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Hitze, Extremregen, Überflutungen "Deutschland muss klimasicher werden"

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Hitze und anhaltende Trockenheit waren auch in diesem Sommer ein großes Problem in Deutschland. Hier zu sehen: das Rheinufer bei Düsseldorf.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Meeresspiegel steigt, die Gletscher schmelzen: Die ersten Auswirkungen des Klimawandels sind schon heute spürbar. In den kommenden Jahrzehnten wird es nicht besser werden. Auf Deutschland kommt einiges zu, zeigt eine Studie - und fordert zum Handeln auf.

Der Klimawandel hat schon längst begonnen, seine Auswirkungen werden sich immer stärker bemerkbar machen. Was kommt auf Deutschland zu? Experten können auf diese Frage inzwischen belastbare Antworten geben: Besonders die Gefahr von Hitzewellen, Starkregen und Hochwasser werde drastisch steigen – sagt eine Studie von Umweltbundesamt und Deutschem Wetterdienst.

Den Analysen zufolge werden einzelne Regionen stärker betroffen sein als andere. In Ballungsgebieten in Ostdeutschland und auch im Rheintal verdoppeln sich demnach die heißen Tage bis zum Jahr 2050. Während die Temperaturen zurzeit lediglich an 8 bis 12 Tagen im Jahr auf 30 Grad Celsius oder mehr klettern, soll das Mitte des Jahrhunderts an 15 bis 25 Tagen der Fall sein.

"Gesundheitssystem muss sich ändern"

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Schon jetzt ist die Hitze die bedrohlichste Naturkatastrophe: 2003 fielen hierzulande rund 10.000 Menschen einer Hitzewelle zum Opfer. Sie waren dehydriert, hatten also nicht genug Wasser zu sich genommen, und erlitten in der Folge einen Hitzschlag oder Kreislaufkollaps. Besonders gefährdet sind alte Menschen, die ohnehin oft nicht genug trinken. In den kommenden Jahrzehnten prallen Erderwärmung und demographischer Wandel aufeinander: Es gibt immer mehr ältere Menschen, und sie haben zunehmend mit hohen Temperaturen zu kämpfen. "Das Gesundheitssystem wird sich ändern müssen", hält Paul Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes, bei der Vorstellung der 690 Seiten starken Studie fest.

Hinzu kommen vermehrt Überschwemmungen – in Norddeutschland durch Flusshochwasser, in Süddeutschland durch Starkregen. Auch das Rhein-Ruhr-Gebiet wird es der Studie zufolge treffen. Straßen und Schienen, Gebäude und Brücken sind dann gefährdet. Das hatte sich schon beim Elbehochwasser 2013 gezeigt. "Wenn Schäden an Deichen auftreten, dann steigt natürlich auch die Wahrscheinlichkeit von Schäden im Hinterland", sagt Inke Schauser vom Umweltbundesamt.

Deutschland muss handeln

Natürlich wirken sich die mit dem Klimawandel einhergehenden Veränderungen nicht nur auf den Menschen, sondern auch auf Tiere und Pflanzen aus. So könnten sich giftige Blaualgen in Seen ausbreiten. Auch Krankheitsüberträger wie bestimmte Mückenarten und Zecken sind auf dem Vormarsch. Kommt es im Frühjahr und Sommer früher zu Trockenheit, beeinflusst das zudem die Landwirtschaft. Durch die Hitze kann es, wie auch in diesem Jahr, zu Ernteeinbußen kommen. Dafür wird es durch längere Vegetationsperioden möglich, Sojabohnen oder Sorghum-Hirse zu züchten. Die gediehen bislang nicht auf deutschen Äckern.

Deutschland müsse den Klimawandel schon jetzt mitdenken, sagt Rita Schwarzelühr-Sutter, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium. Nicht nur die Dekarbonisierung müssten wir bis 2050 erreichen, "sondern Deutschland auch klimasicher machen". Hellere Straßenbeläge, mehr Grünanlagen – diese Maßnahmen könnten Städte kühlen. Überschwemmungen könnte durch entsprechende Bauplanungen vorgebeugt werden. Anfang kommenden Jahres will die Bundesregierung ein umfassendes Maßnahmenpaket vorlegen. Grundlage dafür ist die aktuelle Studie. Diese Grundlage, sagt DWD-Vizepräsident Becker, ist Material genug für politisches Handeln. Und handeln müsse Deutschland schon jetzt.

Quelle: n-tv.de, asc