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Rezepte der WHO geprüft Auch billige Selbstmischungen desinfizieren

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Die Desinfektion der Hände ist die wichtigste Maßnahme gegen die Ausbreitung von Krankheitserregern.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Desinfektion der Hände ist wichtig, um die Verbreitung von Krankheiten einzudämmen. Doch was tun, wenn es keine Desinfektionsmittel gibt? Selbst mischen, rät die WHO. Ob diese Rezepte wirklich funktionieren, testen Forscher in sicheren Laboren.

Ebola, Mers oder Sars: Jedes Jahr sterben Tausende Menschen vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern an diesen oder ähnlichen Krankheitserregern. Um die Ausbreitung der Krankmacher zu verhindern, sind große Mengen von Desinfektionsmitteln nötig, aber nicht vorhanden. Aus diesem Grund rät die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu zwei verschiedenen Ersatzmischungen als Desinfektionsmittel für die Hände, die vor allem auf Ethanol und Isopropanol basieren. Der Vorteil: Beide Mischungen kosten nur ein Zehntel der handelsüblichen vorgemischten Markenprodukte.

Eine internationales Team unter Leitung von Eike Steinmann, Leiter der Arbeitsgruppe Virustransmission am Institut für Experimentelle Virologie, wollte nun wissen, wie gut die nach dem Rezept der WHO hergestellten Ersatzmischungen, die unbedingt von Fachpersonal hergestellt werden sollten, gegen sogenannte "Emerging Viruses", also wieder aufstrebende und neuentstehende Viren, schützen.

"Die beiden Desinfektionsmittel wurden für den Einsatz gegen Ebola-, Zika- und die Coronaviren nie getestet und die WHO spricht auch bewusst keine Empfehlungen für ihren Einsatz in diesen Fällen aus", erklärt Eike Steinmann, Leiter der Arbeitsgruppe Virustransmission am Institut für Experimentelle Virologie die Motivation für seine Untersuchungen. "Sie werden dennoch in großen Mengen eingesetzt und wir wollten nun wissen, ob sie tatsächlich schützen, oder ob sie die Menschen in den Krisengebieten in falsche Sicherheit wiegen."

Labore mit höchster Sicherheitsstufe

Ein internationales Team aus Wissenschaftlern aus Deutschland, der Schweiz und Südkorea hat nun in ausgewählten Laboren der höchsten Sicherheitsstufe untersucht, ob die Rezepte der WHO auch bei diesen hochinfektiösen Erregern wirken. Sie konnten feststellen, dass diese Viren tatsächlich durch die selbstgemischten Desinfektionsmittel unschädlich gemacht werden konnten. Sars-, Mers- und Zika-Viren zeigten sich bei den Untersuchungen am labilsten. Ebola-Viren dagegen lagen im Mittelfeld.

Doch das reichte den Forschern nicht aus. Um festzustellen, ob auch besonders hartnäckige Viren durch die WHO-Mischungen bekämpft werden können, griffen die Forscher zu einem Impfvirus. "Wir haben in unsere Vergleichsstudie auch das Impfvirus gegen Pocken, das Vacciniavirus, einbezogen, da es als Prüfvirus zur Bestimmung der Desinfektionsmittelwirksamkeit gegenüber behüllten Viren eingesetzt wird", erklärte Steinmann die Vorgehensweise.

Das Vacciniavirus ist besonders stabil - wenn ein Händedesinfektionsmittel gegen das Vacciniavirus wirkt, wirkt es ebenfalls gegen alle anderen altbekannten umhüllten Viren. Die Studie bestätigt es nun auch als Referenzvirus, wenn die neuen Virusinfektionen in die Betrachtungen mit einbezogen werden. "Zu wissen, dass sich beispielsweise das Ebolavirus im Ernstfall tatsächlich mit den beiden Rezepturen der WHO abtöten lässt, ist wichtig für den Einsatz in Krisengebieten und sehr beruhigend", resümiert Steinmann. 

Ob die WHO auf Grundlage der Studienergebnisse ihre Empfehlungen erweitern wird, bleibt abzuwarten.

Quelle: n-tv.de, jaz

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