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13 von 10,9 Millionen Menschen Corona-Ausbruch durch Massentest gestoppt

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Die Menschen mussten sich in zugewiesenen Testzentren einfinden.

(Foto: REUTERS)

Dass schon kleine Infektionsausbrüche für massenhafte Ansteckungen ausreichen, ist eine der erschreckenden Eigenschaften des Coronavirus. In China ist es nun gelungen, die Kette zu unterbrechen, bevor sich viele weitere Menschen infizierten. Als wirksam erwiesen sich die genaue Lokalisierung der Ansteckungsquelle und Massentests.

In China ist es gelungen, einen lokalen Corona-Ausbruch durch Massentests zu stoppen. Die Behörden entschlossen sich zu dem Schritt, nachdem in der Hafenstadt Qingdao bei einem Taxifahrer und mehreren Hafenarbeitern eine Infektion festgestellt worden war. Über ihr Vorgehen berichten die beteiligten Wissenschaftler und Mediziner im "New England Journal of Medicine".

Demnach waren in der Stadt in der Provinz Shandong zwei Monate lang keine neuen Corona-Fälle aufgetreten. Dann wurden am 1. Oktober drei neue Fälle gemeldet. Die lokalen Behörden leiteten eine Kontaktverfolgung ein und stellten enge Kontaktpersonen mit bestätigter Infektion unter Quarantäne. Einer der ursprünglich identifizierten Fälle betraf einen Taxifahrer, der im Rahmen routinemäßiger Tests auf Sars-CoV-2 untersucht wurde, bevor er am 10. Oktober mit Durchblutungsstörungen im Gehirn in das Qingdao Central Hospital eingeliefert wurde. Seine Frau wurde am nächsten Tag positiv getestet. Sie hatte Teilzeit als Krankenpflegehelferin im Qingdao Chest Hospital gearbeitet, einer Einrichtung zur Behandlung von Menschen mit importierten Fällen von Covid-19.

Die dritte Person in diesem Cluster war ein Mann mit Lungentuberkulose, der vor dem Ausbruch einen Monat lang im selben Krankenhaus behandelt wurde. Er wurde bei seinem routinemäßigen Nachsorgetermin getestet, am 11. Oktober bestätigte sich die Infektion. Da alles darauf hindeutete, dass alle Fälle mit dem Qingdao Chest Hospital in Verbindung standen, wurden in dem Krankenhaus keine neuen Patienten aufgenommen, die ambulante Versorgung wurde geschlossen.

Patient 1 und 2

Als Quelle der Infektion wurden schließlich zwei Hafenarbeiter ermittelt, die am 24. September bei Routinetests ein positives Ergebnis hatten. Sie hatten sich vermutlich bei Seeleuten oder an kontaminierter Fracht angesteckt. Bei ihnen waren in der Klinik Computertomografien durchgeführt worden, um eine Lungenentzündung auszuschließen. Sie hatten in dem Krankenhaus keinen Kontakt zu späteren Patienten, die Untersuchung fand aber im gleichen Raum statt. Auch eine Hilfsschwester, die später positiv getestet wurde, hatte sich dort aufgehalten.

Daraufhin wurde ein Massenscreening angeordnet. Innerhalb von 5 Tagen testeten die Behörden 10,9 Millionen Einwohner der Hafenstadt. Dafür gab es 4090 Testzentren. Um Ressourcen zu sparen, wurden die Proben von 3 bis 10 Personen in einem sogenannten Poolingverfahren gemeinsam untersucht. Im Fall eines positiven Ergebnisses gab es Nachuntersuchungen der einzelnen Proben.

Nach Angaben der städtischen Gesundheitsbehörde wurden dabei bis zum 16. Oktober insgesamt neun weitere Infektionen gefunden, die alle mit denen in der Klinik in Verbindung standen. Während des Testzeitraums wurden keine drastischen Corona-Maßnahmen ergriffen, die Menschen waren lediglich angehalten, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Öffentliche Verkehrsmittel durfte nur benutzen, wer ein negatives Testergebnis vorweisen konnte. Das Gleiche galt auch für Menschen, die die Stadt verlassen wollten. Den Forschern zufolge war der Massentest eine erhebliche Herausforderung und erforderte eine effektive Koordination und Ausführung sowie die Zusammenarbeit mit den Einwohnern. Es sei aber gelungen, das Infektionsgeschehen zu stoppen.

Quelle: ntv.de, sba