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Jahrhundert-Ereignis am Himmel Countdown zur Mondfinsternis läuft

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"Guter Mond, du gehst so stille ...": Astronomen, Neugierige und romantisch veranlagte Seelen hoffen auf einen wolkenklaren Abendhimmel.

(Foto: picture alliance/dpa)

Deutschland steht ein seltenes Phänomen am Nachthimmel bevor: Bei bestem Sommerwetter wird der Mond neben dem Mars auftauchen und sich blutrot verfärben. Kurz darauf fliegt Alexander Gerst an Bord der ISS durchs Bild.

In wenigen Stunden werden sich überall in Mitteleuropa Kameras, Ferngläser und optische Spezialinstrumente der Astronomen in den Nachthimmel richten: Am Abend steht nach Berechnung von Experten die längste Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts an.

Auf seiner Bahn wird der Mond demnach gegen 19.00 Uhr (MESZ) in den Halbschatten der Erde eintreten. Die hochsommerliche Wetterlage verspricht - je nach Standort des Beobachters - teils ausgezeichnete Bedingungen für eine stimmungsvolle Himmelsschau mit einem blutrot schimmernden Mondaufgang, der zufällig mit einer extrem seltenen Planeten-Konstellation zusammentrifft: Parallel zur Mondfinsternis wird auch der Mars besonders gut zu sehen sein. Der rote Planet steht derzeit in Erdnähe.

"Für die derzeit lebenden Menschen ist das ein einmaliges Ereignis", betonte der Vorsitzende der Vereinigung der Sternenfreunde, Sven Melchert. Deutschland kann sich demnach auf einen "astronomischen Sommernachtstraum" freuen, der in diesem Zusammentreffen aus verdunkeltem Vollmond und erdnahem Mars erst in einigen hundert Jahren wieder zu sehen sein wird. In verschiedenen Städten öffnen Sternwarten am Abend ihre Türen, damit Neugierige am großen Fernrohr einen Blick auf das Himmelsphänomen werfen können.

Mondfinsternis am 27. Juli 2018

19.13 Uhr: Eintritt in Halbschatten der Erde

20.24 Uhr: Eintritt in Kernschatten der Erde

20.48 Uhr: Mondaufgang München

20.57 Uhr: Mondaufgang Berlin

21.07 Uhr: Mondaufgang Frankfurt a. M.

21.30 Uhr: Beginn der Totalität     

22.22 Uhr: Maximale Verfinsterung

23.13 Uhr: Ende der Totalität

00.19 Uhr: Mond hat Kernschatten verlassen

01.30 Uhr: Mond hat Halbschatten verlassen

Hinweis: Eine Übersicht zu den geplanten Veranstaltungen finden Sie zum Beispiel hier.

Bestes Vollmond-Wetter

Mit Blick auf die Wetterlage sprach n-tv Meteorologe Björn Alexander von sehr guten Aussichten für einen wolkenfreien Himmel in weiten Teilen Deutschlands. "Für die meisten von uns sind die Bedingungen optimal, denn der Himmel ist klar, und die Temperaturen laden definitiv zu Draußensitzen ein." Gegen 21.00 Uhr sind demnach immer noch Werte zwischen 21 Grad an den Alpen und 33 Grad in den Ballungsräumen im Westen zu erwarten.

"Es gibt allerdings auch Landesteile, in denen Sie noch etwas Glück für den freien Himmelsblick brauchen", warnte Wetterexperte Alexander. "Einerseits an der Grenze zu Benelux, wo ein paar Wolkenfelder streifen könnten, andererseits im Südosten, also in etwa von Niederbayern und Franken bis rüber nach Sachsen und ins südliche Brandenburg."

"Wer länger draußen bleibt oder durch die Nacht schwärmt, der muss ebenfalls nicht frieren", versprach er. "Um Mitternacht - also gegen Ende der Mondfinsternis - sind es nämlich immer noch sehr warme bis tropische 17 bis 29 Grad."

Astro-Show im Freien

Der Zeitplan zum Ablauf der Mondfinsternis lässt sich minutengenau vorhersagen: Im Süden Deutschlands wird der teilweise verdunkelte Mond ab 20.48 Uhr zu sehen sein. Neun Minuten später, gegen 20.57 Uhr, ist der Mondaufgang auch von Berlin aus zu sehen. Ganz in der Nähe des ungewohnt dunkel erscheinenden Erdbegleiters  wird zudem ein ebenfalls rot leuchtender Punkt am Himmel auftauchen.

Auf seiner Umlaufbahn um die Sonne befindet sich der Planet Mars derzeit genau in Opposition. "Das heißt, Sonne, Erde und Mars bilden genau eine Linie. Wenn die Sonne untergeht, erscheint der Mars am Himmel", erklärte Tim Florian Horn, Direktor des Zeiss-Großplanetariums in Berlin im Gespräch mit n-tv.de.

Alexander Gerst fliegt durchs Bild

Doch damit nicht genug: Kurz nach der maximalen Verfinsterung des Mondes ist auch die Raumstation ISS mit Alexander Gerst an Bord als langsamer heller Punkt zu erkennen, der von West nach Ost zieht. In der Mitte Deutschlands wird dies gegen 22.35 Uhr erwartet, wie Astrophysiker Dominik Elsässer sagt. Und: Auf der entgegengesetzten Seite vom Mond erscheint die Venus hell und klar. Der Saturn ist ebenfalls besonders gut zu erkennen, in der Nähe des Mondes.

Die totale Mondfinsternis können Beobachter in Deutschland etwa 103 Minuten lang genießen. Die Phase der sogenannten Totalität, in der sich der Mond komplett im Kernschatten der Erde befindet, beginnt gegen 21.30 Uhr. Der Planet Mars wird dabei so hell und so groß erscheinen wie zuletzt vor 15 Jahren.

Für das Himmelsereignis müssen Sternengucker diesmal keine komplett schlaflose Nacht in Kauf nehmen. Der Zeitplan der Finsternis kommt den Zuschauern entgegen: Bis Mitternacht ist das Spektakel vorüber. Gegen 0.19 Uhr tritt der Mond aus dem Schatten der Erde heraus und leuchtet wieder mit seinem gewohnt bleichen Schimmer. Der Mars hingegen ist die ganze Nacht zu sehen.

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Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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