Einzigartiger SchädelBisher unbekannte Fischart lebt in einem Brunnen

In einem Brunnen in Indien entdeckt ein Forschungsteam eine vollkommen neue Fischart. Das winzige Tier ist blind, durchsichtig und gehört einer eigenen Gattung an. Seine Anatomie offenbart ein einzigartiges Merkmal innerhalb der Schmerlen.
Zufällig hat ein Forschungsteam beim Wasserholen in Indien eine neue Fischart entdeckt. Das Tier, das nur 20 Millimeter lang und durchsichtig ist, wurde in einem Brunnen in einem kleinen Ort im Bundesstaat Assam im Nordosten Indiens im Wasser aufgestöbert. Es wurde später dem Biologen Ralf Britz von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen in Dresden während einer Forschungsreise in die Region präsentiert. "Ich war mir direkt sicher, dass es sich hier um einen ganz besonderen Fund handelt", sagte der Biologe laut einer Mitteilung.
"Von den weltweit über 37.000 bekannten Fischarten haben nur etwa ein Prozent den unterirdischen Lebensraum erobert und sich an ein Leben im Untergrund angepasst. Von diesen wiederum leben weniger als zehn Prozent in Aquiferen. Diese sogenannten 'phreatobionten' Fische werden extrem selten entdeckt - wenn, geschieht dies meist zufällig", erklärt Britz.
Neue Art ist auch neue Gattung
Das Forschungsteam um Britz untersuchte das Tier, das im Grundwasser lebt, nun genauer und machte einige Mikro-Computertomografien. Dabei stellte sich heraus, dass es sich um eine ganz besondere Art handelte, die von den Forschenden als Gitchak nakana beschrieben wurde. "Die winzige, blinde Schmerle ist so einzigartig, dass sie nicht nur eine neue Art, sondern sogar eine neue Gattung repräsentiert", so Britz.
Das erste und alle weiteren Tiere, die 2025 in dem Brunnen entdeckt wurden, zeigen typische Merkmale unterirdisch lebender Tiere. Dazu zählen unter anderem stark reduzierte oder vollständig fehlende Augen, eine fehlende Pigmentierung mit einer blassen, transparenten Erscheinung, verstärkte nicht-optische Sinne und verlängerte Körperanhänge. "Besonders spektakulär ist aber ein anatomisches Detail: Die Tiere besitzen kein knöchernes Schädeldach. Das Gehirn wird nach oben lediglich durch Haut geschützt - ein bislang einzigartiges Merkmal unter den bekannten Schmerlen", betont Britz.
Die Beschreibung von Gitchak nakana stellt den Forschenden zufolge einen Meilenstein dar: Sie ist die erste phreatobitische, also dauerhaft im Grundwasser lebende Schmerle aus Nordostindien und gleichzeitig der erste bekannte in einem Grundwasserleiter (Aquifere) lebende Fisch aus dieser Region. "Die Entdeckung von Gitchak nakana liefert den Hinweis, dass auch diese Region über eine hoch spezialisierte unterirdische Fauna in Grundwasserleitern verfügt, die es nun zu erforschen gilt", gibt Britz einen Ausblick. Die Neuentdeckung und die Ergebnisse der Untersuchungen wurden im Fachmagazin "Scientific Reports" veröffentlicht.