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Zahnfund in Höhle in Laos Denisova-Mensch lebte auch in Tropen Südostasiens

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Der gefundene Zahn TNH2-1 wurde so untersucht, dass noch Material für künftige Forschung bleibt.

(Foto: Demeter et al., Nature Communications, 2022)

Bisher gibt es zwei Orte auf der Welt, an denen die frühen Denisova-Menschen lebten: in Sibirien und auf dem tibetischen Plateau. Der Landkarte wird nun ein weiterer Ort hinzugefügt. In einer Höhle in Laos finden Forschende einen Zahn, den sie klar zuordnen.

Paläontologen haben in Laos eine Entdeckung gemacht, mit der sie nachweisen können, dass Denisova-Menschen sich weiter verbreitet hatten als bisher bekannt. Es handelt sich um einen Backenzahn, den Forschende in der Höhle Tam Ngu Hao 2 im Anamit-Gebirge in Laos entdeckt hatten. Bei der Untersuchung des Zahnes stellte sich heraus, dass er wahrscheinlich einem jungen Denisova-Mädchen gehörte.

Ihre Ergebnisse veröffentlichte die Forschungsgruppe in der Fachzeitschrift "Nature Communications". Demnach datierten sie den Zahn im mittleren Pleistozän. Es wäre das erste Denisova-Fossil, das jemals in Südostasien entdeckt wurde. "Der Zahn aus der Tam Ngu Hao 2-Höhle in Laos liefert somit einen direkten Beweis für ein höchstwahrscheinlich weibliches Denisovan-Individuum mit zugehöriger Fauna auf dem südostasiatischen Festland vor 164.000 bis 131.000 Jahren", schreibt das Team in dem Artikel.

Die Entdeckung ist überraschend, weil es bisher nur zwei Orte auf der Welt gibt, an denen Denisova-Vorkommen nachgewiesen wurden: die Denisova-Höhle in Sibirien und das tibetische Plateau. Aber auch in der Höhle in Laos lebte offenbar eine Gruppe der Frühmenschen, die eng mit den Neandertalern verwandt waren.

"Kleine Black Box"

Ein internationales Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter der Leitung von Laura Shackelford von der University of Illinois untersuchte den Backenzahn, der offenbar aus dem Unterkiefer eines Homininen stammte. Die Morphologie dieses Zahns zeigt, dass es sich um den ersten oder zweiten unteren Backenzahn eines Kindes handelt, dessen Alter etwa 3,5 bis 8,5 Jahre betrug. Das schließen die Forschenden unter anderem aus der geringen Oberflächenabnutzung des Zahns, die darauf hindeutet, dass das Kind starb, bevor sich seine erwachsenen Zähne vollständig gebildet hatten.

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"Zähne sind wie eine kleine Black Box des individuellen Lebens", zitiert "National Geographic", Clément Zanolli, einen Mitautor der Studie. In ihrer Form, inneren Struktur, Chemie und Abnutzungsmuster können Zähne Hinweise auf das Alter, die Ernährung und sogar das Klima ihres Lebensraums eines Tieres bewahren, so der Paläoanthropologe an der französischen Universität Bordeaux. Im Zahnschmelz fand sich zwar kein Peptid, dass eine zuverlässige Zuordnung zu einem bestimmten Frühmenschen ermöglichte. Die Proteinsequenzen zeigten jedoch, dass die Probe tatsächlich zu einem Individuum aus der Gattung Homo gehörte, das offenbar weiblich war. Eine Analyse der inneren und äußeren Struktur des Backenzahns ergab dann, dass die Ähnlichkeiten zu Denisova-Funden größer als zu Neandertaler-Funden war.

Nach Ansicht der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bestätigt die Entdeckung zudem, dass "diese Region ein Hotspot der Diversität für die Gattung Homo des späten Mittel- bis Spätpleistozäns" war. Außer dem Denisova-Menschen gab es bereits Nachweise für Homo erectus, Homo floresiensis, Homo luzonensis und Homo sapiens. Shackleford glaubt, dass die Denisova-Menschen trotz der bisher eher wenigen Funde weiter verbreitet waren, als bislang angenommen. Das neue Fossil zeige diese weitere Verbreitung, aber auch die Anpassungsfähigkeit dieses Menschenzweiges. "Sie lebten in den kalten arktischen Temperaturen Sibiriens, in der kalten, [sauerstoffarmen] Umgebung des tibetischen Plateaus, und jetzt wissen wir, dass sie auch in den Tropen Südostasiens lebten."

Quelle: ntv.de, sba

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