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Ausgerechnet bei großer Hitze Blaualgen sorgen für Badeverbot-Rekord

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Durch Blaualgen grün gefärbtes Wasser an der Badestelle am Bordesholmer See in Schleswig-Holstein.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Hitzesommer 2018 treibt Menschen scharenweise an die Badeseen. Die hohen Temperaturen führen aber auch zur Blaualgenblüte. Und diese sorgt wiederum für eine Rekordzahl an Badeverboten. Neben der Hitze gibt es noch eine andere Ursache.

Die Zahl der Badeverbote für deutsche Gewässer wegen Blaualgen ist im Jahr 2018 auf einen Negativ-Rekord gestiegen. Im vergangenen Hitzesommer wurden deshalb 47 Verbote gemeldet, wie aus einer Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Anfrage der Grünen hervorgeht. Das sind fast drei Mal mehr als im Vorjahr: 2017 gab es 18 solche Verbote.

Von 2011 bis 2016 wurden demnach nie mehr als 15 Verbote wegen Blaualgenblüten (Cyanobakterien) verhängt. Diese hängen, so das Ministerium, insbesondere mit der Landwirtschaft und hohen Temperaturen zusammen. "Eine massenhafte Entwicklung von Cyanobakterien ist insbesondere bei hohen Nährstoffgehalten zu erwarten, wobei hier der Phosphor für diese Algengruppe die herausragende Rolle spielt", schreibt das Ministerium.

Anzeichen für einen möglichen Blaualgenbefall: Das Wasser sieht grünlich aus und ist so trüb, dass man die Füße im knietiefen Wasser nicht mehr sehen kann. Direkter Kontakt mit den sogenannten Cyanobakterien und den Giften, die sie ausscheiden, kann Haut- und Schleimhautreizungen, Bindehautentzündungen und Ohrenschmerzen auslösen, warnt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Beim Verschlucken von belastetem Wasser kann es unter anderem zu Magen- und Darmbeschwerden sowie Atemwegserkrankungen kommen.

Der grün-blaue Bakterienfilm der Blaualgen konzentriert sich häufig in Ufernähe, so die Experten. Daher können etwa spielende Kleinkinder nicht nur über die Haut, sondern auch über Hand und Mund mit dem Gift in Kontakt geraten.

Regierung will Maßnahmen ergreifen

Um die gefährlichen "Blaualgenblüten" in Badegewässern künftig zu vermeiden, sei eine Überarbeitung der Düngeregelungen bereits in Arbeit, teilt das Bundesumweltministerium mit. Der Fokus läge auf einer Verringerung des Eintrags von Phosphor.

Die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Steffi Lemke, die die Anfrage gestellt hatte, warf der Bundesregierung jedoch Untätigkeit vor. "Die Klimakrise trifft uns in allen Lebensbereichen", erklärte sie. "Statt kühler Erfrischung drohen in Hitzesommern wie 2018 in Zukunft Badeverbote. Blaualgen und andere Bakterien profitieren von den Extremwetterereignissen und den nährstoffbelasteten Gewässern." Lemke warf Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner vor, eine Düngeverordnung zu blockieren, "die EU-Recht einhält und unsere Gewässer und das Grundwasser schützt". Dafür nehme Klöckner sogar Strafzahlungen an die EU in Kauf.

Quelle: n-tv.de, kst/dpa

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