeuchten.

Die Luft in Flugzeugen ist relativ trocken. Das muss auch so sein. Der Grund dafür liegt in der Flughöhe und der damit verbundenen kalten Außenluft, die einerseits nur sehr wenig Feuchtigkeit mitbringt und andererseits die Flugzeughülle abkühlt. Wäre die Luft im Innenraum feuchter, würde zusätzliches Wasser an der Hülle kondensieren. Für die Passagiere allerdings ist das trockene Klima unangenehm, denn es führt zu trockenen Schleimhäuten - und damit nicht nur zu brennenden Augen, sondern auch zu einer erhöhten Infektionsgefahr.

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Der Prototyp des Wirbelringgenerators schießt Rauchringe zur Brust des Dummys.

(Foto: Fraunhofer IBP)

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP in Valley wollen mit einer neuen Technologie Abhilfe schaffen. "Ein Wirbelringgenerator reichert die Luft im Atembereich der Passagiere gezielt mit Feuchtigkeit an und sorgt somit für eine größere Behaglichkeit, ohne die Feuchtigkeit im gesamten Innenraum nennenswert zu erhöhen", erklärt Thomas Kirmayr, Gruppenleiter am IBP.

Die Ringe, die der Generator erzeugt, bleiben über eine gewisse Strecke stabil und vermischen sich kaum mit der Umgebungsluft. Sie sollen auf die Brust des Passagiers geleitet werden, damit die Körperwärme die Luft nach oben zu Mund und Nase leitet. Auf diese Weise wollen die Wissenschaftler die Atemluft der Passagiere mit Feuchtigkeit anreichern, die dann bei etwa 30 statt bisher 20 Prozent liegen soll.

Auch Düfte sind denkbar

Bei ersten Tests wurden Dummys mit Ringen aus Rauch bedampft. So konnten die Wirbel sichtbar gemacht und entsprechend nachjustiert werden. In einem zweiten Schritt wurde die Luft mit Wasser angereichert. Hier bedienten sich die Forscher einer speziellen Membran, die Wasser von Luft trennt. Wie viel Wasser von der Luft aufgenommen wird, lässt sich über ihre wirksame Fläche und die Wassertemperatur justieren – je größer die wirksame Membranfläche beziehungsweise je höher die Wassertemperatur, desto mehr Feuchtigkeit wird in die Luft übertragen.

Wie weit der Wirbelring fliegt, ohne sich aufzulösen, lässt sich über den Impuls steuern, mit dem er auf den Weg geschickt wird – quasi über den Anschwung, den man ihm gibt. Die Ringe, die bei den Dummys ankamen, wurden von der künstlichen Nase analysiert und von den Forschern ausgewertet. Versuche mit menschlichen Testpersonen sind geplant.

Es ist denkbar, dass mit der neuen Technologie nicht nur die Atemluft mit Feuchtigkeit angereichert wird, sondern auch Duftstoffe gezielt zum Fluggast, der das wünscht, zu transportieren. Der Generator könnte in die Rückenlehne des Sitzes eingebaut werden. "Da die Zulassungen in der Luftfahrtindustrie sehr langwierig sind, wird es jedoch noch dauern, bis das System in Flugzeugen zum Einsatz kommt", so Kirmayr.

Quelle: ntv.de, jaz

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