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Erste Begegnung im Dschungel Brasilien entdeckt isoliert lebendes Volk

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Erster Kontakt mit der Außenwelt: Bereitwillig lässt sich ein Korubo von einem der Funai-Mediziner untersuchen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bei einer Expedition im Nordwesten Brasiliens stoßen Agenten einer Spezialbehörde in einem der letzten unberührten Gebiete der Erde auf Menschen, die bislang weitgehend frei und ohne Kontakt zur Zivilisation lebten. Der aufwendige Besuch soll der Region Frieden bringen.

Im brasilianischen Amazonasgebiet haben Expeditionsteilnehmer erste Kontakte zu bisher isoliert lebenden Mitgliedern eines Stammes aufgenommen. Insgesamt seien 34 Angehörige des Volkes Korubo im indigenen Schutzgebiet Vale do Javari im Staat Amazonas an der Grenze zu Peru angetroffen worden, teilte die für den Schutz indigener Völker zuständige staatliche Spezialbehörde Fundação Nacional do Índio (Funai) mit.

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Leben wie vor Tausenden von Jahren: Dieses Archivbild aus dem Jahr 2014 zeigt Mitglieder des Volks der Korubo im Schutzgebiet "Vale do Javari" im Bundesstaat Amazonas.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ein Ziel der Expedition war demnach, neue Konflikte zwischen den Korubo und dem ebenfalls in dem Gebiet lebenden Volk der Matis zu verhindern. Zudem ging es darum, einige Mitglieder der Korubo, die während des Konflikts der beiden Gruppen mit mehreren Toten 2014 geflohen waren, wieder zu ihren Familien zurückzubringen. Auch dies sei gelungen, hieß es.

Die staatlichen Stellen Brasiliens reagierten mit der Expedition eigenen Angaben zufolge auf Bitten von Korubo-Angehörigen, die sich von den Matis bedroht gefühlt hätten. Fotos auf der Facebook-Seite von Funai zeigten einige der nun kontaktierten Korubo an der Seite von Expeditionsleiter Bruno Pereira.

Aufbruch ins Ungewisse

Die gut 30 Mann starke Expedition, darunter mehrere Indigene der Korubo und anderer Stämme, war am 3. März gestartet. Das Vorhaben galt als hochriskant, da nicht klar war, wie die isoliert lebende Volksgruppe auf das Ansinnen der Eindringlinge reagieren würde.

Bevor die Teilnehmer zu ihrer mehrwöchigen Reise in den Dschungel am Oberlauf des Amazonas aufbrechen konnten, mussten sie sich unter anderem auch einer strikten Quarantäne unterziehen. So wollte die Spezialbehörde Funai sicherstellen, dass bei der Kontaktaufnahme keine ansteckenden Infektionskrankheiten auf die indigenen Völker übertragen werden.

Von einem Basislager an dem Amazonas Nebenfluss Coari brachen einzelne Trupps, bestehend aus Funai-Agenten, Medizinern und indigenen Führern, auf, um die unwegsamen Waldgebiete in der abgelegenen Region im Nordwesten Brasiliens zu durchstreifen und nach Anzeichen für die Anwesenheit der Korubo zu suchen.

Erster Kontakt nach Wochen

Am 19. März seien dann die ersten zwei Korubo ohne bisherigen Kontakt zur Außenwelt bei der Jagd angetroffen worden. "Das war ein sehr emotionales Erlebnis", sagte Expeditionsleiter Pereira. "Es stellte sich heraus, dass die beiden Brüder eines Expeditionsmitglieds waren. Sie hatten sich seit 2015 nicht mehr gesehen und gedacht, der Bruder sei tot."

Die Expedition war die erste Unternehmung dieser Art unter der Regierung des rechtspopulistischen Präsidenten Jair Bolsonaro. Das Vorhaben befand sich aber bereits seit Längerem in der Planung. Die Vorarbeiten reichen mehr als drei Jahre zurück. Kritiker sehen in der Kontaktaufnahme vor allem auch eine große Gefahr für die frei und unabhängig lebenden Ureinwohner Brasiliens.

Bolsonaro will die wirtschaftliche Nutzung des Amazonasbeckens weiter vorantreiben. Der Kontakt mit der Außenwelt birgt für die Urwaldbewohner unter anderem auch die Gefahr, ihren bisherigen Lebenswandel und ihre traditionellen Kulturvorstellungen in Frage zu stellen.

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Quelle: n-tv.de

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