Wissen

Kampf gegen Pandemie Corona-Impfung könnte jedes Jahr nötig sein

.jpg

Die Corona-Impfung ist vielleicht keine einmalige Sache.

(Foto: Christoph Schmidt/dpa/Symbolbild)

Erst eine Impfung kann die Corona-Pandemie beenden, sagen viele Experten. Auf eine schnelle Zulassung von Impfstoffen hofft auch der WHO-Chef. Ein britischer Mediziner und Immunologe dämpft die hohen Erwartungen jedoch erheblich.

Die Hoffnung bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie ruhen vor allem auf einem Impfstoff. Auch wenn noch unklar ist, wann genau ein Serum sicher zu Ende entwickelt ist, sollen Menschen dann weltweit gegen das Sars-CoV-2 immunisiert werden. Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, verbindet damit die Hoffnung, dass die Pandemie binnen zwei Jahren beendet werden kann.

Doch dies könnte sich möglicherweise als Trugschluss erweisen. Mark Walport, ehemaliges Mitglied der wissenschaftlichen Beratergruppe für Notfälle der britischen Regierung ("Sage"), glaubt, dass die Pandemie durch "globale Impfungen" lediglich kontrollierbarer würde. Der BBC sagte der Mediziner und Immunologe, Covid-19 werde keine "Krankheit wie Pocken sein, die durch Impfungen ausgerottet werden könnte".

Er prognostizierte, dass sich die Menschen in der Zukunft ähnlich wie gegen Grippe auch alljährlich gegen das Coronavirus impfen lassen müssten. "Dies ist ein Virus, das in irgendeiner Form für immer bei uns sein und mit ziemlicher Sicherheit wiederholte Impfungen erfordern wird."

100 Jahre weiter

Der WHO-Chef hatte bei seiner Einschätzung Erfahrungen mit der Spanischen Grippe mit einbezogen. Damals hatte es zwei Jahre gedauert, die Pandemie einzudämmen. Insgesamt starben 50 Millionen Menschen. Walport gab jedoch zu bedenken, dass sich die Bedingungen für ein gefährliches Virus in den vergangenen 100 Jahren erheblich verändert haben. Nicht nur sei die Weltbevölkerung viel größer als 1918, eine höhere Bevölkerungsdichte und mehr Reisen begünstigten zusätzlich die leichte Ausbreitung des Virus.

Nach Schätzungen der WHO gibt es derzeit 169 Impfstoffprojekte, davon werden 30 in klinischen Studien an Menschen getestet. Acht davon befinden sich in der entscheidenden dritten Phase. Zum Teil gibt es einen Konkurrenzkampf bei der Frage, welchem Land in welchem Umfang ein Impfstoff zuerst geliefert wird.

Außerdem ist damit zu rechnen, dass nicht von Anfang an genügend Serum zur Verfügung stehen wird, um die gesamte Bevölkerung zu impfen. Daher muss geklärt werden, wer vorrangig geimpft werden soll. Neben Risikopatienten könnten Menschen im Gesundheitssystem, bei Polizei, Feuerwehr und in der öffentlichen Verwaltung zuerst immunisiert werden.

Quelle: ntv.de, sba