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Eine Acht um den ErdtrabantenSo läuft der "Artemis 2"-Flug um den Mond - Tag für Tag

01.04.2026, 13:05 Uhr
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Mondumrundung von "Artemis 1" im Jahr 2022 - im Hintergrund Mond und Erde. (Foto: Nasa / JSC)

Der Countdown läuft: Mit "Artemis 2" werden Menschen nach mehr als 50 Jahren wieder zum Mond fliegen. Eine Übersicht über die einzelnen Etappen des Fluges und den Zeitplan.

Erstmals seit mehr als einem halben Jahrhundert sollen in der Nacht zum Donnerstag wieder Menschen in Richtung Mond starten. An Bord einer "Orion"-Kapsel sollen vier Astronauten mit dem Raketensystem "Space Launch System" (SLS) vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida abheben. Um 0.24 Uhr MESZ (18.24 Uhr Ortszeit) öffnet sich dafür ein rund zweistündiges Startfenster. Die SLS ist die bislang leistungsstärkste Rakete der Nasa.

Mit der auf etwa zehn Tage angelegten "Artemis 2"-Mission sollen die US-Astronauten Christina Koch, Victor Glover und Reid Wiseman sowie ihr kanadischer Kollege Jeremy Hansen um den Mond herum fliegen. Sie könnten sich dabei weiter von der Erde entfernen als jemals Menschen zuvor. Zuletzt waren US-Astronauten 1972 auf dem Mond gewesen. 

Der Flugverlauf ähnelt zum großen Teil einer Acht um Erde und Mond. Nach etwa zehn Tagen soll die Kapsel wieder im Meer auf der Erde aufsetzen. Die vier Astronauten sollen insgesamt mehr als 2,3 Millionen Kilometer zurücklegen. 

So ist der genaue Ablauf der Mission geplant

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(Foto: RTL News/ntv.de)

Start: Das Zeitfenster für den Start der Rakete öffnet sich am 1. April. In den darauffolgenden Tagen sind mehrere Ausweichtermine möglich, sollten widriges Wetter oder technische Probleme die Mission verzögern. Einige Zeit nach dem Start vom Kennedy Space Center in Florida soll sich die Raumkapsel "Orion" von der Rakete lösen und in eine elliptische Umlaufbahn um die Erde eintreten.

Tag 1 bis 2: Die Mannschaft der "Orion" wird während der Erdumrundungen die Raumkapsel auf Herz und Nieren prüfen. Es sind Tests der Lebenserhaltung und des Antriebs sowie der Navigations- und Kommunikationssysteme geplant. Damit soll sichergestellt werden, dass die "Orion" ihre Reise zum Mond antreten kann.

Translunare Injektion: Nach Abschluss der Tests werden die Triebwerke der "Orion" die Raumkapsel aus der Erdumlaufbahn herauskatapultieren und in Richtung Mond lenken. Dieser Teil der Mission heißt im Fachjargon "translunare Injektion".

Tag 3 bis 4: Auf dem mehrtägigen Flug zum Mond werden die Bodenstation und die Crew der "Orion" die Systeme der Raumkapsel kontinuierlich überwachen.

Vorbeiflug am Mond: Die "Orion" wird den Mond auf einer Bahn passieren, auf der die Schwerkraft die Raumkapsel ohne erneuten Einsatz der Triebwerke zurück in Richtung Erde ("Free Return") lenkt. Dabei erreicht die Mannschaft den erdfernsten Punkt ihrer Reise: etwa 370.000 Kilometer von der Erde entfernt und etwa 7500 Kilometer hinter der erdabgewandten Seite des Mondes.

Tag 5 bis 8: Den Rückflug zur Erde wird die Crew mit weiteren Tests und Systemkontrollen verbringen.

Wiedereintritt in die Erdatmosphäre: Zur Vorbereitung der Landung werden weitere Teile der Raumkapsel abgetrennt. Die Kanzel mit den Astronauten an Bord wird dann mit einer Geschwindigkeit von mehr als 40.000 km/h in die Erdatmosphäre eindringen. Der Test des Hitzeschildes ist einer der wichtigsten Punkte bei der Mission. Die Raumkapsel soll im Pazifischen Ozean landen, wo die Crew von Rettungsteams in Empfang genommen wird.

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa erwartet, dass Hunderttausende Menschen auf der Welt den Start verfolgen werden - per Livestream im Internet und viele auch von vor Ort in Florida. Hotels und Pensionen in einem weiten Umkreis um den Weltraumbahnhof herum waren komplett ausgebucht, und das zu größtenteils deutlich angehobenen Zimmerpreisen. An Stränden und in Parks sind Start-Partys geplant, eine Donut-Läden-Kette verkaufte eigens spezielle "Artemis 2"-Kringel. 

Alle Beteiligten sind "extrem aufgeregt"

Alle an "Artemis 2" beteiligten Menschen seien "extrem aufgeregt", sagte Nasa-Manager Jeff Spaulding bei einer Pressekonferenz. "Sie verstehen die Bedeutung dieser Mission."

Auch die europäische Raumfahrtbehörde Esa ist daran beteiligt und steuert unter anderem ein im Bremer Airbus-Werk gefertigtes Servicemodul für die "Orion"-Kapsel bei. "Artemis 2" sei ein "Meilenstein-Moment für die menschliche Exploration und für die Rolle, die Europa dabei spielt, die Menschheit auf den Mond zurückzubringen", sagte Esa-Chef Josef Aschbacher.

Der Start der krisengeplagten Mission "Artemis 2" war zuvor wegen technischer Probleme mehrfach verschoben worden - und könnte sich auch diesmal aus unterschiedlichen Gründen noch verschieben. Die Nasa zeigte sich jedoch optimistisch, und die Meteorologen gaben die Wahrscheinlichkeit, dass auch das Wetter mitspielen werde, mit 80 Prozent an.

Quelle: ntv.de, kst/dpa/rts

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