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Neurologische Komplikation Covid-19 begünstigt Guillain-Barré-Syndrom

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Die Illustration zeigt ein Zika-Virus. Eine Infektion damit kann später ebenfalls zum GBS führen.

(Foto: imago images/Science Photo Library)

Was Mediziner zuerst nicht für möglich halten, ist nun Realität: Sars-CoV-2 reiht sich in die Liste der Krankheitserreger ein, die das Guillain-Barré-Syndrom auslösen können. Auch wenn das bisher selten vorkommt, ist es doch eine ernst zu nehmende Komplikation.

Das sogenannte Guillain-Barré-Syndrom, auch mit GBS bezeichnet, kann einem Neurologen zufolge eine seltene, aber schwere Komplikation nach einer Corona-Infektion sein. Mindestens 100 solche Fälle der entzündlichen Erkrankung der Nerven mit Lähmung von Muskeln seien weltweit beschrieben, sagte Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Die Häufigkeit werde wahrscheinlich unterschätzt, darauf ließen Daten etwa aus Italien schließen.

Die Erkrankung mit einer mitunter kompletten Lähmung der Muskeln tritt sowohl nach bakteriellen als auch nach viralen Infekten auf. Vergleichsweise häufig wird sie als Folge einer Infektion mit dem Zika-Virus beobachtet.

"Es gibt diese Komplikation"

Beim Coronavirus sei man zunächst nicht von einer Koppelung ausgegangen, sagte Thomas Pfefferkorn, Direktor der Klinik für Neurologie am Klinikum Ingolstadt. Er hatte Anfang April einen der ersten nach einer Corona-Infektion betroffenen Patienten in Deutschland behandelt.

"Zu dem Zeitpunkt damals hat man gedacht, das gäbe es eigentlich nicht." Dann aber hätten mehrere Patienten nach einer Corona-Infektion die Erkrankung gezeigt - "sodass man jetzt sicher sein kann: Es gibt diese Komplikation." Berlit schätzt die Zahl beschriebener Fälle in Deutschland auf derzeit etwa 20. Etwa 80 Prozent der Betroffenen werden demnach wieder vollständig gesund. Mitunter bleiben Funktionsausfälle. Fünf Prozent der Patienten sterben. Vor der Pandemie erkrankte in Deutschland einer von Hunderttausend Menschen im Jahr.

Überschießende Autoimmunreaktion

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Beim Guillain-Barré-Syndrom werden durch eine überschießende Autoimmunreaktion Nerven geschädigt, sodass sie keine Reize mehr übertragen können. Folgen sind Lähmungen. Sie beginnen meist in den Beinen und erfassen dann auch Arme und Gesicht bis hin zur Atemmuskulatur. Patienten müssen dann beatmet werden - was besonders schwierig wird, wenn die Lunge durch das Coronavirus schon geschädigt ist. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Die Krankheit kann in jedem Lebensalter auftreten.

Forscher haben in mehreren Studien über den Zusammenhang zwischen GBS und Covid-19 berichtet. Einer Analyse im "Journal of Neurology" zufolge erkranken Betroffene meist einige Tage bis etwa drei Wochen nach der Corona-Infektion an dem Syndrom.

Quelle: ntv.de, jaz/dpa

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