Wissen

Die WHO ist sehr skeptisch Corona verschwindet vielleicht nie wieder

imago0100154230h.jpg

Um Sars-CoV-2 auszurotten, braucht es einen hocheffektiven Impfstoff.

(Foto: imago images/localpic)

Die Menschheit muss sich offenbar darauf einstellen, dass das Coronavirus in der Bevölkerung heimisch wird. Die Chance, den Erreger noch zu eliminieren sei gering, warnt die Weltgesundheitsorganisation. Der Kampf gegen das HI-Virus könnte indes zum Vorbild im Umgang mit Sars-CoV-2 werden.

Der Nothilfekoordinator der Weltgesundheitsorganisation ist sehr skeptisch, dass das Coronavirus nach der weltweit rasanten Ausbreitung noch eliminiert werden kann. "Dieses Virus kann in der Bevölkerung heimisch werden, es kann sein, dass es nie mehr verschwindet", sagte Michael Ryan. Auch das HI-Virus sei nie wieder verschwunden. Im Fall von HIV sei es der Welt aber gelungen, Medikamente und Präventionsmaßnahmen zu schaffen, sodass das Virus seinen Schrecken verloren habe.

"Ich will die Krankheiten nicht vergleichen, aber wir müssen realistisch sein", sagte Ryan. Es gebe eine kleine Chance, das Virus Sars-CoV-2, das die gefährliche Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann, auszurotten. Dafür müsse aber ein hocheffektiver Impfstoff gefunden werden, er müsse im ausreichenden Maß hergestellt und in aller Welt verteilt werden und die Menschen müssten einverstanden sein, sich impfen zu lassen.

Lockerungen sind nicht das Ende der Krise

"Jeder einzelne dieser Schritte ist voller Herausforderungen", sagte Ryan. Er kritisierte die verbreitete Impfskepsis und die fehlenden Mittel für gute Gesundheitssysteme in vielen Weltgegenden. "Wir haben ja sehr effektive Impfstoffe auf diesem Planeten, die wir nicht effektiv eingesetzt haben", sagte er mit Verweis auf die Masern. Die Zahl der Masernfälle steigt seit einigen Jahren wieder.

Derweil warnt Ryan davor, die Lockerungen der Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus als Ende der Krise zu werten. Die Rückkehr in eine Art Normalität sei ein langer Weg. Nur mit einem umfangreichen Programm zur Überwachung der Neuansteckungen seien die Maßnahmen sinnvoll. Die Entscheidung zu lockern, bevor die Ansteckungen deutlich gesunken seien, berge das Risiko vieler neuer Infektionen, sagte Ryan.

Er mahnte an, umfangreich zu testen und so mögliche Infektionsketten zu überwachen. Zu warten, bis die Zahl der Infizierten in Krankenhäusern steige, sei sehr gefährlich. Das könne Wochen dauern, und dann sei es zu spät, die Infektion unter Kontrolle zu halten. Dann könnten neue Einschränkungen nötig werden. Mit den richtigen Maßnahmen zur Erkennung von Infizierten, der Isolierung von Angesteckten und effektiver Behandlung könne das Virus aber unter Kontrolle gebracht werden, betonte WHO-Expertin Maria van Kerkhove.

Quelle: ntv.de, tno/dpa