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Globales Register eingerichtet Covid-19 kann auch Diabetes auslösen

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In Deutschland wird Diabetes mellitus als Volkskrankheit bezeichnet.

(Foto: picture alliance/dpa)

Sars-CoV-2 zeigt sich mit vielen Gesichtern. Um zu klären, wie sich eine Infektion auf den Zuckerstoffwechsel auswirkt, initiiert ein Team von Diabetologen ein Register, in dem Fälle gesammelt werden. So soll besser verstanden werden, unter welchen Umständen eine Covid-19-Erkrankung Diabetes auslöst.

Sars-CoV-2 kann verschiedene Bereiche des Körpers wie die Lunge, das Herz oder die Haut befallen. So kann Covid-19 zu einer systemischen Erkrankung werden, die auch eine Stoffwechselentgleisung mit sich bringt. Diese wiederum kann zu einer Erkrankung führen, die der Patient im schlimmsten Fall nicht überlebt. Wie es dazu kommt, dass Sars-CoV-2 zu Diabetes führt, wie viele Infizierte das betrifft und was mit Diabetes-Patienten passiert, die sich mit Sars-CoV-2 infizieren, sind nur einige Fragen, die sich Forscher in der aktuellen Pandemie stellen.

Um die Zusammenhänge zwischen Covid-19 und Diabetes zu klären, haben sich 17 Diabetologen aus neun Ländern zusammengetan und ein globales Register eingerichtet. Damit sollen Daten von Covid-19-Patienten zur Auswertung gesammelt werden, die bereits vor der Infektion an Diabetes litten oder durch die Erkrankung Diabetes bekommen haben.

Mehrere Fälle in Asien dokumentiert

Forscher aus Wuhan hatten bereits im März darüber berichtet, dass es bei 6,4 Prozent der in einem Krankenhaus behandelten Covid-19-Patienten zu einem Anstieg der sogenannten Ketonkörper gekommen sei. Diese bilden sich beispielsweise bei Insulinmangel, hohem Fieber oder fettreicher Ernährung. Ketonkörper im Blut stellen für Mediziner den Hinweis auf eine drohende Übersäuerung des Blutes dar. Bei den Patienten in China sei lediglich bei jedem Dritten vor der Covid-19-Erkrankung Diabetes diagnostiziert worden. Auch Ärzte aus Singapur berichteten von einer Reihe von Fällen, bei denen vor allem jüngere Patienten, die vor der Erkrankung keinerlei Anzeichen für eine Diabetes-Erkrankung hatten, durch Covid-19 einen Insulin-pflichtigen Diabetes bekamen.

Dass schwere Virusinfektionen zu Stoffwechselentgleisungen führen können, ist bereits seit längerer Zeit bekannt. In den meisten Fällen sei diese Stressreaktion mit einer vermehrten Ausschüttung von Cortisol für den Anstieg des Blutzuckers verantwortlich, schreibt das Deutsche Ärzteblatt dazu. Bei einer Infektion mit Sars-Coronaviren kommt wahrscheinlich ein zusätzlicher Faktor hinzu. Schon in der Sars-Epidemie von 2002/03 hatten Mediziner eine Erhöhung der Blutzuckerwerte bei Patienten festgestellt. Forscher aus China führten dies später auf eine Schädigung der sogenannten Beta-Zellen zurück. Diese Zellen bilden das ACE2-Protein, das als Andockstelle an die Zellen auch für Sars-CoV-2 eine Schlüsselrolle spielt.

Diabetiker werden in Deutschland vom Robert-Koch-Institut der Risikogruppe zugerechnet. Ob der Diabetes, der durch Covid-19 entstanden ist, nach der Genesung auch wieder verschwindet, ist bisher noch unklar. Über das neu eingerichtete Register wird im "New England Journal of Medicine" berichtet.

Quelle: ntv.de, jaz